Wahrheiten, die niemand wissen will

Kennt ihr die Sendung „Wahrheit und nichts als die Wahrheit„? Montag abends läuft dieser Knüller bundesdeutscher Fernsehunterhaltung abends auf RTL II und bietet den Teilnehmern den ungeheuren Gewinn von 25.000 Euro – wenn man vorher 21 Fragen wahrheitsgemäß beantwortet. Lassen wir mal außer acht, dass man bei Günther Jauch nach 15 Fragen bereits als Millionär nach Hause gehen kann und dabei noch 3 bis 4 unterstützende Joker hat. Auch die miese Aufmachung der Sendung wollen wir nicht weiter beachten. Was bleibt ist wieder ein Beispiel für Sozialvoyourismus im deutschen Fernsehen. Während der Partner und Familie dabei sitzen, wird offenbart, dass die Frau sich einen anderen oder mehrere Sexpartner wünscht, die junge Frau sich für klüger als den Rest der Famiiie hält oder sonstige Peinlichkeiten wie die Verrichtung des großen Geschäfts in der heimischen Badewanne. Im Kern geht es also nur um die Frage, ab welchem Preis man bereit ist, sein Leben nach außen zu kehren. Freilich, große Gewinne gab es nicht, wie man dem Artikel der Süddeutschen dazu entnehmen kann – im Gegenteil: Eine Lüge und alles ist weg. Und – ohne dies zu unterstellen – muss man sich doch schon fragen, ob da nicht auch ein gewisses Potential dazu besteht, hier als RTL II einfach aus den 100 vorher gestellten Fragen eine Lüge herauszusuchen, um diese in dem Moment zu zücken, wenn es doch etwas mehr Geld kosten würde. Und abgesehen davon: Ganz sicher sind diese Geräte ja nie und im Fernsehen glaube ich noch weniger. Aber sei es drum.

Diese Sendung bestätigt für mich einen zunehmenden Trend dazu, mit Schadenfreude, Leid und Unfassbarkeiten das Fernsehprogramm zu bestücken. Dabei schließe ich mich noch nicht mal aus: DSDS gucke ich – nicht regelmässig, aber wenn dann – nur bis zum Recall, denn ab dann geht es um wirklichen Gesang, das interessiert nicht mehr. Und bei Peter Zwegart oder der Supernanny wird die sicherlich notwendige Hilfe gekoppelt an die Zurschaustellung der betroffenen Personen. Ehrlich gesagt, kann ich diese Menschen aber auch schwer verstehen. Jedem muss doch klar sein, dass man nach einem solchen Auftritt bei der Show, Supernanny oder dem Schuldenberater vielen tausend Menschen bekannt ist und – wenn es eine besonders „seltsame“ Sendung wird – dies nicht grade mit einem positiven Image Ist es das vermeintliche Prestige im Fernsehen gewesen zu sein? Oder sind die wirklich so verzweifelt, dass sie sich lieber an Herrn Zwegart wenden, anstatt an die Schuldenberatung vor Ort?

Jedenfalls stellt „Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ den neuen Tiefpunkt dieser Form der Fernsehunterhaltung dar – zumindest vorüberhehend. Wer es selber wissen will, kann sich die Kritik von Fernsehkritik.tv angucken oder folgende Darstellung von Stefan Raab1:

  1. ja, auch über ihn kann man geteilter Ansicht sein, aber hier hat er nun mal recht :D []
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