ArchivSeptember 2008

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Politikum um Evonik
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Alkoholkonsum begrenzen
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Einheitsschule ungleich Einheitsbrei
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Linktipp zu Dark Knight
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Ein Tag Freiheit: 11 Euro
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Ende für Exit?
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The dark knight

Politikum um Evonik

Am letzten Wochenende spielte bekanntlich Schalke gegen Dortmund und dieses Fußballspiel ist immer schon etwas besonderes, immerhin ist es ein Revierderby und hier besonders aufgeladen. Ich erinnere mich daran, wie meine Großeltern aus dem ländlichen Norden an einem solchen Wochenende hier in Gelsenkirchen waren und es ewig dauerte, bis sie aus der Stadt zurückkehrten. Man machte sich schon fast Sorgen, um dann später zu erfahren, dass sie sich nur begeistert angeguckt hatten, wie Schalke und Dortmund-Fans sich voller Inbrunst gegenseitig beleidigt hätten. Sei es drum, ich schweife ab. Jedenfalls ist ein solches Spiel in beiden Städten immer irgendwo etwas besonderes.

Am Samstag hatte der Hauptsponsor des BVB deshalb folgende Anzeige geschaltet:

Ich hatte es am Samstag bereits im pottblog gesehen ((daher auch das Bild, vielen Dank für die Genehmigung das Bild auch hier zu nutzen:) )) und für lustig empfunden. Jetzt vielleicht nicht zum auf dem Boden rumkugeln, aber für einen Schmunzler über diese kleine Stichelei an einem Tag, bei dem eben die Rivalität dieser beiden Städte auf dem Spielfeld symbolisiert wird (eigentlich gibt es sie auch nur da) hat es doch gereicht. Wie dem auch sei, dachte ich damit wäre es nun gegessen und gut.

Aber nein: Die Gelsenkirchener Lokalpolitik fühlt sich von dieser Anzeige enorm beleigt und reagiert entsprechend mit der Forderung einer Entschuldigung, etc. pp. Liebe Leute. Diese Stadt hat wahrlich größere Probleme, als diesen Scherz. Meines Erachtens wurde hier etwas aufgebauscht, was gang und gebe ist. Einige Personen in unserer Stadt nehmen das Wort Dortmund nichtmal in den Mund, sondern weichen aus Abneigung wegen dem Fußballverein auf Dinge wie “Vorort von Lüdenscheid” aus und auch die Stadtmarketing spielt doch – wie Jens in einem anderen Beitrag zeigt – ganz offen mit dieser Rivalität.

In den Kommentaren zu einem weiteren evonik Bericht bei ihm bin ich auch auf folgendes Bild aus Schalker Kreisen gestoßen:

Ich weiss nicht, ob es für soetwas eine Entschuldigung gab oder ähnliches, aber auch das würde ich peinlich finden. Hier wurde einfach mit etwas gespielt, was denn Menschen in Gelsenkirchen und Dortmund bekannt ist und wo es irgendwo dazu gehört, den anderen ein wenig zu pisaken. Aber wer mehr in soetwas reininterpretiert, sollte sich doch mal Gedanken darüber machen, ob Fussball und diese Rivalität nicht etwas übersteigert sind…

Alkoholkonsum begrenzen

Der Sucht- und Drogenrat hatte gestern einige Vorschläge gemacht, um den schädlichen Umgang mit Alkohol, der 70.000 Menschen pro Jahr das Leben kostet, zu begrenzen. Inhalte unter anderem ein Verkaufsverbot an Tankstellen, Autorasstätten und Bahnhöfen, Beschränkung des Verkaufs in Sportstadien und dessen Sponsoring und Werbung allgemein. Die entsprechende Industrie schrie natürlich gleich auf, ganz Deutschland werde in alkoholpolitische Sippenhaft genommen und Werbeverbote würden an der Problematik vom Konsum durch Jugendliche nichts ändern, weil dafür ja eher das Familienumfeld entscheidend sei.

Klar, ein gutes Umfeld stärkt sicher den verantwortungsvollen Umgang mit dieser Droge und lässt einen sicher nicht so schnell in die Abhängigkeit abrutschen, aber man macht es sich da natürlich auch etwas zu einfach. Man kann sich doch einfach mal die Werbung im Fernsehen angucken: Erlebe die Party deines Lebens mit V+, Segeln und Sonne mit Becks oder Fussball eben nur mit Krombacher (und der Freundin in der Abstellkammer). Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen und bringt eins rüber: Nur mit Alkohol ist die Party ein Hit und macht Spaß. Man denke nur an die Anti-Werbung von Jägermeister, wo Spießige Personen als „Kein Jägermeister” oder so dargestellt wurde. Das Ziel der Werbung ist eben genau diese Botschaft rüberzubringen. Sei cool, trink dir nen Bier. Das tut dann seinen Teil dazu bei, dass Jugendliche zumindest auf Partys unreflektiert auch mal zu dem „coolen” Getränk greift. Also es gibt für Zigaretten ein Werbeverbot, wieso sollte man sich dies für die andere Gesellschaftsdroge nicht auch vorstellen können?

Was die Verbote angeht, kann man sicher drüber streiten, inwieweit eine solche Einschränkungen wirklich sinnvoll sind. Ich meine bei Raststätten an der Autobahn könnte ich mir das durchaus vorstellen, auch weil die vornehmlichen Benutzer einer solchen (Autofahrer) eben nüchtern bleiben sollten. Aber ob ein Verbot hier wirklich den Alkoholkonsum wesentlich senkt, müsste man wohl erst untersuchen.

Also ich finde durchaus, dass man sich gut überlegen sollte, was man tun kann, um gegen Alkohol vorzugehen, bzw. diesen insbesondere für Jugendliche schwerer zugänglich zu machen. Solche Aussagen wie von Beckstein, dass man nach zwei Maß Bier doch noch Auto fahren könne, sind dabei aber extremst ungünstig. ((Und im übrigen auch falsch, denn 1,2 Promille liegen weit über dem Grenzwert, selbst ein Maß Bier ist wohl zuviel.)) Die Regel sollte doch eher sein: Don’t drink and drive. Aber solange Alkohol allgemein anerkannt wird, braucht sich nicht zu wundern, wenn Jugendliche auch ganz ungezwungen zugreifen.

Einheitsschule ungleich Einheitsbrei

Grade bei Anne Will ging es mal wieder um unser verkorkstes Bildungssystem. Mit dabei der Bildungssenator Zöllner aus Berlin, der eine solche in einer light-Variante ((Gymnasium bleibt bestehen)) einführen will und als sein politischer Konterpart war Norbert Röttgen von der CDU, der meint man müsste im bestehenden System nur ein wenig herumdoktorn und irgendwann werde sich auch der Ruf, Ansehen und Bildung der Hauptschule ändern. Also ich will jetzt nicht die Diskussion komplett wiedergeben, aber ich muss sagen, dass ich dabei nochmal genauer über das aktuelle System nachgedacht habe und mit meiner Überzeugung, dass eigentlich nur ein großer Wurf, nämlich die Einführung einer Einheitsschule die richtige Idee sein kann!

Individuelle Förderung statt Einheitsbrei

Auch wenn der Name es anders erklingen lässt (und von daher überdacht werden sollte), ist das einzige was an der Einheitsschule wirklich gleichgemacht wird ist das Gebäude. Denn nach meiner Vorstellung sollte dann die individuelle Einstufung nach Fähigkeiten und Interessen folgen. Ich finde es zwar wichtig, dass es eine Art Klassenverband gibt, da dies zum Erlernen von sozialen Fähigkeiten notwendig ist, aber dieser sollte etwas aufgebrochen werden. So kann ich mir beispielsweise vorstellen, dass manche Kurse und Fächer in diesem Klassenverbind ein Grundlagenwissen über Geschichte, Erdkunde, Sozialwissenschaften und weiteres bieten, während andere Fächer klassenübergreifend und nach Fähigkeiten unterrichtet werden. Oder es gibt ergänzend zum “normalen” Unterricht im Klassenverband spezielle Förderangebote. Auch fände ich wichtig, dass es neben dem bisher ja auch vorgesehenen Lernpensum spezielle Angebote gibt. Für Leseratten unter Schülern vielleicht ein Kurs, der den Deutschunterricht erweitert um weitere Lektüren, in Physik vielleicht weitere Experimente, die die Kreativität fördern, aktuelle Diskussionen zur Politik oder die Philosophie der alten Griechen. Je nachdem was anbietbar ist und wofür es eine Nachfrage gibt. Aber auch Kurse zur Berufs- oder Studiumsvorbereitung und weiteres direkt praxisbezogenes empfinde ich dort sehr wichtig.

Wie ich in einem früheren Beitrag bereits gesagt habe, ist es ja doch eher so, dass es momentan einen Einheitsbrei gibt, oder um genau zu sein drei: die Gymnasiasten, Realschüler und Hauptschüler. Das es dort übergänge gibt und ein Hauptschüler in manchen Dingen besser sein kann, als ein Gymnasist wird da vernachlässigt. Man wird pauschal abgestempelt und der Lebensweg damit inzwischen ja deutlich vorgeschrieben.

Soziale Fähigkeiten lernen – Eingliedrig statt zweigliedrig

Ich kann die Vorbehalte insbesondere des Bildungsbürgertums ((um einfach mal ein Schlagwort zu nutzen 🙂 )) gut verstehen. Hauptschulen stellen oft einen sozialen Brennpunkt dar, man hat nicht nur vom Ruf dieser Schulform her und den oft mangelnden Zukunftschancen, sondern auch aufgrund des “Umgangs” das Problem damit seine Kinder auf solche Schulen zu schicken oder diese zusammenzulegen. Ganz ehrlich würde ich meine Kinder momentan auch natürlich am liebsten auf ein Gymnasium schicken, aber dennoch plädiere ich dafür die Abkapselung bzw. die “Ausgrenzung” durch die Integration in eine Schulform zu beenden.

Dieses gemeinsame Lernen kann nach meiner Einschätzung das Miteinander verstärken und verbesserte Zukunftsaussichten für diejenigen, die sonst auf der Hauptschule bereits in Kursen das Ausfüllen des Hartz IV Formulars lernen ((was ich jetzt nicht als Kritik verstanden wissen will an dieser leider realistischen Vorbereitung auf die Zukunft 🙁 Allgemein könnte ich mir soetwas aber auch gut vorstellen, also Einführung ins Leben (Versicherungswesen, Steuern, Verwaltungskram und so) aber ich schweife ab)), könnten auch deren Frust sicherlich abbauen. Kurse beispielsweise zur Konfliktbearbeitung müssen ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, die auftretenden “Klassenunterschiede” aufzufangen.

Alles in allem sehe ich für dieses deutsche Selektionsmodell nicht, wie es eine Schule für morgen sein soll. Alleine ein Modell der Einheitsschule ohne Ausnahme eines parallel laufenden Gymnasiums kann wirklich dazu führen, dass man das optimum aus allen Schülern herausholt und das beste versucht, um eine Art der Gleichberechtigung hinzubekommen. Jetzt gibt es eine solche nämlich nicht, wenn das beste 1er Zeugnis auf der Hauptschule nicht zu Ausbildungsplätzen führt.

Linktipp zu Dark Knight

Als kleiner Nachtrag zu meinem Bericht über den neuen Batman Film “The dark knight” möchte ich euch hier nur kurz auf einen Artikel im Blog von Wolfgang hinweisen, der sich in einem schönen Beitrag damit auseinandersetzt, was dieser Film oder eher die durch diesen dargestellte Frage über den Umgang mit irrationaler Gewalt. Viel Spaß beim Lesen 🙂

Ein Tag Freiheit: 11 Euro

Ein belegtes Frühstücksbrötchen: 1,60 Euro, eine Wochenzeitschrift: 3,50 Euro, Utensilien für ein erholsames Bad: 7,86 Euro – ein Tag in Freiheit: Unbez… äh… 11 Euro. Tja, die Werbung eines bekannten Kreditkartenherstellers lässt sich eben nicht auf alles anwenden. Zum Beispiel nicht auf das grundlegende Gut der Freiheit. Zumindest nicht für den Staat. 11 Euro ist es diesem nämlich als Entschädigung wert, wenn jemand unschuldig hinter Gitter muss. Klar, einen wirklichen Wert für einen Tag in Freiheit kann wohl niemand nennen und die sozialen Folgen sind auch kaum zu ersetzen, aber 11 Euro sind nun wirklich lächerlich. Seit 1987 ist dieser Wert unverändert und immerhin wird über Inflationsausgleich nachgedacht. Dann wäre ein Tag Freiheit immerhin schon 17 Euro wert. Ein Anwaltsverein fordert nun mindestens 100 Euro, wie es in anderen Ländern üblich ist. Das klingt schon eher angemessen. Und das sollten uns die paar Einzelfälle auch wert sein, denn Freiheit ist doch kein Ramschgut. (Mehr)

Ende für Exit?

Die Förderung von Programmen gegen Rechtsextremismus ist immer ein Politikum. Die CDU hat dies oft kritisch betrachtet, weil angeblich Programme gegen Linksextremismus oder Islamismus zu schwach seien – völlig die Lage der Gewalttaten verkennend. Neustes Opfer ist die Ausstiegsberatung EXIT. Diese Organisation berät Aussteigewillige aus der rechtsextremen Szene, die nach dem Ausstieg unter Verfolgung und Drohungen zu leiden haben. Nun droht dieser aber das Aus, denn die Fördermittel durch das Arbeitsministerium ((Wieso grade dies weiss ich nicht  🙂 )) werden  gestrichen. Grund hierfür angeblich zuwenig Innovation. Ich weiss ja nicht, welche Innovation ein Aussteigerprogramm baucht, aber das Programm erscheint mir zum einen sehr erfolgreich, zum anderen dringend erforderlich, wie man hier oder hier nachlesen kann.
Bleibt nur zu Hoffen, dass man im Ministerium vielleicht auch mehr auf die Realitäten schaut, als auf irgendwelche Räte. Mehr dazu bei der Tagesschau oder bei NPD-blog.info.

The dark knight

Heute abend ging es mal wieder ins Kino. “The dark knight” die neuste Batman Verfilmung war im Vorfeld ja für die Schauspielerische Leistung des inzwischen verstorbenen Heath Ledger hoch gelobt, so dass diesem hierfür durchaus zugetraut wird als zweiter Schauspieler auch postum den Oscar verliehen zu bekommen. Und das zu Recht: Die Leistung den verrückten Joker auch verrückt darzustellen, ohne ihn dadurch lächerlich zu machen ist wirklich grandios. Ich muss dazu sagen, dass ich weder die Comics, noch die Filme von Batman kenne und auch grundsätzlich Heldengeschichten etwas skeptisch gegenüberstehe. Naja, und dann das: 152 Minuten wird eine spannende und authentische Geschichte geboten, die mit ihren vielen Wendungen auch doch noch immer zu schockieren weiss und wo einem nicht nur aufgrund des schauspielerischen Talents ein schockiertes “Der ist ja total verrückt” durch den Kopf spukt. Also insgesamt ein wirklich beeindruckender Film, den zu gucken sich in jedem Fall lohnt! 😉