Kurze Anmerkungen zum Krieg in Georgien

Dennis hat einen Artikel zum Krieg in Georgien geschrieben, zu dem ich – grundsätzlich zustimmend – einen Kommentar schreiben wollte. Naja, der wurde länger, und jetzt mache ich einen eigenen raus.

Zunächst mal meine Sicht der Lage: Georgien hat den Krieg begonnen, um eine vermeintlich innere Angelegenheit in der abtrünnigen Provinz Südossetien zu „klären“1, also Klartext: Die Unabhängigkeitsbewegung so zu schwächen, dass sie aufgibt. Tja, Russland hält sich für eine Schutzmacht der Provinz, dessen Gouverneur und der größte Teil der Bevölkerung auch russische Staatsbürger sind – Russland hatte diese mit dem Ziel der Angliederung sehr großzügig verteilt. Nachdem Russland sich inzwischen eingeschaltet hat, rudert Georgien zurück und fordert den Waffenstillstand. Und klar: Für Russland ist dies ein gefundenes Fressen um die beiden Provinzen (neben Südossetien auch Abchasien) in die Freiheit oder eher den Schoss der russischen Freunde zu überführen. Beide Regionen hatten in Abstimmungen schon öfter die Unabhängigkeit verlangt.

Und das war der erste Punkt, wo ich Dennis ein wenig widersprechen oder eher ergänzen musste. Denn klar: Beim Kosovo wurde die Unabhängigkeit stark berücksichtigt und wahrscheinlich sollte bei den beiden Provinzen auch das Selbstbestimmungsrecht stärker beachtet werden. Aber hier nur auf die „internationale Staatengemeinschaft“ – gemeint ist wohl „der Westen“ – zu blicken geht m.E. zu kurz: Russland hat ja ebenso eine entsprechende Ansicht dazu, denn hier in Südossetien gilt es, aber eben beim Kosovo und Tscheschenien war es nicht so angesagt. In dem Sinne also kein Widerspruch, aber eben eine Ergänzung, dass eben alle Seiten auf ihren Vorteil gucken.

Ich will jetzt nicht pauschal für eine Unabhängigkeit reden, etc. dafür müsste ich mich noch mehr einlesen, vor allem hilft es jetzt nicht. Wir brauchen jetzt erstmal einen Waffenstillstand und Verhandlungen. Der Vorschlag einer OSZE Mission scheint da erforderlich.

So, und weil es bei Dennis noch auftauchte der Hinweis zu Olympia: Ich finde schade, dass das IOC scheinbar immer mehr zu einer reinen Kommerzgeschichte wird. Das hat man bei China ja schon gesehen, aber auch kein Wort zum Krieg und dem eigentlichen Ziel eines olympischen Waffenstillstands. 1994 hatte Juan Antonio Sameranch in Lillehammer anlässlich des Bürgerkriegs in Jugoslawien zu einem Niederlegen der Waffen aufgerufen, jetzt nix dazu. Und diesbezüglich noch zwei Anmerkungen: Zum einen ist um 22 Uhr nix los in Sachen Olympia :D Da müsste der gute Herr schon die Glasnudeln zum Frühstück essen ;) Zweitens hat mit Kevins WOW Einstieg auch wieder zum Nachdenken angeregt und vielleicht sieht man sich dann doch mal wieder online :)

  1. hier im übrigen der Hinweis an Dennis, dass es kein Angriff auf Russland war []
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