Cthulhu Rollenspiel

cthulhuSHB Um auch mal wieder etwas zum Rollenspielteil der Homepage hinzuzufügen, hier eine Vorstellung des Rollenspiels Cthulhu, welches ich seit etwas über einem Jahr mehr oder weniger regelmäßig spiele1. Das Rollenspiel, welches 1981 zuerst erschien und 1986 seinen Weg nach Deutschland fand, basiert auf dem gleichnamigen Mythos, der von H.P. Lovecraft in den 1920er Jahren geschaffen wurde. Man kann es sicher eindeutig als Horror Rollenspiel bezeichnen, auch wenn man sich hier bitte unter keinem Fall riesige Zombiearmeen vorstellen darf, solche Rollenspiele gibt es auch, aber Cthulhu ist eben doch ganz anders…

Hintergrund

Spielwelt von Cthulhu ist die Realität, also unsere Welt, wobei man es in verschiedenen Epochen spielen kann. Am bekanntesten ist sicher das Szenario der 1920er Jahre, in der auch die Geschichten von Lovecraft spielen, aber es gibt durchaus auch Szenarien für die 1890er, für das Piratenzeitalter, im Wilden Westen oder seit neustem auch in der Gegenwart. Mit Realität meine ich da auch durchaus alles was damit zusammenhängt. Also um bei Cthulhu mitzuspielen muss man nicht viel an unserer Welt ändern. Es laufen keine Monster durch die Gegend, es gibt keine Elfen oder Zwerge und auch sonst ist wirklich alles so wie es zu der Zeit eben ist bzw. war.

Natürlich gibt es einen Unterschied, aber der offenbart sich einem Spieler2 erst nach und nach: Die Existenz von anderen Wesen – der Cthulhu Mythos. Diesen im Detail zu beschreiben fällt mir schwer, da ich ihn trotz einigen Abenteuern und nur zwei gelesenen Kurzgeschichten von Lovecraft nur rudimentär erfassen kann. Aber Alex Kirchner hat die Grundlage gut zusammengefasst:

Die grundlegende Idee hinter dem Gebilde, welches man gemeinhin als Cthulhu-Mythos bezeichnet, ist die Annahme, daß die Erde vor Millionen von Jahren von außerirdischen Wesen bevölkert wurde, die sich irgendwann gegenseitig von der Erde vertrieben haben, jedoch erst, nachdem sie die Menschheit mit der Funktion einer Diener- oder Sklavenspezies erschaffen hatten . Der Cthulhu-Mythos besagt weiter, daß einige dieser äußerst mächtigen Wesen immer noch auf verschiedenen Planeten in den Weiten des Weltalls existieren und danach trachten, die einst verlorene Macht wiederzugewinnen. Andere befinden sich immer noch auf der Erde oder in einer „Paralleldimension“ der Erde in einer Art Winterschlaf, beispielsweise auf den Meeresgründen und im ewigen Eis der Antarktis, immer darauf wartend zu erwachen oder erweckt zu werden, um ihre alte Macht wieder auszuüben.

Für weitere Betrachtungen bietet sich eben dieser Artikel an, aber auch eine Zusammenfassung von Pegasus Spiele oder das Cthulhu Wiki.

Spielercharaktere

Die Tatsache, dass ich über den Mythos so wenig weiß, zeigt, dass es keineswegs notwendig ist, die Tiefen des Mythos zu verstehen, um das Spiel zu spielen. Ja, teilweise ist es sogar hilfreich, wenn man nicht gleich im Kopf irgendwelche Schlussfolgerungen zieht, denn die Spielercharaktere können es auch nicht.

Bei Cthulhu spielt man zu Beginn nämlich „Menschen wie du und ich“, also einen normalen Bürger, der an solche Dinge nicht glaubt, ihre Existenz womöglich bei den ersten Seltsamkeiten noch abstreitet. Zum Beispiel war ich in der letzten Runde ein Beamter beim Berliner Jugendamt und vorher ein Journalist. Durch irgendwelche seltsamen Umstände erfährt man dann mehr und mehr und versucht die Zusammenhänge aufzubauen.

Dabei recherchiert man anhand ständig mit neuen Informationen (Namen, Orte, Bücher) geschichtliche Zusammenhänge und verschiedene Verbindungen um am Ende zumindest ein wenig die Chance zu haben, ein Bild der Ereignisse zu erhalten. Dabei wird oft mit liebevoll gestalteten Handouts gearbeitet und man bekommt lange Tagebücher zu lesen, wobei man die Informationen dann selber dort hinaus filtern muss.

Spielprinzip

Irgendwann kommt es dann aber fast zwangsläufig dazu, dass man irgendeiner Monstrosität begegnet, ein Beschwörungsritual beendet oder ähnliches. Aber während in Fantasy Rollenspielen die angemessene Reaktion auf das Erscheinen der unbeschreiblichen Monstrosität ein lapidares Ziehen des Zweihänders +3 oder das Abschießen eines Feuerballs ist, wird bei Cthulhu etwas anderes fällig: Der Stabilitätswurf. Für jede unnatürliche, grässliche Szene, die ein Mensch erlebt – angefangen vom einfachen Toten bis zum Erscheinen Cthulhus persönlich – ist ein entsprechender Wurf auf die geistige Stabilität des Charakters fällig. Diese sinkt im Laufe des Abenteuers deutlich und je nach Erfolg solcher Proben kann eine Ohnmacht schneller kommen, als man dies gewünscht hatte. Und selbst wenn einem die Begegnung mit genannter Monstrosität nicht sofort in einen – dann wahrscheinlich ewigen – Schlaf sinken lässt, können Psychosen und Wahnsinn einen Charakter dauerhaft befallen. In den meisten Fällen besteht die Überlebenschance bei solchen Begegnungen auch nicht in dem Gebrauch der hoffentlich mitgebrachten Waffe, sondern darin möglichst schnell möglichst weit weg zu kommen. Und um es ganz ehrlich zu sagen – bei einer guten Spielatmospähre will man auch gar nichts anderes für den Charakter.

Grade diese Atmosphäre, die Eigenschaft der psychischen Stabilität und die Tatsache ein ganz normaler Mensch zu sein, lassen einen wirklich Mitfühlen und Mitfürchten. So endete eine Spielrunde bei uns auch schon mal damit, dass man nach kurzer Besichtigung des Hauses gegenüber (indem ungeheuerliches vor sich ging) nicht weiter das Haus durchsuchte, sondern geschickt den Rückzug antrat und die Polizei anrief, die schlussendlich das ganze Haus abfackelten. Im übrigen – dies sei noch kurz angemerkt – die Überlebensrate bei Cthulhu ist nicht unbedingt die größte und die Waffen die man dabei hat benutzt man – zumindest nicht vollständig – für die Ungeheuer, sondern behält am Besten mindestens eine Kugel im Magazin…

Spielpraxis

Noch ein ganz kurzes Wort zu den Regeln: Sie sind extrem einfach. Bei Cthulhu geht es nicht um Regeln und absoluten Realismus (auch wenn mir noch keine grober spieltechnischer Unrealismus aufgefallen ist), sondern um Atmosphäre und eine gute spannende Erzählung. Eigentlich alle Entscheidungen werden per W% durchgeführt, also durch Prozentwürfe. Alle Eigenschaften und Fähigkeiten der Charaktere werden in Prozentwerten dargestellt und somit wird einfach mit zwei zehnseitigen Würfeln3 geprüft, ob man die Probe bestanden hat. Man kann diese natürlich noch erschweren (Würfelwurf verdoppelt) oder erleichtert (halbiert), aber im Kern wird über diese Würfel dann das Spiel gesteuert. Alleine beim Schaden von Waffen kommen dann auch andere Würfel ins Spiel.

Klare Kaufempfehlung

Für alle, die stimmungsvolles Rollenspiel mögen, kann ich Cthulhu damit nur empfehlen. Es ist von der Spielweise schon anspruchsvoller, da ein blöder Witz an falscher Stelle einfach alles zerstören kann, aber von den Regeln schön einfach. Weitere Infos gibt es bei Pegasus Games und wen ich überzeugt habe, kann gleich bei Amazon einkaufen gehen :)

Zeichnungen: Dominique Signoret Veröffentlicht unter der Creative Commons Attribution ShareAlike license versions 2.5, 2.0, and 1.0
  1. ca. 1x pro Monat []
  2. bzw. dem Charakter []
  3. einer als Zehner, der andere als Einer []
Back To Top