Archiv20. Juni 2008

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Jagd nach dem Gold
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Freude nach Sieg über Portugal

Jagd nach dem Gold

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Der Bürgerkrieg in der Demokratischen Republik Kongo ist das Beispiel für die „Neuen Kriege”, wie sie Herfried Münkler in seinem gleichnamigen Buch beschreibt. Grade durch Wirtschaftskreisläufe oder Kriegsökonomien werde ein Konflikt demnach am Leben erhalten und für verschiedene Milizen interessant. Das Bild im Kongo ist entsprechend erschreckend:

Von 1998 bis Anfang 2005 wurden gemäß Angaben des „International Rescue Committee” 3,8 Millionen Menschen während gewaltsamer Auseinandersetzungen im Kongo getötet. Nirgendwo sonst wurden seit dem zweiten Weltkrieg so viele Menschen in einem so kurzen Zeitraum getötet. Nach Schätzungen der UNO werden jeden Tag 1000 Menschen zu Opfern von Gewalttaten. Alleine in der Provinz Sud-Kivu wurden von 2003 bis 2005 etwa 10.000 Frauen systematisch vergewaltigt – inoffizielle Schätzungen gehen von sogar von bis zu 500.000 Vergewaltigungen aus.

Grade mit diesem Konflikt beschäftigt sich ein aktueller Thriller von Gerard Schwyn. In „Jagd nach dem Gold” werden aber nicht nur die Zustände und Begebenheiten einer solchen Region beschrieben, sondern insbesondere auch die Hintergründe und die wirtschaftlichen Interessen grade auch westlicher Staaten, die damit den Konflikt weiter anheizten:

Korruption, Gewalt und das Goldfieber beherrschen den von Krisen geschwächten Kongo. Nationale Milizen und Nachbarn stürzen den Osten des Landes in Armut und Elend. Sie nutzen den Reichtum an Bodenschätzen für den Waffenhandel. Während die Einheimischen ums Überleben kämpfen, bereichern sich in- und ausländische Geschäftsleute. Hilfsorganisation und die UNO versuchen, eine minimale Ordnung aufrecht zu erhalten. Doch als ein EU-Delegierter ebenfalls dem Goldrausch erliegt, sendet Brüssel den Spezialagenten George Marteau in den Kongo, der die Missstände aufklären soll. Ein turbulenter und riskanter Kampf an vielen Fronten beginnt. Die Jagd nach dem Gold steigert sich bis zum finalen Höhepunkt, der den EU-Auftrag abschliesst, dem Raub von Bodenschätzen aber kein Ende setzt.

„Jagd nach dem Gold” stellt damit eine interessante Lektüre für alle dar, die auf andere Art und Weise etwas über den Konflikt, die Netzwerke aber auch das Leben oder Arbeiten in diesen Krisengebieten lernen möchte. Diese Verbindung zwischen Realität und Fiktion geschieht immer wieder durch entsprechende Einschübe oder Gespräche, die dann beispielsweise zu Beginn auch die Probleme deutlich machen, die eine Hilfsorganisation hat, wenn sie in dieser korrupten Region ohne wirkliche Zentralgewalt über die Runden kommen will und dazu zwischen verschiedenen Milizen hin- und herlavieren muss.

Zu beziehen kann man dieses Buch wie üblich über Amazon, aber natürlich auch über jeden anderen Buchhändler des Vertrauens. Weitere Berichte finden sich bei Planet VaoVaoWeb, Monsieur Fischer und Lilly Berry. Bei letzterem Bericht findet man auch ein kurzes Video zur Problematik im Kongo.

Jagd nach dem Gold von Gerard Schwynist
Verlag: Schardt (Januar 2007)
ISBN-10: 3-89841-289-X
ISBN-13: 978-3-89841-289-6
239 Seiten
Preis: 12,80 Euro

Freude nach Sieg über Portugal

Meine Güte, was war das gestern Abend für ein Spiel bei der EM 2008. Nachdem ich die deutsche Mannschaft nach der Vorrunde eher aufgegeben hatte, zeigte sie im Spiel gegen Portugal, dass doch noch guter Fußball möglich ist. 3:2 musste sich Portugal geschlagen geben, welches allerdings in den letzten Minuten noch versuchte das Spiel zu drehen. Anschließend wurde dann wieder richtig auf den Straßen Gelsenkirchens gefeiert. Und da anders als bei den bisherigen Spielen wirklich eine große Leistung und ein ernsthafter Gegner auf dem Platz stand und anders als in der Vorrunde für mich kein Pflichtsieg darstellte, ging man dann auch mal gucken, was so an der Ringstraße Ecke Hauptstraße für ein Fest gefeiert wurde.

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Und auch wenn einem auf dem Weg dorthin das schwenken der Fahne in Autos durchaus ein wenig Bilder aus dem Kosovo nach dessen Unabhängigkeit oder anderen nationalen Ereignissen durch den Kopf schossen, wurde doch wieder schnell deutlich, dass dieser “Patriotismus” eben nicht politisch, sondern sportlich ist.

Das Bild an der Haltestelle Grillogymnasium war dementsprechend von dem Leben in einer Stadt wie Gelsenkirchen geprägt und viele ausländische – auch türkische – Mitbürger ((zumindest mit entsprechendem Hintergrund)) standen am Straßenrand, schwenkten die schwarz-rot-goldene Flagge und freuten sich genauso über den Sieg, wie deutschstämmige ((so man dies einfach zuordnen kann)). Natürlich wurde schon über die Möglichkeit gesprochen, dass Deutschland und Türkei beim Halbfinale am kommenden Mittwoch aufeinander treffen könnten und man da womöglich andere Präferenzen hat, aber heute feierte man zusammen den Sieg der deutschen Nationalmannschaft und morgen hoffentlich den der türkischen.

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Ich finde dieses Bild zeigt das, was unter Multikulturalismus oft falsch beschrieben wurde, denn es geht bei diesem Begriff ja nicht um ein Nebeneinander her leben, sondern darum, dass verschiedene Kulturen sich gegenseitig ergänzen. Also ganz praktisch: Während viele ausländische Mitbürger sich mit der deutschen Nationalmannschaft freuen, tun dies viele deutsche beispielsweise mit der türkischen. Man kann nur hoffen, dass dies beim direkten aufeinandertreffen im Halbfinale ((ich nehme das jetzt einfach mal an :D)) auch so bleibt und – selbst wenn einem nicht nach einem gemeinsamen Feiern sein sollte – man zumindest die Freude des anderen respektiert und beim Finale dann am Besten noch gemeinsam die Daumen drückt.

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