George Washington (1789-1797)

Mein Ziel in den letzten Tagen alle US Präsidenten vorzustellen ist nicht erreichbar. Ich hätte bei der Aufstellung des Zieles wohl auf den Klausurkalender gucken sollen. Stattdessen gibt es nun eine neue Serie über die Präsidenten, bei denen ich diese einzeln vorstellen werde – vielleicht in wöchentlichen Abständen bis zur Wahl des nächsten im November. Und deshalb geht es jetzt auch los mit George Washington, dem ersten Präsidenten der USA:

George Washingon (1789 – 1797)

* 1732 | † 1799 | Partei: keine1| Herkunft: Virginia

image George Washington wurde als Sohn eines Tabakfarmers in Virginia geboren. Er arbeitete zunächst als Geometer, bis sein Bruder 1752 starb und er damit – sein Vater war bereits früher gestorben – die Plantage Mount Vernon übernahm. Im kurz darauf beginnenden Frensh and Indian War wurde er ab 1753 mehrmals vom Gouverneur über die Appalachen geschickt um dort die Franzosen zu vertreiben. Auch wenn die militärischen Erfolge sicherlich nicht entscheidend waren, wurde er 1758 Oberst der Kolonialmiliz. Er spielte sogar mit dem Gedanken an eine militärische Karriere, bis die Briten ihm ein Offizierspatent verweigerten. Nach dieser Demütigung zog er sich auf seine Plantage zurück. Dort heiratete er 1759 die ein Jahr ältere Martha Dandridge Curtis, die ein beachtliches Vermögen mit in die Ehe brachte. Damit stieg sein Einfluss und Ansehen und kurz nach der Hochzeit war er so Abgeordneter im Parlament der Kolonie.

Als Ende der 1760er Jahre die ersten Vorstellungen einer Unabhängigkeit auftraten, stand er zunächst noch für eine Aussöhnung mit dem britischen Heimatland, aber Aktionen des englischen Parlaments erinnerten ihn schließlich an die Schmach bei der Verweigerung des Offizierspatent und so nahm er gerne an dem ersten Kontinentalkongress 1774 teil. Als der Zweite Kontinentalkongress ab 1775 permanent tagte und ein eigenes Heer aufstellte war schnell außer Frage, dass Washington den Posten des Oberkommendierenden übernehmen sollte – eine relativ schwierige Aufgabe. Weniger militärisch als organisatorisch.

Washington selbst sagte einst, dass er die Hälfte seiner Armee hinter den übrigen her schicken müsste, um diese wieder einzusammeln. Desertation, Krankheit und Verwundenheiten ließen die 40.000 stark sinken. Aber auch der knausrige Kongress half nicht grade beim Aufbau der Armee. Strategisch verfügte Washington über keine größere Erfahrung und erlaubte sich auch einige größere Schnitzer, erreichte aber auch durchaus entscheidene Siege. Naja, um es kurz zu machen: Das Ergebnis ist bekannt: Im Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 erreichten die Vereinigten Staaten ihre Unabhängigkeit.

Nach dem Krieg zog Washington sich auf seine Plantage zurück, die im Krieg vernachlässigt wurde, und hielt sich aus der Politik zurück. Als aber mehr und mehr offensichtlich wurde, dass die erste Verfassung – die Konföderationsartikel – für den neuen Staat nicht ausreichend waren, ließ er sich 1787 doch als Delegierter Virginias zum Kontinentalkongress, um hier Änderungen zu verstärktem Zentralismus herbei zu führen.

1788 wurde die neue Verfassung nun angenommen und ratifiziert und nachdem New York zur Hauptstadt bestimmt wurde fanden im Januar und Februar 1789 die Wahlen zum ersten Präsidenten statt, die Washington eindeutig gewann. So eindeutig, wie es keinem Präsidenten später nochmal geschehen sollte: Er erhielt weder 1789 noch bei seiner Wiederwahl 1792 eine Gegenstimme bei den Wahlmännern. Bei seinem Amtsantritt am 30. April war er sich der enormen Aufgabe durchaus bewusst, die dieses neue Amt mit sich bringen würde. Nicht nur wegen der Aufgaben, sondern in erster Linie einfach, weil er als erster Amtsträger prägend für seine Nachfolger wäre.

Dementsprechend musste zunächst die Verfassung und der Regierungsapparat gefestigt werden. Dazu schuf er entsprechende Ministerien, wobei er sich durchsetzen konnte, das die Minister nur dem Präsidenten und nicht dem Kongress verantwortlich wären. Auch gab es erst nach einigen Jahren die erste Kabinettssitzung.

In der ersten Legislaturperiode war eins der Hauptthemen die Schuldensituation des jungen Staates, die durch den Kontinentalkongress und Einzelstaaten aufgekommen sind. Die Frage wurde so verschieden gesehen, dass sich daraus die ersten Parteien der Vereinigten Staaten bilden sollten: Die Förderalisten und die (Demokratisch-)Republikaner2 Während erstere um Finanzminister Alexander Hamilton für eine Übernahme der Schulden durch die Union plädierten, waren die „Republikaner“ um Außenminister Thomas Jefferson gegen eine Stärkung der Zentralregierung. Auch wenn Washington dem Parteiengezänk ablehnend gegenüber stand, unterstütze er schließlich Hamilton.

image Bekanntlich schadete ihm die Entscheidung nicht und nach 1792 konnte er in die zweite Amtsperiode starten, die aufgrund der Situation in Europa außenpolitisch bedeutsamer wurde: In Frankreich hatte die französische Revolution in Europa zu einem Krieg geführt und nach dem Bündnisvertrag hoffte Frankreich auf amerikanische Unterstützung. Auch wenn es in den Vereinigten Staaten durchaus Stimmen für eine solche Unterstützung gab, war die junge Nation noch wirtschaftlich Abhängig von dem ehemaligen Mutterland und konnte bei Seestreitkräften kaum mithalten. 1793 erklärte Washington gegen Widerstand die Neutralität der Vereinigten Staaten, einem Widerstand, der sich nach einem 1794 ausgehandelten und 1795 vom Senat knapp ratifizierten Vertrag mit Großbritannien noch verstärkte. Man war der Ansicht, dass die Zugeständnisse gegenüber der britischen Krone zu weitreichend waren, jedoch schaffte es Washington die Vereinigten Staaten so aus dem Krieg herauszuhalten.

image 1797 entschied sich Washington auf eine erneute Kandidatur zu verzichten, da man ihm bereits monarchische Tendenzen unterstellte, aber vor allem auch aus grundsätzlichen Bedenken und aus einer gewissen Form der Amtsmüdigkeit. Er zog sich nach der Amtseinführung seines Nachfolgers John Adams auf den Landsitz zurück, wo er am 14. Dezember 1799 an einer Mandelentzündung starb.

Seine Leistung für die Geschichte der Vereinigten Staaten kann kaum hoch genug geschätzt werden. Erst führte er als militärischer Führer das Land in die Unabhängigkeit, um dann als Präsident die finanzielle Situation zu stabilisieren und das politische System aufzubauen.

  1. Man muss ihn den Föderalisten nahestehend ansehen, aber da er nicht viel von Parteien hielt, wäre es wohl etwas vermessen ihnen diese zuzurechnen []
  2. Nicht zu verwechseln mit den heutigen Republikanern! Mehr dazu in späteren Beiträgen. []
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