Meine Einstellung zur USA

Es ist schon seltsam, wie das mit dem Bloggen laufen kann. Heute Nachmittag habe ich die Artikel zur Blog Parade gelesen und mich ein wenig geärgert, dass ich keine Zeit hatte, selber mehr zu meiner Einstellung der USA gegenüber zu verfassen. Tja, “Kein Problem”, dacht ich, “das machst du einfach vor der Vorstellung der einzelnen Artikel”. Und so habe ich dann angefangen diesen anderen Artikel zu schreiben und plötzlich war ein ellenlanger Text auf dem Bildschirm – ohne einen fremden Beitrag zur Parade einzubinden nur mit eigenen Ansichten. Lange Rede kurzer Sinn: Hier meine Einstellung zu den Vereinigten Staaten, die Auswertung der Parade folgt voraussichtlich morgen.

Ich habe mich in den letzten Jahren viel mit den USA, aber vor allem deren Kultur beschäftigt und ich muss sagen, dass ich durchaus fasziniert von der Idee Amerikas bin. Man muss sich nur mal deutlich machen, dass dort bereit Ende des 18. Jahrhunderts aktiv ein System geschaffen wurde, welches Freiheit und Gleichheit in den Mittelpunkt der Politik stellte. Als erste Demokratie der Welt waren die Vereinigten Staaten keineswegs perfekt – die Vertreibung der Indianer, Sklaverei und folgende Unterdrückung der schwarzen Bevölkerung zeigen dies deutlich. Gerne wird dies in antiamerikanischen Diskussionen auf dem Silbertablett hervorgeholt, um die Verkommenheit des Landes zu Betonen. Ohne irgendwas schön zu reden sollte man aber auch beachten, dass gerade die Sklaverei schon seit der Gründung ein Zankapfel der USA war und schließlich einen Bürgerkrieg dort hervorrief. Und noch eins ist bei all dieser nicht ganz unberechtigten Kritik nicht zu unterschlagen: Kritik an all diesen Dingen und die historische Aufarbeitung kam keineswegs alleine aus dem “besseren Europa”, sondern vor allem auch aus Amerika selbst, wo selbstkritisch und geschützt von der Meinungsfreiheit oft die stärkste Kritik an der eigenen Geschichte oder der eigenen Politik zu hören ist.

Und damit auch zur Freiheit: Ein Bericht aus dem Buch „Amerikas Kreuzzüge” von Claus Kleber hat mich besonders berührt. Er beschreibt hier die Begegnung mit einer Frau, dessen Sohn in die Fänge einer skurrilen Sekte geraten war und in der er sich später schließlich das Leben genommen hatte. Dennoch reagierte sie fast schockiert auf die Frage, ob die Regierung nicht etwas dagegen unternehmen müsse. Religion gehe die Regierung nichts an, so die Frau und damit macht sie die Bedeutung der Religionsfreiheit deutlich. Und dieses Beispiel lässt sich sicher noch auf viele andere Bereiche übertragen. In den Vereinigten Staaten ist die Rolle des Staates noch deutlich zurück gedrängt. Dies mag in einigen Fällen wünschenswert sein, in anderen finde ich das zwar faszinierend, aber würde es mir nicht für Deutschland wünschen.

Das beste Beispiel hierfür ist der „Tellerwäscher zum Millionär” Mythos, nachdem jeder seines Glückes Schmied sei. In Amerika ist dies eine Art Selbstverständlichkeit, so dass der Obdachlose auf der Straße seine Situation eher an sich selber, als an der Gesellschaft fest macht. Das ändert sich m.E. momentan ein wenig, wenn nun im Wahlkampf darauf hingewiesen wird, dass nicht alle Kinder die gleichen Bildungschancen haben. Auch die Forderung nach verbesserter Gesundheitsvorsorge ist durchaus eine interessante Neuerung. Wie gesagt: Unser stärkeres soziales Netz ist mir persönlich durchaus lieber, aber ich respektiere die amerikanische Kultur in dieser unterschiedlichen Ansicht.

Interessanterweise hört man aber gerade von denjenigen, die bei außenpolitischen Diskussionen – nicht zu unrecht – feststellen, dass man anderen Ländern keine Demokratie aufdrängen könne, entsprechende Kritik an diesen sozialpolitischen Realitäten der Vereinigten Staaten, anstatt auch hier die Kultur des Landes und vor allem die Tatsache, dass die Amerikaner in ihrer Demokratie Einfluss auf die Politik nehmen können, zu respektieren.

Um vielleicht ein Fazit zu ziehen: Ich mag die USA. Ich mag keineswegs alles an ihr, nicht immer die Politik und die aktuelle noch weniger, aber ich mag die Idee, die dieses Land groß gemacht hat. Die Idee, nach der der einzelne Mensch im Mittelpunkt des Handelns steht und Freiheit die Grundlage einer Gesellschaft sein muss. Vielleicht hängt damit auch meine Begeisterung für Obama zusammen, der genau diese Werte betont.

7 Kommentare

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  • Hast du eigentlich das Interview auf Spiegel Online (der englischen Seite) mit Philipp Roth gelesen? Dieser hat sich zu Obama als Kandidat bekannt, sagt aber auch, dass diese Wahl sich tatsächlich an der Hautfarbe entscheiden wird!

  • Alleine sicher nicht, es gibt m.E. ja selten den einen Grund, aber ich denke schon, dass diese Frage schon eine gewichtige Rolle spielte. Und im Kern waren die wirtschaftlichen Interessen des Südens ja auch eng mit der Sklavenfrage verbunden.

    Ansonsten danke für das Lob und es freut mich, wenn ich einen Impuls geben konnte 🙂

    @Max: Bisher nicht, bin auch jetzt nur kurz mal eben online bevor es weiter geht, aber gucke mir das später nochmal an. .Zu den Wahlen muss eh noch etwas kommen heute abend.

  • Wieso sollte ich das?
    Die einzige Einschränkung, die ich gerne mache ist, dass es im Bürgerkrieg oder in der Sklavenfrage zunächst nicht wirklich um die Abschaffung, sondern eher um die Nichtweiterausbreitung der Sklaverei in den neuen Bundesstaaten ging. Aus diesem Konflikt entstand damals die Republikanische Partei und die Frage spaltete damit die gesamte Gesellschaft. Ich finde man kann das nicht einfach nur mit Wirtschaft beschreiben. Klar, das spielte eine Rolle, ebenso wie der uralte Streit über die Rechte der Einzelstaaten, aber die Frage das Sklaverei – wie so oft – einfach nur als Vorwand zu betrachten ist m.E. zu einfach.

    Aber ich denke angesichts der Diskussionen hier über diesen Abschnitt sollte ich dazu noch etwas recherchieren und dazu einen eigenen Artikel verfassen, wenn wieder etwas Zeit ist.

  • Wenn die Rechte der Sklaverei KEIN Vorwand waren, warum hat es dann bitteschön bis in die 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gedauert eine Gleichberechtigung vor dem Gesetz herzustellen?

    Soweit mir bekannt ist ging es tatsächlich um einen Stellvertreterkrieg für die Interessen zweier Gruppen von Menschen die auf unterschiedliche Art und Weise ihr Vermögen erwarben. Der Norden hat die Sklaverei quasi zum Kriegsgrund hochstilisiert, vergleichbar mit den Massenvernichtungswaffen des Iraks vor einigen Jahren – mit dem Unterschied das Sklaverei tatsächlich existierte.

  • ja genau Dennis, so seh ich das auch. Der Norden hat das vor allem deshalb getan, weil er die Sklaven nicht brauchte, freie Arbeiter ausbeuten geht ja auch.
    Und der Süden wollte halt die Sklaven behalten, weil sie diese als Eigentum einsahen und sich auf das Grundrecht auf Eigentum beriefen.

    Wirtschaftspolitisch gesehen ging es dem Norden um Schutzzölle um die Industrie zu bevorzugen und dem Süden um Freihandel, da dieser vom Weltmarkt viel stärker abhängig war.

    Und natürlich ging es auch um die Kompetenzverteilung zwischen Union und Einzelstaat bzw der Frage, ob die Sezession rechtswidrig war. (Lincoln führte als Argument für die Rechtswidrigkeit auf, dass es ja nie souveräne Staaten waren und nur als Union unabhängig wurden).
    Oder eben um die Rettung der Union aus Sicht der Nordstaaten, wobei sie die Weststaaten auf ihrer Seite hatten, die von den Subventionen in Infrastruktur gewaltig profitierten.

    So grob in die Richtung ging es meines Wissens und die Sklavenfrage war mehr oder weniger egal, da hieben und drüben die Reichen die anderen ausbeuteten. (Und mit der Abschaffung der Sklavenhaltung ging es ja vielen Schwarzen schlechter als vorher…)

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