Diese Worte sagte am heutigen Abend ein kleiner türkischer Junge zu meiner Mutter, nachdem die deutsche Nationalmannschaft – verdient – gegen Spanien im Finale der Europameisterschaft verloren hat. Und er hatte recht: Es war “scheiße”, dass Deutschland nicht gewonnen hat, was aber auch daran liegen könnte, dass die Mannschaft sche…äh…sehr bescheiden gespielt hatte. Bis auf jeweils 10 Minuten in der ersten und zweiten Halbzeit waren die Spanier am Drücker. Von daher war es auch fair, dass Spanien am Ende gewonnen hat. Immerhin hatten die Spanier während der ganzen EM nicht verloren und konstant gute Leistung gebracht, was man von “unseren” Jungs nicht wirklich sagen kann. Naja, sei es drum, über die sportliche Bewertung kann man in den kommenden Tagen überall genug lesen und mehr als ein bescheidendes Nichtmal-Amateur-Wissen könnte ich dazu auch nicht anbieten, auch wenn man solches ja viel zu oft hört.
Aber wo nun alles vorbei ist, kann man dann auch mal einen Blick zurück werfen auf drei Wochen Fußball-Europameisterschaft und allgemein einiges loswerden
Fan Fest
Zunächst zum Fanfest in Gelsenkirchen, welches im Sportparadies angesiedelt war. Also grundsätzlich ist dies sicher zu begrüßen, dass es soetwas gab. Ich fand es von der Aufstellung und dem Platz nicht ganz so gut, wie 2006 die Glückaufkampfbahn bei der Weltmeisterschaft, aber man konnte damit leben. Über die Tatsache, dass man nichts eigenes zu trinken mitbringen darf und teuer bezahlen muss für Getränke hatte ich mich ja schon aufgeregt, heute mussten aber auch noch Fahnenstangen abgegeben werden. Das Schwenken der Fahnen zur Anfeuerung, bei der Hymne oder Toren entfiel damit heute plötzlich vollkommen. Bisher war dies problemlos möglich, auch 2006 bei der WM. Naja, dann musste man ggf. eben zu Notlösungen greifen:
(Geschwenkt wurde die Fahne aber kaum noch, die Mannschaft bot in der zweiten Halbzeit eben nicht mehr so viel Anlass dazu
)
Aber bedroht habe ich mich von Fahnen kaum, auch von den langen Stangen nicht. Bedrohlicher fand ich eher den Rauch von Zigaretten, der durch den Wind oft von einem vorstehenden ins Gesicht geblasen wird. Ich könnte jetzt irgendwelche Statistiken raussuchen, wieviele Minuten ich meines Lebens durch das Mitrauchen einer Zigarette verliere oder wie gefährlich das ist, aber es hat mich ganz einfach genervt und man bekommt Halsschmerzen und muss ständig Husten. Naja, ich habe es überlebt, aber es ist nochmal ein Hinweis darauf, dass Nichtraucher sehr viel toleranter sind, als in der Debatte über Rauchverbote oft getan wird. Ein entsprechendes Verbot für Public Viewing wäre schließlich auch kaum durchzusetzen, denn “Fußball ohne Zigarette” geht ja nicht – Pech für Nichtraucher.
Genauso nervig sind im übrigen Zylinder, in den Nationalfarben auf den Kopf, weil die das über- die-Menschen-hinweg-gucken sehr erschwert. Ich habe aber durchaus erlebt, dass ein freundlicher Hinweis hier Abhilfe schaffen kann.
Was auch nervig sein kann, sind die schlauen Kommentare von Mitbetrachtern. Also “Blutgrätsche” oder “Umhauen” fordern und sich dann über einen Freistoß oder die Karte aufregen. Oder über die Heulsuse aufregen, die gefälligst wieder aufstehen soll, bei der Wiederholung dann aber wegen des brutalen Fouls die rote Karte fordern. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, aber vielleicht zeigt sich darin meine geringe Stadion Erfahrung und soetwas ist ganz normal
Achja, zum Abschluss gab es heute noch ein großes Feuerwerk. Hier ein Ausschnitt:
Und wenn ich schon dabei bin, noch schnell einmal das Singen der Hymne:
und die Stimmung vorher:
EM allgemein
Zur EM allgemein gibt es neben der sportlichen Bewertung, wohl nur zu sagen, dass die Stimmung kaum mit der WM zu vergleichen ist. Also die gleiche Aufregung konnte ich bei mir nicht festmachen. Dies lag aber vielleicht auch am Wetter, welches dazu führte, dass man nicht so oft zum Public Viewing ging. Und ganz sicher lag es daran, dass die EM eben in nicht in Deutschland, nicht in Gelsenkirchen stattfand. Soetwas kann man wohl nur einmal erleben
Was positiv hängen geblieben ist, sind die beiden Tippspiele, bei denen ich mitgemacht habe. Einmal bei erlassjahr.de und zum anderen bei einem Twitter Tippspiel. Mit Spanien als Europameister hatte ich aber nicht gerechnet und auch wenn alle Punkte noch berechnet werden, kann ich wohl davon ausgehen, dass ich bei keinem gewonnen haben werde. Dennoch war ich gut dabei und so machte die EM dann auch doppelt soviel Spaß, weil man sich mehr damit beschäftigt.
Was mir jedoch sehr positiv in Erinnerung bleiben wird, ist das gemeinsame Feiern in Deutschland von Deutschen und Türken, welches zeigt, dass man eben nicht nur so ganz nebeneinander her lebt, sondern es eben auch gemeinsame Identitäten und Verbindungen gibt. Siehe hierzu auch meinen letzten Artikel. Dementsprechend kann auch auch den oft befürchteten Schwenk zu mehr Nationalismus noch immer nicht erkennen.
Fotos zum EM-Erleben in Gelsenkirchen finden sich bei flickr und stehen unter CC-Lizenz, können also unter Namensnennung und Verlinkung für nichtkommerzielle Zwecke frei genutzt werden.
Ich blogge nicht viel über Musik, naja eher selten oder so gut wie nie. Wenn ich es aber dann jetzt doch tue, muss es schon etwas besonderes sein. Ich beschäftige mich viel zu wenig mit neuen Bands oder Gruppen und werde dementsprechend in musikalischen Dingen von meinem Bruder “beraten”, der mich ab und an auf Neuerungen im Musikgeschäft hinweist. So vor einiger Zeit auch auf die Logonauten. Die Band aus Stuttgart hat mich nicht nur mit ihrer Musik begeistert, die man wohl am ehesten als Punk-Rock bezeichnen könnte




In ca. 1,5 Stunden beginnt das Halbfinale Deutschland gegen Türkei, welches ja sehr emotional aufgeladen ist. Auch wenn viele Seiten davon ausgehen, dass es friedlich bleibt und auch zu einem freundschaftlichen Miteinanderfeiern aufruft, glaube ich durchaus, dass es die ein oder anderen Scharmützel gibt. Nicht weil es Türken sind, sondern weil einfach zwei Mannschaften aufeinander treffen, die viele Fans im Land haben. Die meisten werden das Spiel sportlich sehen, womöglich enttäuscht über die Niederlage der eigenen Mannschaft sein, aber deshalb nicht gleich auf den feiernden Fan der anderen zugehen. Vielleicht sogar gratulieren und mitfeiern, wie es sich für gute Verlierer gehört. Allerdings gibt es auch immer einige, die – oft auch nach gutem Alkoholkonsum – ihrem Frust freien Raum lassen, sich durch das reine Feiern des anderen provoziert fühlen oder im Falle des Sieges diesen eben provozieren.