Archiv26. März 2008

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Stasi war gestern, heute ist LIDL
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Armut abgeschafft
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China, Tibet und der Boykott
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Koalitionsaussage und Inhalte

Stasi war gestern, heute ist LIDL

Okay, okay. Ein reißerischer Titel, aber es ist auch nicht immer leicht sich etwas einfallen zu lassen 🙂 Außerdem was die Verkäufer bei LIDL angeht, ist der Unterschied jetzt auch nicht so groß. Das diese nicht die besten Arbeitsbedingungen haben, war ja schon klar, aber das sie wie der Stern morgen berichten wird ((Vorbericht bereits verfügbar)) , gezielt ausspioniert wurden, ist doch noch etwas anderes. Beispiel gefällig?

Mittwoch, 14.15 Uhr
Frau C. und Frau S. verlassen die Filiale um zu einer Schulung nach Braunschweig zu fahren. Beide äußern sich negativ über die anberaumte Schulung. Sinn und Zweck wurden nicht verstanden; beide hoffen, dass die Zeit schnell rum geht, aktive Mitarbeit an der Schulung lehnen beide bereits im Vorfeld ab. (Quelle)

So weit ist der Unterschied zu STASI Akten, bei denen es um die Gesinnung zum Sozialismus ging sicher nicht. Ansonsten finden sich in den Protokollen die Anzahl der Toilettenbesuche, mögliche Liebesbeziehungen und weitere Einschätzungen über die Arbeitsleistung. Schon ziemlich schaurig und wiedermal fällt LIDL negativ auf…

China, Tibet und der Boykott

In der heutigen Süddeutschen Zeitung findet sich ein sehr guter Kommentar zum Boykott der Olympischen Spiele von Nico Fried, den ich nur weiterempfehlen kann. Die zentrale Aussage ist sicherlich:

Die Spiele in Peking sind ein zweiwöchiges, also temporäres Ereignis, von dem man immer wusste, dass es im größten Potemkinschen Dorf aller Zeiten stattfinden würde. Wie ein Staat wie Deutschland dauerhaft mit einer werdenden Großmacht umgeht, deren wirtschaftlicher Erfolg auch auf politischer Unterdrückung basiert, ist dagegen eine Frage, die seit Jahren für Diskussionen sorgt, in denen es keine einfachen Antworten gibt.

Es geht weiter um den Wandel durch Handel, der für China erhofft wird, aber kaum zu erkennen ist und damit der Modernisierungstheorie ((Liebe Grüße an Daniel, ich weiß wieder wie die Gegenthese zur Dependenztheorie heißt :D)) eindeutig wiederspricht, nachdem wirtschaftlicher Aufschwung und Kapitalismus eben zur Demokratie führt. Also lest den Artikel.

Aus China selber habe ich von einem Kommilitonen, der grade ein Auslandssemester in China absolviert, erfahren, dass die Propaganda durchaus funktioniert und in der Bevölkerung eben der Dalai-Lama-Clan als Hauptschuldig gesehen wird und die ausländische Presse eh nur lügt. Manipulation funktioniert damit wohl besser als erwartet…

Koalitionsaussage und Inhalte

Es kommt ein wenig zur Unzeit: Die Spitzenkandidaten der Grünen haben anscheinend beschlossen, ohne Koalitionsaussage in die Bundestagswahlen zu gehen. Gleichzeitig mit den Koalitionsverhandlungen in Hamburg und dem Wechsel von Oswald Metzger zur CDU wurde heute morgen im Morgenmagazin gleich schwarz-grün zum Thema des Tages. Argh! Es hat mich schon geärgert, dass der folgerichtige Wechsel von Metzger so aufgepuscht wurde. Dieser ist zum einen nach seiner Entwicklung der letzten Jahre abzusehen gewesen und zum anderen handelt es sich eben um einen Fortgang eines Politikers, der die Mehrheit der Grünen sicher nicht mehr anspricht – im Gegenteil war er ja wegen einer Entscheidung der BDK gegangen. Naja, jetzt hab ich schon viel zu viel zu ihm gesagt, deshalb lieber zum Ursprung: Der Weigerung einer Koalitionsaussage für die Wahlen – oder eher die Ankündigung der Spitze ohne einen solchen in die Wahl zu gehen bei uns entscheidet das zum Glück ja noch die Basis.

Und ich hoffe, dass es anders kommt: Es geht nicht darum sich zwingend an die SPD zu binden. Im Gegenteil: Ich war ja selbst in Hamburg recht pragmatisch.  Aber ich finde auch wichtig, deutlich zu machen, mit wem grüne Inhalte besser umzusetzen sind. Und dies ist sicher nicht die CDU, wie auch Trittin oder selbst Künast feststellten. Und damit bekommen die Inhalte, die in dem Zusammenhang betont wurden, schnell den Geschmack einer Beliebigkeit.

Von daher muss man nicht kategorisch ausschließen, mit der CDU zu reden, wenn die Wahlergebnisse nicht anders ermöglichen. Priorität sollte aber – grade aufgrund der Inhalte – eine Aussage zugunsten der SPD haben. Alles andere erweckt bei aller Betonung der Inhalte zwangsläufig den Eindruck der Beliebigkeit.

Und noch eins ist eindeutig: Wir sollten keinen rot-grünen Wahlkampf führen, sondern einen klaren grünen Wahlkampf. Wir sollten Schwerpunkte definieren, die man vermitteln kann. Und ich finde es gehört dann auch dazu zu sagen, mit wem man diese Ziele umsetzen möchte. Wer dies nicht tut, tut so, als wären CDU und SPD in dem Zusammenhang gleich nahe an den Grünen Zielen.