Die Welle

Mit der Grünen Jugend ging es am Freitag in die Welle. Ich hatte den Film ja schon angekündigt
und mag die Thematik die dahinter steckt, nämlich die Frage, wann und wie ein System autoritär wird. Dies ist auch die Frage, die der Lehrer Rainer Wegner seinen Schülern zu Beginn der Projektwoche an seiner Schule stellt: „Meint ihr wirklich, dass eine Diktatur in Deutschland nicht mehr möglich sei?“ und die einhellige Antwort: Nein, man sei ja zu aufgeklärt. So weit so gut. Das Original aus den USA von 1981 bzw. eben die Handlung von 1967 wurde nach Deutschland und in die Moderne übertragen, was sicherlich ein interessantes Experiment hätte werden können.

Ich muss für mich aber sagen, dass mir einfach manchmal die Verbindungsstücke fehlen und die Entwicklung ein wenig Hopp-la-Hopp passiert. Also anstatt einer stetigen Entwicklung finden sich m.E. manchmal Sprünge in der Handlung und dem Aufbau der Organisation zur faschistischen Gruppe.

Und auch die Schüler finde ich etwas seltsam. Während im Original m.W.die Entwicklung ja eher im Hintergrund passiert, wird da offen damit gespielt. Also „Was braucht eine Diktatur?“ wird ganz offen ausgespielt. Sie bauen also zu Beginn bewusst ihre Diktatur auf – als Spiel.

Dennoch ist interessant, welche Entwicklung sich aus einer stärkeren Gemeinschaft ergeben kann, wenn gleichzeitig eine Ausgrenzung stattfindet. Dies zeigt der Film m.E. durchaus gut. Also die Kraft, die dem einzelnen der Zusammenhalt bringt, daraus dann einen stärkeren Zulauf und schließlich das Unverständnis und die Diskriminierung derjenigen, die sich der Welle nicht anschließen wollen.

Die Aufklärung am Ende geht m.E. jedoch wieder völlig in die Hose. Während im Original als Schockeffekt der Nationalsozialismus herangezogen wurde, geht der hier völlig verloren. Nach einer flammenden Rede gegen globale Ungerechtigkeit, die durchaus ihren wahren Kern hat, kommt es zur Vorführung eines Dissidenten. Und anhand des Hasses gegen diesen will der Lehrer dann den Lerneffekt verdeutlichen. Langweilig und  eher schwach. Nur die folgende Reaktion von einem Schüler bringt dann doch wieder mehr Spannung hinein.

Ansonsten finden sich sicherlich viele Elemente des Nationalsozialismus oder autoritären Systemen allgemein, zum Beispiel der Hinweis, dass ja „nicht alles schlecht gewesen sei an der Welle“ oder das der Lehrer bei der Fortführung durch die Polizei am Ende von allen – also auch den Teilnehmern der Welle – als Alleinschuldiger betrachtet wurde, als wäre man selber nicht beteiligt gewesen.

Als Fazit: Durchaus ein interessanter Film, den man sich auch mehrmals angucken kann, um Verbindungen zu autoritären Systemen aufzubauen und das Handeln der Schüler zu analysieren. Manchmal geht die Entwicklung ein wenig sehr schnell und bei der Offenlegung des autoritären Systems hätte man sich etwas mehr Schock versprochen. 7/10 Punkte

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