Jedem das seine

Jeder, der bei dieser Überschrift einen Schrecken bekommen hat und mich vielleicht schon für mangelnde Sensibilität kritisieren wollte, hat offensichtlich ausreichende Geschichtskenntnis. So bescheinigt Salomon Korn, Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, allen anderen – und auch mir – eine „totaler Geschichtsunkenntnis“, wenn man diese drei Wörter nicht mit dem KZ Buchenwald in Verbindung bringt, wo diese über dem Eingang eingebracht waren. Hintergrund sind inzwischen zurückgezogene Kampagnen von Tchibo und Esso wegen dieser Wortkombination.

Ganz ehrlich: Ich bin der letzte, der meint man sollte die Geschichte Ruhen lassen oder die unmenschlichen Verbrechen des Nationalsozialismus in irgendeiner Form verharmlosen sollte, aber „Jedem das Seine“ steht für mich wirklich nicht in nationalsozialistischem Zusammenhang. Wer den Ursprung bedenkt und die Aussage geht es eben um Toleranz hoch drei:

Geprägt hatte ihn allerdings der Philosoph Cato der Ältere vor mehr als 2000 Jahren; er meinte ihn positiv: Jeder Mensch soll sein Leben so gestalten können, wie er es möchte.

Ich sehe es auch so und habe den Spruch in meinem Leben sicherlich mehrmals gebraucht. Somit steht er für genau das Gegenteil von dem, was der nationalsozialistischen Logik entspricht.

Man sollte vorsichtig mit Wörtern aus dem Nationalsozialismus sein, aber in dem Zusammenhang geht mir die Aufregung etwas zu weit.

Was denkt ihr? Habt ihr die Redewendung im nationalsozialistischen Zusammenhang gesehen? Werdet ihr deshalb jetzt anders damit umgehen?

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