Hillary Clinton gewinnt in West Virginia

Es war nicht wirklich überraschend, dass Hillary Clinton in der letzten Nacht im kleinen Bundesstaat West Virginia allenfalls die Höhe konnte überraschen: 67% der Wähler stimmten für sie, nur 26% für Barack Obama. Nichts desto trotz ist der tatsächliche Erfolg geringer: 9 Delegierte konnte Hillary Clinton damit auf ihrem Konto verbuchen.

image

Ein eher zu vernachlässigender Erfolg, wenn man sieht, dass Barack Obama dennoch mit fast 170 Delegiertenstimmen führt und inzwischen auch die Führung bei den Superdelegates (+9) übernommen hat, wo Clinton bisher immer geführt hatte und zu Beginn des Jahres auf mehr als 100 Delegierte auf ihrer Seite hatte. Am besten wird soetwas ja in Graphen deutlich, deshalb hier eine entsprechende Darstellung aus dem CNN Podcast:

image

Die hellblaue Linie stellt eben Hillary Clinton dar, die dunklere Barack Obama. Ihr Versuch in den letzten Tagen damit noch Superdelegates für sich zu überzeugen scheint nicht aufzugehen. Ihre Strategie dabei ist, dass sie die Wählerschichten gewinnt, die für Demokraten wichtig seien. Auch hierzu eine entsprechende Grafik aus dem Podcast:

image

Ihre Argumentation: Sie ist in den Swing States stark und könne eben die ärmeren weißen Arbeiterschichten und die Latinos deutlich besser für die Demokraten gewinnen, als Barack Obama. Und deutlicher wird dies bei Spekulationsspielchen im Bezug auf die Wahlen im November:

image

Dieses Bild zeigt die Bundesstaaten der USA, die entweder an Barack Obama (blau) bzw. John McCain (rot) gehen könnten – wie gesagt, alles Spekulationen. Und hier fällt grade diese Lücke auf. Für Hillary Clinton eben die Stoßrichtung zu sagen, dass seit 1916 kein Präsident mehr gewonnen hatte, wenn er nicht auch diese Staaten hatte.

Barack Obama scheint die Statistik nicht wirklich zu stören, denn sein Wahlkampf ist – auch wenn er sich offiziell noch nicht als Kandidat bezeichnet – durchaus schon auf die Hauptwahlen im November ausgelegt: So besuchte er Bundesstaaten, die bereits in den Vorwahlen gewählt hatten und versuchte so das Feld für den Hauptwahlkampf gegen John McCain vorzubereiten.

Im übrigen: Wie eine Studie von ABC News zeigte (gefunden auf Mirror on America) ist das Problem für Barack Obama mit weißen Wählern zwar durchaus gegeben, aber – wenn es um die Hauptwahl gehen würde – nicht viel größer als für Hillary Clinton:

Whites, no college
Obama——40%
McCain —-52

Clinton—-44%
McCain—–52

Whites, college grads
Obama ——47%
McCain —- 50

Clinton—–42
McCain——54

Außerdem glaube ich, dass ein entsprechender Vizepräsident diese Wählerschichten durchaus erreichen könnte. Wenn jemand wie Edwards oder eben Clinton verstärkt diese Wählerschichten anspricht, dürfte das Ergebnis am Ende sicher besser aussehen, als das Clinton Lager dies momentan darstellt.

Zwar ist die Frage des Vizepräsidenten noch komplett offen, aber es gibt durchaus Hinweise, dass Clinton hier ein entsprechendes Angebot bekommen könne. Manche Beobachter gehen sogar davon aus, dass dies einer der Gründe sein könnte, wieso Hillary Clinton die mathematische Niederlage nicht eingestehen will und im Rennen bleibt. Allgemein verwundert diese Haltung viele Medien, die den Clintons sogar vorwerfen den Sinn für die Realität verloren zu haben und sich fragen, ob sie wirklich noch daran glaubt. Wenn nicht gibt es nur die Gründe auf ein formelles Bitten von Obama im Bezug auf die Vizepräsidentschaft zu warten oder – was ich etwas unwahrscheinlicher halte – die Hoffnung eine Schuldenübernahme zu erreichen. Mit 20 Millionen Dollar steht Hillary Clinton bereits in der Kreide und dies wird als weiterer Grund dafür gesehen, dass sie es kaum bis zum Ende durchhalten wird.

Ich denke das Spiel wird jetzt noch bis Anfang Juni durchgezogen und die Vorwahlen sind praktisch schon aufgeteilt: Clinton gewinnt noch zwei, Obama drei der kommenden Wahlen, das scheint relativ sicher. An den Delegiertenzahlen wird sich nichts wesentliches mehr ändern und ich gehe auch davon aus, dass die Tendenz bei den Superdelegates weiter anhält und Barack Obama am Ende die nötigen 2025 Stimmen haben wird. Hillary Clintons Kampf dient m.E. wohl wirklich eher dazu, sich entweder als Vizepräsidentin in Position zu bringen oder nicht einfach zurückstecken zu wollen, sondern einen ehrenvollen Ausstieg zu haben. Theoretisch könnte ich mir ein Duo Obama – Clinton durchaus vorstellen, aber weiss nicht, ob nicht grade nach dem knappen Wahlsieg die Positionen manchmal etwas unklar wären. Persönlich wäre mir Obama – Edwards lieber, aber wer weiss, wer da noch alles in der amerikanischen Politik vorstellbar ist :)

Back To Top