Kevinismus

„Nur Drogenkinder und Ossis heißen Kevin“, so Michael Mittermeier über den Vornamen meines Bruders. Wer es im Original hören will, kann das gerne hier tun, aber darum geht es hier gar nicht. Zumindest nicht direkt: Es geht um die zunehmende „krankhafte Unfähigkeit, menschlichem Nachwuchs menschliche Namen zu geben“, wie die content-freie satirische Enzyklopädie uncyclopedia es nennt. Hierbei muss man – auch zur Ehrenrettung meines Bruders und meiner Eltern – feststellen, dass erst der Film „Kevin allein zu Haus“ den Durchbruch des Namens brachte – 1991 war er der meistvergebene Name. Mein Bruder durfte das dann im Kindergarten immer wieder darunter leiden. Hier noch Grafik mit der Häufigkeitsverteilung von beliebte-vornamen.de.

 

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Daraus erkennt man dann auch, dass der Name nach seinem Höhenflug 1991 tendenziell eher seltener genutzt wird.  Grund für diese Medienbezogenheit der Namen hatte die Namensforscherin Gabriele Rodriguez bei Kerner genannt: (siehe beliebte-vornamen.de)

In der ZDF-Sendung „Kerner“ präsentierte sie ihre eigene Definition: Gerade bildungsferne Schichten würden sich sehr stark an den Medien orientieren und daher häufiger zu Namen wie Kevin oder Justin greifen. In gebildeten Kreisen hörten die Kleinen heute dagegen gerne auf Alexander oder Konstantin.

Zweiteres nannte der Autor Jan Weiler im Stern auch gleich Emilismus:

In der AkademikerSzene sowie im Medien- und Werbemilieu habe ich einen gegenläufigen Trend festgestellt. Ich nenne ihn Emilismus. Da werden Kinder mit Namen beehrt, die vor rund 90 Jahren schwer in Mode waren: Anton. Paul. Emil. Carl. Friedrich.

Noch abschließend: Bei der Benennung meines Bruders haben die Medien keine wesentliche Rolle gespielt wurde mir versichert. Angesprochen wurde sie nur auf den britischen Fußballspieler Kevin Keegan.

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