Öffentliches-rechtliches Fernsehen – sinnvoll oder nicht?

Gestern abend hatte Stefan Raab zu Beginn seiner Sendung über das „Frühlingsfest der Volksmusik“ hergezogen. Dies kann man sicherlich gut machen und es war auch amüsant, aber es ging dann mit dem Bashing gegen Fernsehgebühren los – für Privatsender immer ein gefundenes Fressen:

„Man muss immer mal darauf hinweisen, dass so ein Programm von ihren gebühren gemacht wird. Sie bezahlen das da. Verstehen Sie? Hier bei Pro7 zahlen [sic] die Werbeindustrie, bei der ARD zahlen sie… zuhause. Und zwar nicht zu knapp, wenn man das so sagen darf.“

Ganz ehrlich: Die Darstellung von Florian Silbereisen war nichts für mich und wie Raab das aufgezogen hat war schon recht witzig. Aber ich erkenne dennoch an, dass es offensichtlich eine Menge Menschen gibt, die sich davon angesprochen fühlen. Und es ist auch offensichtlich, dass diese nicht zu der für die Werbewirtschaft entscheidende Gruppe von 14 bis 49 Jahren zählt. Werbefinanziert gäbe es solche Formate sicher nicht, oder hat jemand bei ProSieben, Sat 1 oder RTL etwas derartiges gesehen? Und diejenigen, die nicht auf „Schlag den Raab“, DSDS oder Navy CIS stehen, bleiben auf der Strecke.

Ein weiteres mal – sonst hätte ich wohl nicht darüber berichtet – begegnete mir die Diskussion diesbezüglich über einen Newsartikel bei Heise, bei der es um die Grünen Vorstellungen zum Öffentlich-Rechtlichen ging. Unter anderem ging es eben um die Verstärkung des Online Bereiches, der „dritte Säule“ neben Fernsehen und Hörfunk stellen soll.1

Und schon ging es bei den Kommentaren los, also Silbereisen im Internet wolle man nicht bezahlen oder man gucke eh kein öffentlich rechtliches Fernsehen. Ich sag mal so: Ich fahre kein Auto und zahle dennoch für den Bau von Straßen oder Autobahnen. Ich habe keine Kinder und dennoch werden Schulen von meinen Steuergeldern finanziert. Man zahlt eben für viele Dinge in diesem Staat, ohne einen direkten Nutzen hieraus zu ziehen. So ist das eben und so gilt das auch für das öffentlich rechtliche.

Und noch etwas: Die Informationssendungen bei ARD, ZDF, Phoenix, etc. sind deutlich besser, als bei den privaten. Wenn ich überlege auf welche Sendungen ich hier verwiesen habe oder welche Videos ich von YouTube diesbezüglich eingebunden habe, dürfte darunter wohl kaum etwas privates sein. Aber das ist auch kein wirkliches Wunder, man muss sich ja nur deren Nachrichten angucken. Von Panorama, report, monitor, Fakt oder extra3 wurden schon mehrmals kritische Themen aufgegriffen und einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht.

In diesem Sinne halte ich öffentliches Fernsehen für durchaus sinnvoll, da diese eben nicht den Marktgesetzen ausgeliefert sind: Es kommt eben nicht nur auf die Einschaltqouten an, sondern wirklich darauf eine Versorgung anzubieten. Das muss nicht über die GEZ laufen, denn die Methoden dieser Organisation sind ja nun doch oft etwas zweifelhaft. Deshalb haben die Grünen ja auch eine allgemeine Mediengebühr vorgeschlagen. Im übrigen: Die Preise für die Werbung verschenkt die  Werbeindustrie nicht ganz so, wie Raab es andeutet, denn man bekommt diese spätestens beim Einkaufen dann doch präsentiert ;)

  1. Unter anderem – was ich sehr sinnvoll halte, sollen die Inhalte unter CC Lizenz gestellt werden, aber darum geht es ja nicht. []
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