Mehdorn indirekt als Nazi beschimpft.

Zug der Erinnerung Vielleicht erinnert ihr euch noch an den Zug der Erinnerung, von dem ich vor einigen Wochen berichtet hatte. Dabei hatte ich schon darauf hingewiesen, dass die Bahn hier nochmal gut kassiert: Rund 70.000 Euro kann das Unternehmen damit verdienen, dass die Ausstellung über die Deportation von Kindern durch die Reichsbahn nun quer durch Deutschland fährt. Aufgrund dieser strikten Haltung der Bahn hat sich ein Michael Szentei-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Mehdorn indirekt als Nazi tituliert:

Die Öffentlichkeit sieht Ihre Person und Ihre politische Struktur so, dass Sie – wären Sie im Dritten Reich in derselben Position gewesen wie heute, – möglicherweise sogar mit großer Überzeugung – genau dasselbe angeordnet hätten, wie ihre damaligen Vorgänger. (…) Für mich hat es den Anschein, als ob es den heutigen Verantwortlichen im Nachhinein leid tut, die Kleinkinder damals kostenlos in den Tod befördert zu haben und heute – nachträglich – diese Geldeinbuße durch Rechnungsstellung in Zusammenhang mit diesem Zug, der eben an diese Kinder erinnert, ausgeglichen werden soll.

Die Bahn hat aufgrund dieses Vergleiches inzwischen rechtliche Schritte eingeleitet. Ich Zug der Erinnerung von Au�enfinde auch zu Recht, denn die Weigerung 70.000 Euro zu zahlen ist sicherlich in keiner Weise mit der Bereitschaft gleichzusetzen, Menschen bewusst in den Tod zu transportieren.

Nichts desto trotz darf man die Bahn auch nicht so einfach aus der Verantwortung kommen lassen. Es mag ja sogar sein, dass sie verpflichtet ist, die Gebühren zu kassieren, damit sie nicht nach Wohlwollen die Gebühren als Netzbetreiber erlassen kann. Aber gibt es ein Verbot, dass die Bahn ein vernünftiges Projekt finanziell unterstützt und denen eine Spende in entsprechender oder zumindest angemessener Höhe zukommen lässt? Ich denke nicht, ansonsten müsste man mir die 8 Millionen für Herta BSC mal erklären…

 

Update [16.04.2015]: Die WDR Links im Text funktionieren nicht mehr – offenbar mussten die Seiten gelöscht werden. Hintergründe findet man aber auch bei Spiegel Online. Dort ist auch angegeben, dass das Verfahren gescheitert war:

Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft befand, die Äußerungen von Szentei-Heise seien zwar „äußerst drastisch“. Das Grundrecht auf Meinungsfreiheit gestatte aber auch Kritik in überspitzter und polemischer Form. Zudem habe der Streit über die Trassengebühren breite Bevölkerungskreise beschäftigt und sei mit großen Emotionen verbunden gewesen. Daher sei nicht zu beanstanden, dass die Kritik auf Mehdorn als Vorstandschef der Deutschen Bahn „personifiziert“ worden sei, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

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