NPD vertreibt Badegäste – ganz offiziell

Es ist schon mehr als skurril, was in dem 460-seelen Dorf Zeischa in Brandenburg passiert: In der örtlichen Kiesgrube hat sich ein ansehnlicher und sauberer Badesee gebildet, der von den Anwohnern auch seit Jahren genutzt wird. Auch wenn er zum Privatgelände des Kiesgrubenbesitzers Mirko Schüring gehört, wurde dieses Nutzungsrecht den Anwohnern zugestanden, „Dafür halten sie den Strand sauber, machen Frühjahrsputz.“  so der Bürgermeister Helmut Andrack (Die Linke). Das Problem: Schon mehrmals1 seien auf dem Gelände der Kiesgrube auch Kupferkabel im Wert von insgesamt 15.000 Euro gestohlen worden, der Besitzer stehe am Rande seiner Existenz.

Als er sich von Polizei und örtlicher Politik im Stich gelassen fühlte, kam es zur Kurzschlussreaktion:

Also entließ er einem Zeitungsbericht zufolge elf von zwölf Angestellten und kündigte an, er werde sich jetzt Hilfe bei der NPD holen. Er erinnerte sich an die Sächsische Schweiz – da war doch was mit der NPD? – und fuhr hin. „Man weiß ja, wo sich die Leute treffen“, sagte er einer Zeitung. Gesagt, getan. Er heuerte Neonazis an, die fortan seine Kiesgrube bewachen sollten.

Seitdem sorgen nun also fünf Kurzgeschorene für „Sicherheit“ am Badesee und erteilen fleißig Platzverweise – wenn man kein NPD Parteibuch hat. Das die Badegäste nichts mit den Diebstählen zu tun haben, gibt auch Schüring zu, aber „wenn ich den Leuten erlaube, in meinem See zu baden, dann sollen die kommunalen Vertreter auch etwas tun, um mir zu helfen.“ Er sieht seine Aktion als einen „Hilfeschrei“.

Ein Hilfeschrei der gehörig nach hinten losgehen kann. Mit diesem Verhalten hat Schüring die NPD wieder ein wenig anerkannter gemacht. Ihr wird zugestanden, Probleme zu lösen, die der Staat angeblich nicht lösen könne. Die Strategie der NPD sich als Helfer in der Not zu profilieren wird dadurch nur gestärkt:

Vor der Kommunalwahl in Brandenburg gehen die Rechtsextremen offenbar verstärkt auf Stimmenfang, indem sie sich als Helfer gerieren. (…) Der Verfassungsschutz beobachtet dieses Vorgehen vor allem bei der NPD schon seit längerem. Der Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz, Heinz Fromm, bestätigte, dass die NPD versuche, sich in Brandenburg in Städten und Gemeinden flächendeckend zu organisieren und Akzeptanz bei den Wählern zu gewinnen. „Dabei bemüht man sich, vor allem soziale Themen anzusprechen.“ (Berliner Morgenpost)

Klar, die Polizei hat die Diebstähle nicht verhindern oder aufklären können und natürlich ist das ein immenser Schaden, aber die NPD als Sicherheitsdienst muss es sicher nicht sein, oder? Es gibt in der Region sicherlich auch andere Wachdienste oder man findet eben entsprechend Angestellte, die auf die Güter aufpassen. Dafür braucht es keine NPD.

Nach dem Berliner Tagesspiegel hat es letzte Woche Freitag bereits ein Treffen gegeben, bei denen eine bessere Zusammenarbeit vereinbart worden ist. DIe Strategie von Schüring ist demnach wohl aufgegangen. Dennoch ist sie zur Nachahmung nicht wirklich empfohlen, wenn man die NPD und Neonazis nicht ruffähig machen will. Schüring mag damit kein Neonazi sein, aber er spielt mit dem Feuer und schädigt nicht nur den Ruf der Region und seines Unternehmens, sondern auch die Demokratie, indem er Undemokraten hofiert und darstellt als Problemlöser für Probleme, die einem der Staat nicht abnimmt.2

(Quellen: Frankfurter Rundschau | Berliner Morgenpost | Berliner Tagesspiegel)

  1. er spricht von 15, die Polizei von viermal []
  2. Als Alternativen hätten sich ja normale Wachschutzunternehmen angeboten oder eben wie schon gesagt entsprechende Angestellte. []
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