Alkoholkonsum begrenzen

Der Sucht- und Drogenrat hatte gestern einige Vorschläge gemacht, um den schädlichen Umgang mit Alkohol, der 70.000 Menschen pro Jahr das Leben kostet, zu begrenzen. Inhalte unter anderem ein Verkaufsverbot an Tankstellen, Autorasstätten und Bahnhöfen, Beschränkung des Verkaufs in Sportstadien und dessen Sponsoring und Werbung allgemein. Die entsprechende Industrie schrie natürlich gleich auf, ganz Deutschland werde in alkoholpolitische Sippenhaft genommen und Werbeverbote würden an der Problematik vom Konsum durch Jugendliche nichts ändern, weil dafür ja eher das Familienumfeld entscheidend sei.

Klar, ein gutes Umfeld stärkt sicher den verantwortungsvollen Umgang mit dieser Droge und lässt einen sicher nicht so schnell in die Abhängigkeit abrutschen, aber man macht es sich da natürlich auch etwas zu einfach. Man kann sich doch einfach mal die Werbung im Fernsehen angucken: Erlebe die Party deines Lebens mit V+, Segeln und Sonne mit Becks oder Fussball eben nur mit Krombacher (und der Freundin in der Abstellkammer). Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und bringt eins rüber: Nur mit Alkohol ist die Party ein Hit und macht Spaß. Man denke nur an die Anti-Werbung von Jägermeister, wo Spießige Personen als „Kein Jägermeister“ oder so dargestellt wurde. Das Ziel der Werbung ist eben genau diese Botschaft rüberzubringen. Sei cool, trink dir nen Bier. Das tut dann seinen Teil dazu bei, dass Jugendliche zumindest auf Partys unreflektiert auch mal zu dem „coolen“ Getränk greift. Also es gibt für Zigaretten ein Werbeverbot, wieso sollte man sich dies für die andere Gesellschaftsdroge nicht auch vorstellen können?

Was die Verbote angeht, kann man sicher drüber streiten, inwieweit eine solche Einschränkungen wirklich sinnvoll sind. Ich meine bei Raststätten an der Autobahn könnte ich mir das durchaus vorstellen, auch weil die vornehmlichen Benutzer einer solchen (Autofahrer) eben nüchtern bleiben sollten. Aber ob ein Verbot hier wirklich den Alkoholkonsum wesentlich senkt, müsste man wohl erst untersuchen.

Also ich finde durchaus, dass man sich gut überlegen sollte, was man tun kann, um gegen Alkohol vorzugehen, bzw. diesen insbesondere für Jugendliche schwerer zugänglich zu machen. Solche Aussagen wie von Beckstein, dass man nach zwei Maß Bier doch noch Auto fahren könne, sind dabei aber extremst ungünstig.1 Die Regel sollte doch eher sein: Don’t drink and drive. Aber solange Alkohol allgemein anerkannt wird, braucht sich nicht zu wundern, wenn Jugendliche auch ganz ungezwungen zugreifen.

  1. Und im übrigen auch falsch, denn 1,2 Promille liegen weit über dem Grenzwert, selbst ein Maß Bier ist wohl zuviel. []
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