Die Rolle der Tageszeitungen

Heute gab es das erste Referat in diesem Semester zur Situation und Rolle der Tageszeitungen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit hier unsere Ergebnisse in einem Blogbeitrag ;)

Lage der Zeitungen

Bevor man sich anguckt, wie sich die Lage der Zeitungen verändert hat, sollte man sich angucken, wie der Zeitungsmarkt momentan überhaupt aussieht. Die wesentlichen Zahlen habe ich nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Zeitungsverleger nochmal in einer Tabelle zusammengefasst. (Erklärungen als Fußnoten)

Zeitungen Anzahl1 Auflage2 Reichweite3
lokale und regionale Abonnementzeitungen4 333 14,56 Mio. 61,6 %
überregionale Zeitungen5 10 1,64 Mio. 5,7 %
Straßenverkaufszeitungen6 9 4,57 Mio. 21 %
Tageszeitungen gesamt 352 20,78 Mio. 73,2 %
Wochenzeitungen7 27 1,96 Mio.  
Sonntagszeitungen8 7 3,71 Mio.  

Man erkennt also eindeutig, dass vor allem lokale Zeitungen eine große Bedeutung haben. 73 Prozent der Deutschen lesen also noch regelmäßig eine Art der Tageszeitung, was im europäischen Vergleich auch nicht so schlecht ist.

 

Entscheidend für die Akzeptanz der Zeitung ist vor allem die Altersklasse 14-29, wo das Interesse an der Zeitung extrem nachgelassen hat: 1989 hielten 59 Prozent dieser Altersgruppe das Zeitungslesen für notwendig, 2004 nur noch 29 Prozent. (Schaubild und weitere Altersgruppen) Und auch die Reichweite fiel von 72 Prozent 1994 um über 10 Prozent auf 61,5 Prozent im Jahr 2004.

Grund hierfür ist sicher in den letzten Jahren das Internet, aber vorher auch bereits der Bedeutungszuwachs des Fernsehens. In den Zahlen einer etwas anderen Studie zum Nutzung und Bewertung der Medien von 2005 stellte sich diese Bedeutungsverschiebung so dar.

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Zeitungen und das Internet

Neben dem Wegbruch von Einnahmen aufgrund der Wirtschaftskrise nach dem Platzen der New Economy Blase traf die Zeitungen natürlich grade der Wandel in der Sozialisation durch den Aufstieg des Internets. Dabei haben die Zeitungen diesen Wandel nicht einfach verschlafen, sondern bewusst ignoriert. Es stand die Angst im Raum, sich durch ein Engagement im Netz der eigenen Kundschaft zu entledigen, denn warum für eine Zeitung zahlen, wenn man die Informationen kostenlos im Netz bekommt.

Faktisch ist es genau dazu gekommen. Problematisch stellt sich dabei insbesondere auch die geringe Aktualität dar. Bodo Hombach, der in der WAZ Redaktion miterleben durfte, wie man sich darüber freute alle Themen der Tagesschau auch auf Seite 1 zu haben, meinte einst dazu: „Das Abbild der Tagesschau ist nicht witzig“. 12 Stunden später die Nachrichten zu präsentieren ist in der heutigen Zeit kaum noch aktuell genug.

Neue Rolle der Zeitungen

Dementsprechend muss man sich fragen, welche Rolle die Zeitungen heute noch spielen. Das „Erstinformationsmedium“ ist sicher für viele Leute das Fernsehen oder das Internet. Ich für mich sehe die Zeitung eher als Ergänzungsmedium, um weitere Informationen aufzunehmen, die das Fernsehen oder im Internet vielleicht erst mühsam selbst recherchiert werden müssen. Im diesem Sinne stimme ich der These zu, die bereits 1998 in den „Informationen zur politischen Bildung – Massenmedien“ veröffentlicht wurde:

„So gesehen haben die Tages- und Wochenzeitungen, auch wenn sie als Online-Dienste auf dem häuslichen PC abrufbar sind, durchaus eine Zukunft. Sie sind Orientierungspunkte in der elektronischen Informationsfülle.“

Vielleicht sollte man sich auch ein wenig von dem Begriff der Zeitung als gedruckte Publikation entfernen. Auch wenn ich aus haptischen Gründen das Gefühl des Papiers brauche, sollte man vielleicht über die Funktion nachdenken, nämlich das journalistische Recherchieren von Sachverhalten und das publizieren von entsprechenden Texten. Diesen Schritt haben Zeitungen mit verstärkten Internetauftritten ja bereits teilweise gegangen und diese bilden auch für deutsche Blogs noch immer wesentliche Leitmedien.

Natürlich muss man dennoch über weitere Veränderungen im Pressewesen nachdenken. Benedikt Köhler hatte hierzu einige Thesen von Doc Searls aufgegriffen, die ich für den Onlinebereich auch als unerlässlich erhalte. 

Braucht man deshalb kein Papier mehr? Also nicht nur aus Platzgründen hoffe ich weiterhin darauf, morgens eine gedruckte Zeitung in den Rucksack stopfen zu können. Allgemein lese ich noch lieber Texte auf Papier und brauche etwas für die Bahn zur Arbeit :) Aber es wären Änderungen zu überlegen, wie zum Beispiel ein praktischeres Format wie das Tabloid Format, welches man von der Welt kompakt oder auch der Frankfurter Rundschau kennt. Das kann man jedenfalls auch gut in der Bahn lesen. Wichtig ist nur, dass der Inhalt stimmt. Und dann kann es Zeitungen auch weiter geben ;)

Die Frankfurter Rundschau hat gute Erfahrungen mit diesem Format gemacht und im Ausland wird es weit stärker genutzt. Dies gilt auch für abgespeckte kostenlose Tageszeitungen,wie es in Köln auch einmal versucht wurde, aber schließlich – aus finanziellen Gründen – scheiterte. In anderen Ländern hingegen gehören solche Zeitungen schon dazu und erhöhen auch den Umsatz der Hauszeitung – und selbst renommierte Zeitungen wie die Washington Post haben einen kostenlosen Ableger. Über kurz oder lang müssen sich auch die Zeitungen in Deutschland über solche abgespeckten Versionen sicher Gedanken machen müssen.

So, das dürfte als kurze Zusammenfassung reichen. Was meint ihr, wie die Zukunft der Zeitung aussehen wird? ;)

  1. Anzahl der Zeitungen []
  2. Gedruckte Zeitungen []
  3. Wieviel Prozent der Bevölkerung lesen die Zeitung []
  4. z.B. WAZ []
  5. z.B. Süddeutsche, Welt, FAZ []
  6. z.B. Bild []
  7. z.B. Zeit []
  8. z.B. Bild am Sonntag []
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