Archiv25. Juni 2008

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Deutschland-Türkei
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UN Truppen in den Irak?

Deutschland-Türkei

In ca. 1,5 Stunden beginnt das Halbfinale Deutschland gegen Türkei, welches ja sehr emotional aufgeladen ist. Auch wenn viele Seiten davon ausgehen, dass es friedlich bleibt und auch zu einem freundschaftlichen Miteinanderfeiern aufruft, glaube ich durchaus, dass es die ein oder anderen Scharmützel gibt. Nicht weil es Türken sind, sondern weil einfach zwei Mannschaften aufeinander treffen, die viele Fans im Land haben. Die meisten werden das Spiel sportlich sehen, womöglich enttäuscht über die Niederlage der eigenen Mannschaft sein, aber deshalb nicht gleich auf den feiernden Fan der anderen zugehen. Vielleicht sogar gratulieren und mitfeiern, wie es sich für gute Verlierer gehört. Allerdings gibt es auch immer einige, die – oft auch nach gutem Alkoholkonsum – ihrem Frust freien Raum lassen, sich durch das reine Feiern des anderen provoziert fühlen oder im Falle des Sieges diesen eben  provozieren.

Problematisch wird es, wenn dies dann für nationalistische Argumente genutzt wird, wie es die Rechten nun bereits tun. So warnen sie vor der hohen Wahrscheinlichkeit

“auf größere Gruppen aggressiver Türken zu treffen, die dann ihr Messer zücken und gewaltsam auf Deutsche losgehen”.

Sie werden sicher jeden einzelnen kleinen Fall köstlich ausnutzen, ich wage sogar, dass sie dies gerne provozieren, um dann wieder über “kriminelle Ausländer” herzuziehen.

Aber genug der Befürchtungen, wichtig ist doch die Vorfreude auf ein hoffendlich faires, spannendes und schönes Fußballspiel. Ich hoffe natürlich auf einen deutschen Sieg und den Einzug ins Finale gegen Spanien oder Russland am Sonntag (und schlussendlich auch die Meisterschaft). Aber ich glaube die Chance stehen trotz allen Überraschungssiegen der Türkei nicht so schlecht, wo doch dort bereits der Ersatz-Ersatzkeeper als Feldspieler aufs Feld muss. Und elf weitere Gründe für den Erfolg der deutschen Nationalmannschaft findet man im Tagesspiegel.

In diesem Sinne auf ein gutes Spiel heute abend und danach ein friedliches und zumindest teilweise gemeinsames Feiern des Finalisten – wer immer es auch sein mag.

UN Truppen in den Irak?

In der aktuellen Ausgabe der „Vereinten Nationen” der Zeitung der Deutschen Gesellschaft für die Vereinten Nationen findet sich ein interessanter Artikel von Andreas Zumach über die Zukunft des Zweistromlandes nach nun über fünf Jahren amerikanischer Besatzung. Dabei ist für ihn eindeutig, dass eine Befriedung des Konflikts nur nach dem vollständigen Abzug der anglo-amerikanischen Truppen und der ausländischen Söldner möglich wäre. Dieser kann aber nicht ersatzlos erfolgen, da dies das Land nur weiter destabilisieren würde. Stattdessen sollen die UN sich stärker engagieren mit ein Sonderbeauftragten und 40.000 Blauhelmen. Erster müsste sich vor allem um die Vermittlung zwischen den verschiedenen Beölkerungsgruppen, aber um Kooperation mit den Nachbarstaaten Iran, Jordanien, Saudi-Arabien, Syrien und Türkei sorgen.

Die Friedenstruppen sollen nach Vorstellung von Zumach durch eine Zustimmung des Parlaments und der Fraktionen und Milizen legitimiert werden. Ihre Aufgaben würden sich wie folgt darstellen:
1.Sicherheit gewährleisten
2.Waffen neben regulären Streitkräften und Polizei einsammeln
3.Ausbildung von Polizei und Militär
Von den Kontingenten dürften dies nur Truppen sein, die nicht am Irakkrieg von 2003 teilnahmen und über Erfahrungen bei internationalen Einsätzen besitzen. Zumach nennt hier „Kanada, Frankreich, Schweden, Finnland und Österreich, sowie Argentinien oder Indien”, aber auch deutsche Truppen wären „wünschenswert”, „damit die UN-Truppe in der erforderlichen Größe zustande kommt”. Erweiterungen durch Truppen aus der Region würden nur sinnvoll sein, so diese auch Truppen aller Anreinerstaaten umfassen.

Daneben fordert Zumach aber noch andere logistischere Unterstützung für den Irak, beispielsweise bei der Versorgung von Flüchtlingen. Dass stattdessen irakische Flüchtlinge aus Deutschland in die angeblich sichere Heimat abgeschoben werden, sei „sicher nicht der richtige Weg und eine Ohrfeige für die UN”.

Während ich ihm grade beim zweiten Teil zustimmen kann, bin ich mir bei der Friedenstruppe noch unsicher, auch wenn ich keine wirkliche Alternative sehe. Klar, die USA unter Bush haben der Welt diese Suppe eingebrockt, dann sollen sie die auch auslöffeln – ist zumindest meine erste Reaktion. Aber hilft dies den Menschen im Irak wirklich? Die Besatzung wird weiterhin Aggression auf sich ziehen und den Friedensprozess erschweren, wenn nicht unmöglich machen. Sie einfach zu beenden wird dagegen die Sicherheit im Land weiter verschlechtern und das Land in einen langen blutigen Bürgerkrieg reißen, wenn es zum letzten Machtvakuum kommt. Die UN als Mittelweg – die deutsche Beteiligung angesichts der Belastungen in Afghanistan und dem Balkan vorerst ausgeklammert – scheint da als ein möglicher Mittelweg. Wobei sich durchaus die Frage stellt, welches Land bereit ist, seine Soldaten für diesen Konflikt anzubieten.