Lauter unnütze Produkte

In der Frankfurter Rundschau findet man heute ein interessantes Interview mit Benjamin Barber, in der dieser abermals seine Kritik an einem Kapitalismus als Weltbild darlegt. Im Prinzip folge dieser in erster Linie der Produktion von Dingen, die man eh nicht brauche – wie beispielsweise Wasserflaschen:

[I]n der ersten Welt wird Trinkwasser in Flaschen verkauft – und das, obwohl genügend gutes Wasser aus der Leitung kommt. Und zur gleichen Zeit haben in der dritten Welt gut drei Milliarden Menschen kein sauberes Trinkwasser. Der Kapitalismus hätte die Aufgabe, dieses Problem zu lösen. Das passiert aber nicht – er bleibt dort, wo das Geld ist. Er berücksichtigt zur Zeit nicht die tatsächlichen Bedürfnisse vieler Menschen. Stattdessen passiert genau das Gegenteil: Es werden überflüssige Güter für eigentlich nicht vorhandene Bedürfnisse produziert.

Dies sei der eindeutige Beweis dafür, dass Kapitalismus und Markt eben nicht die Probleme dieser Welt lösen können, sondern sie eher noch verstärken oder eben auch verursachen. In dem Zusammenhang greift er dann auch die „Politik mit dem Einkaufswagen“ auf, also die bewusste Entscheidung für oder gegen bestimmte Produkte als politische Strategie:

Es wäre schön, wenn sich zum Beispiel mehr Menschen Autos mit geringerem Spritverbrauch kaufen würden. Aber es wäre effektiver, wenn der Staat einfach den Verkauf von Automobilen verbieten würde, die viel Benzin oder Diesel verbrauchen. Die Unternehmen wären gezwungen, sinnvollere Produkte herzustellen. Der Staat muss seine Instrumente dafür einsetzen. Und dafür wiederum müssen sich die Bürger stark machen. Wir brauchen also keine mündigen Verbraucher, sondern vielmehr mündige Bürger.

Dabei sieht er noch immer nicht Unternehmen in der Pflicht sozial zu handeln, sondern empfindet es als deren Aufgabe „Güter zu verkaufen und Geld für ihre Anteilseigner zu verdienen“. Entscheident ist die Regulierung durch den demokratischen Staat, um hier den Weg in richtige Bahnen zu lenken.

Grundsätzlich hat Barber hier sicherlich recht, auch wenn die Frage des Wassers dies sicher etwas zuspitzt geht es um den Vergleich einer Überflussgesellschaft und der Unterentwicklung in vielen Ländern dieser Erde, die nunmal ganz einfach auch in einem Zusammenhang steht. Das Risiko bleibt bestehen, wenn der Bürger nur noch Verbraucher ist und der Rest sich alles eben über den Markt dann klären soll. Verbraucher und demokratischer Bürger ist nunmal etwas anderes. Bei erstem denkt man an seine (womöglich erzeugten) Bedürfnisse, bei zweitem an die Gesellschaft. Und während erster damit auch – in dieser Rolle – schlecht für die Gesellschaft handeln kann, kann er dies als Bürger wiederum kompensieren.

Aus diesem Grunde ist und bleibt es wichtig auch weiterhin nicht der Annahme zu Glauben, der Markt werde alles richten, sondern weiterhin auf einem Staat zu bestehen, der hier einen Rahmen gibt und den Markt dennoch schützt. Denn eins ist auch für Barber ganz klar:

[Der Kapitalismus] muss gerettet werden, weil wir keine Alternativen dazu haben, oder besser gesagt, die Alternativen, etwa die staatliche Planwirtschaft, trotz all ihrer guten Absichten versagt haben.

Hierzu auch noch der Hinweis auf meine weitergehende Analyse der Kapitalismuskritik von Benjamin Barber.

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