Die DDR war eine Diktatur!

Bei Anne Will wird heute abend für mich etwas befremdlich über die Frage diskutiert, ob die DDR wirklich eine Diktatur sei. Also, dass zu bezweifeln halte ich für einen ziemlichen Unsinn: Wo man seine Meinung nicht vollkommen und überall frei äußern konnte oder ausreisen konnte, kann man doch nicht anfangen darüber zu zweifeln, ob es eine Diktatur war. Ob nun der Begriff Unrechtsstaat dann noch dazu kommt, ist dann nur noch eine Detaildiskussion, wobei ich mir nicht wirklich vorstellen kann, wie man die DDR nicht so bezeichnen will.

Und klar: Nicht alle Menschen in der DDR hatten unter dem Regime zu leiden oder unterstützen dies. Viele hatten in der DDR sicher ein erfülltes und glückliches Leben und der Alltag war für viele damit sicher kein Problem – vielleicht erscheint es sogar angenehmer als das Leben nun in der Bundesrepublik.

Aber welche Bedeutung hat dies denn für die Bewertung des Staatssystems? Ist ein Staat weniger diktatorisch, weil er jedem eine Arbeit bietet oder ein besseres Sozialsystem hat? Wohl kaum. Freiheit findet sich natürlich auch im Sozialsystem und ich finde, dass in industriellen Nationen zur Freiheit auch eine Grundversorgung mit Kultur gehört, aber wenn dazu nicht die Grundfreiheiten wie Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit oder eben die Wahl der eigenen Regierung gehören, ist ein gutes Sozialsystem nicht mehr als Brot und Spiele, um einen sozialen Frieden zu wahren.

Ich halte dementsprechend auch nicht viel davon, dass man – wie Thierse es in der Diskussion wohl forderte1 – gleichzeitig mit der Bezeichnung der DDR als Diktatur auch das Lebenswerk der Menschen dort schützt. Ich finde das sind wie gesagt zwei Paar Schuhe. Wenn man das Dritte Reich als Dikatur bezeichnet, erwähnt man ja auch nicht gleichzeitig, dass nicht alle Menschen in der Zeit Nazis waren und am Massenmord beteiligt waren, sondern viele sich auch einfach mit der Situation arrangiert und ihr Leben gelebt haben. Sowas ist selbstverständlich und die Aussage, dass das Dritte Reich auch seine Guten Seiten hätte, ist ebenso unnutzbar. Völlig klar: Der Vergleich hinkt, Diktatur ist nicht gleich Diktatur und sowohl der Schrecken als auch der innerstaatliche Eingriff in das Leben war in den 12 Jahren unter den Nationalsozialisten gravierender, als in den 40 Jahren der DDR, aber dennoch relativieren solche Aussagen auf die DDR angewendet dieses Regime deutlich.

Ebenso im übrigen auch wie eine Verherrlichung deren Symbolen als Ostalgie. Also zum Beispiel das Hotel, welches dort gezeigt wurde im alten DDR Stil. An den Wänden sind Bilder von Honecker oder als Tischdekoration Schildchen der Freien Deutschen Jugend zu finden. Also einem Menschen, der für viele Tote an der innerdeutschen Mauer verantwortlich und mehrere Tausende, die für ihre Meinung eingesperrt wurden, und die Insignien einer Organisation die für die politische Gehirnwäsche von Jugendlichen genutzt wurde.

Klar, vielleicht sehe ich das mit dem Auge eines Westlers und ich spitze hier im Artikel ich etwas zu, aber nach dieser Diskussion musste der ein oder andere Gedanke einfach mal raus :) Und – das war ja das erste Skurrile der Diskussion vorhin – am Beginn wurde doch glatt gesagt, Wessis könnten kaum darüber reden, weil sie die Erfahrung nicht hätten. Also mal abgesehen von dem „Miteinander reden“, was dort ja auch immer betont wurde, frage ich mich, ob man dann auch nur über den Nationalsozialismus oder was weiss ich, die Diktatur im Irak reden dürfte, wenn man das alles miterlebt hätte. Nun mit diesem Beitrag habe ich mich darum ja nicht gescherrt :)

  1. zumindest hatte ich ihn so verstanden []
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