FATE als universelles Rollenspielsystem – oder: System matters

Gestern haben wir zum dritten und vorerst letzten Mal FATE gespielt. So ist das eben, wenn man eine Minikampagne abgeschlossen hat und das Flugzeug in letzter Sekunde von der deutschen Ausgrabungsstätte gestartet hat, bevor der Panzer dann doch tötlich tritt. In nächster Zeit wird wohl mehr D&D in der 4ten Edition gespielt – oder FATE in den Vergessenen Reichen?

Diese Diskussion ist zumindest aufgekommen, nachdem uns das FATE System sehr gut gefallen hat. Die Möglichkeit die Spielwelt zu verändern finde ich noch immer genial, aber dennoch stehe ich dem skeptisch gegenüber, denn irgendwie spielt das Spielsystem doch eine Rolle.Über D&D 4.0 sollte ich vielleicht nochmal ausführlicher bloggen, aber diejenigen die diesen Artikel lesen wissen wahrscheinlich eh um was es geht: Ein Fantasy-System, welches taktisch-kämpferisch ausgelegt ist. Und auch wenn es im Kern nur auf Kampf ausgelegt ist, komme gut damit klar. In unserer Runde hatte ich auch nicht den Eindruck, dass klassisches Rollenspiel außerhalb des Kampfes verloren geht, aber im Kampf gab es eine größere Intensivität als beispielsweise bei FATE und auch DSA.

Und das ist auch gut so. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr spielt ein System auch eine Rolle, wie gespielt wird. Vielleicht bin ich auch von Settings noch eingesponnen und nicht frei genug um über den Tellerrand hinaus zu gucken, aber es sind durchaus auch verschiedene Ansichten und Wünsche an ein Rollenspielsystem, die bedient werden:

  • FATE ist ein System, welches einem zum aktiven Mitgestalter macht und gemeinsam eine Geschichte erleben lässt. Die FATE Punkte sorgen dafür, dass man hier die Welt ändern kann und somit selber in die Position eines „Ja, aber“-Spielleiters rückt.1 Das macht es einerseits interessanter, aber es ist eben auch anstrengender, als sich einfach nur in die Welt hinein zu begeben, die der Spielleiter geschaffen hat.
  • D&D dagegen ist für mich eben ein klassisches Fantasy Setting bei dem ich ein Charakter in einer Fantasy Welt bin, die sich vielleicht ein wenig durch mich ändert, aber an der ich im Prinzip eben nicht viel ändern kann. Kampf steht natürlich nicht in meinem persönlichen Mittelpunkt, aber D&D 4 lebt ja schon davon, dass man dort auch glänzen kann. Ich sehe es eben actionreicher als FATE, bei dem das Charakterspiel aufgrund der Aspekte sicherlich – vom System her – spannender ist, aber die Kämpfe doch eher flach sind.
  • DSA hingegen sehe ich ja aus der Spielleitersicht und ist für mich damit ein wenig epischer ausgelegt. Kämpfe spielen – auch aufgrund der Kampfkraft unserer Gruppe – eine geringere Rolle. Für mich geht es darum eine Geschichte zu erzählen – nicht als pures railroading, aber eben schon ein wenig in eine Richtung gelenkt.2
  • So, um es abzurunden bietet Cthulhu mir als Spieler oder Spielleiter eben die Möglichkeit mal ein atmosphärisches und gruseliges Abenteuer zu erleben – ohne Kampagnencharakter und mit der klaren Erwartung eines grausamen Todes :D

Man sieht also, dass jedes Rollenspiel und jedes System damit meine Bedürfnisse oder Ansichten auf verschiedene Weisen spiegelt. Die Gedanken zur Universalität bezüglich Rollenspielsystemen wird sicher nochmal aufkommen, wenn ich Savage Worlds etwas genauer getestet habe, welches den Anspruch hat, verschiedene Settings ädaquat darstellen zu können. Mag sein, dass das System oder eben auch ein FATE Testlauf in den Vergessenen Reichen meine Meinung etwas ändert, aber momentan würde ich beispielsweise auch noch bei den ausführlicheren DSA Regeln bleiben – und das nicht nur, weil ich sie abgeschrieben hatte. :) Zum Beispiel finde ich das ausführliche magische Regelwerk viel stimmiger in der Welt des schwarzen Auges, als das generelle der Savage Worlds. Aber nun gut, das muss noch getestet werden. Momentan bleibe ich dabei: Das System hat einen guten Einfluss auf die Spielwelten.

  1. Die „Ja-aber“ Regel für Spielleiter besagt im Prinzip, dass dieser Aktionen der Spieler insofern unterstützt, dass der deren Ideen nicht mit einem „nein“ zurück weisst, sondern eigentlich immer – wenn es nachvollziehbar ist – ein „Ja“ nutzt, dies aber ggf. mit Konsequenzen „aber“ versieht. Vielleicht stelle ich das bei Wunsch nochmal genauer vor. []
  2. Und ich habe den Eindruck, dass dies auch ganz gut klappt. []
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