Zug der Erinnerung

Zug der Erinnerung Am Wochenende stand der Zug der Erinnerung am Gelsenkirchener Hauptbahnhof. Ich muss zugeben, dass die Zeit oder der Anschub dorthin zu gehen geringer war als vermutet. Jedenfalls strandete ich Dienstag nach einer verspäteteten oder ausgefallenen Straßenbahn schließlich am Duisburger Hauptbahnhof, wo dieser Zug der Erinnerung nach seinem Aufenthalt in Gelsenkirchen den nächsten Halt machte. Glück im Unglück odersollte man eher sagen, dass soetwas wohl Schicksal sein muss? :)

In zwei Wagons werden die Leidensgeschichten von Opfern der Deportation dargestellt, sowie die Täter portraitiert. Der ehemals Gelsenkirchener Hermann Neudorf schickte zu der Eröffnung der Ausstellung am Hauptbahnhof folgende Grußworte:

Am 28. Oktober 1938 kam ein Polizist in meine Schule, das Realgymnasium Horst – und brachte mich in das Gefängnis in Horst. Ich war gerade 13 Jahre alt. Von diesem Tag an war meine Jugend zu Ende! Von dort schleppte man mich nach Polen und dann Riga, in das K.Z. Stutthof und nach Buchenwald, wo ich dann 1945 befreit wurde. Vergeben muss man – aber Vergessen ist unmöglich. Darum wünsche ich dem ‚Zug der Erinnerung‘ großen Erfolg und danke allen, die unser Schicksal wach halten.

Ich hatte zwar nur rund 15 Minuten Zeit mir die Ausstellung anzusehen und konnte demnach nicht alles lesen, aber dies war aufgrund des Andrangs sowieso kaum möglich.

Gesellschaftsspiel der Judenvertreibung

(Juden-Vertreibung als Brettspiel)

Dennoch eine interessante Ausstellung und wenn sie bei euch halt macht und es sich eben ergibt, dann schaut doch mal vorbei. Sie dürfte aktuell in Essen, dann in Hagen, Wuppertal und Leverkusen Station machen. Alle Termine kann man hier einsehen. Enden soll der Zug am 8. Mai1 in Auschwitz.

Zug der Erinnerung

Am Rande: Mit Ruhm hat sich die Bahn hierbei nicht bekleckert. Anstatt auch in gewisser Weise Verantwortung für die Tätigkeit der Reichsbahn zu übernehmen und zumindest ein wenig finanzielle Unterstützung zu bieten, werden dem Zug der Erinnerung die gleichen Kosten aufgedrängt, wie kommerziellen Anbietern auch, was diese Form der Geschichtsaufarbeitung zu einem teuren Vergnügen macht: Ca. 4.000 Euro kostet es den Trägerverein pro Tag den Zug auf Reisen zu schicken. Die Bahn kassiert damit mit der Darstellung der eigenen Verantwortung am Holocaust nochmal rund 80.000 Euro. Die Fahrt wird demnach von Spenden und öffentlichen Unterstützungen – wenig ruhmreiche Ausnahme Gelsenkirchen – getragen. Der Eintritt hingegen ist kostenlos.

Schreiben über Transporte

  („…fährt täglich ein Zug mit 5.000 Juden von Warschau …“ – Klick vergrößert)

 

Einige wenige weitere Bilder gibts bei Flickr

  1. dem Tag der deutschen Kapitulation 1945 []
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