Berlin, Peking und Seoul

Der Marshallplan Plan1 war dann auch Ursache für die erste große Krise in diesem Kalten Krieg. Für das Gelingen der Wirtschaftshilfe war es erforderlich geordnete wirtschaftliche Bedingungen aufzubauen, für Deutschland bedeutete dies eine gemeinsame Währung. Am 19. Juni 1948 wurde dementsprechend die D-Mark in den Westzonen eingeführt, drei Tage später auch in Westberlin. Dies veranlasste Stalin dazu, zum „Schutze der Interesen der Bevölkerung und der Wirtschaft der sowjetischen Zone sowie zur Vorbeugung der Desorganisation des Geldumlaufes“2 eine Blockade Berlins zu veranlassen. Alle Land- und Schifffahrtswege wurden gesperrt und schließlich auch die Stromversorgung gekappt. 2 Millionen Westberliner waren Geiseln des Systemkonflikts geworden, die Stadt zum – wie der damalige Bügermeister Ernst Reuter es ausdrücke – zum „Stalingrad der deutschen Freiheit“3 geworden.

Die Westmächte waren – trotz teilweiser Bereitschaft die Weststaatbildung Deutschlands zu suspendieren4 – eindeutig in der Verteidigung der eigenen Rechte Westberlins betreffend. Wenige Tage nach dem Blockadebeginn beschloss Truman bereits die Truppen in der Stadt zu belassen – eine Entscheidung, mit der er sich im Einklang der eigenen Bevölkerung befand, die das Vorgehen zu 80 Prozent unterstützten, selbst wenn dies Krieg bedeuten würde. Es kam zu der inzwischen fast legendären Luftbrücke, bei der die Alliierten ihre Flugräume nutzen, um die Stadt aus der Luft zu versorgen.

Auch die atomare Bedrohung war allgegenwärtig als weitere B-29 Bomber während der Krise nach Westdeutschland und Großbritannien verlegt wurden. Auch wenn Truman niemals ernsthaft einen atomaren Einsatz erwog, zeigt sich auch hier die Schwelle, die solche Konflikte leicht übertreten könnten.

Bis zum 12. Mai 1949 haben die sogenannten „Rosinenbomber“ in über 270.000 Flügen nach Berlin circa 1,83 Millionen Tonnen Versorgungsgüter5 in die Stadt transportiert, darunter Teile eines Kraftwerkes, dass zur Stromversorgung gebaut wurde. 78 Menschen verloren bei dem Unternehmen ihr Leben und für die Kosten von 200 Millionen Dollar kamen britische und amerikanische Staatsbürger auf.6 Durch diesen Einsatz und dem Scheitern der Sowjets die Westintegration zu verhindern wurde Berlin zu einem Symbol für die „freie Welt“.

„Von nun an galt der Satz: Wenn Berlin fiel, waren auch Paris, London und Washington bedroht.“7

Vor allem diese psychologische Wirkung darf nicht unterschätzt werden: Die Westallierten hatten ihren Frieden und das Leben der eigenen Soldaten riskiert, um einer anderen Stadt im eigenen Lager zu helfen. Spätestens damit war die Westintegration der Bundesrepublik – deren Gründung die Sowjetunion mit der Blockade nicht zu stoppen vermochte – besiegelt.

Niederlage in China

Nach dem „Sieg“ in Berlin und damit der Klärung der Lage in Europa (vorerst) kam für die USA in Asien allerdings Ernüchtung auf, zum einen mit dem Bau der sowjetischen Atombombe8 aber auch mit der Entscheidung des chinesischen Bürgerkrieges. Am 1. Oktober erklärte Mao Tse-tung die Gründung der Volksrepublik China und damit den Sieg über die Nationalisten, die sich nach Taiwan zurückzogen. Für die USA war damit die Frage, wie sich dieses neue kommunistische Regime verhalten würde. So gab es Vermutungen, dass sich die Situation ähnlich entwickeln würde wie in Jugoslawien und somit China zu keinem Gewinn für die Sowjetunion werde.

Das Gegenteil war der Fall: Mao war überzeugter Marxist-Leninist und China müsse sich nach seiner Ansicht mit der Sowjetunion verbünden. Die erste Auslandsreise führte ihn entsprechend nach Moskau, wo er zwei Monate blieb und mit einem Bündnisvertrag zurückkehrte. Stalin hatte im Juli bereits die Chance erkannt, die Mao für den Kalten Krieg bot:

„Es sollte eine Arbeitsteilung zwischen uns geben. (…) Die Sowjetunion kann (,,,) nicht den gleichen Einfluss (in Asien) ausüben, wie den zu dem China in der Lage ist. (…) Ebenso kann China nicht in Europa den gleichen Einfluss ausüben wie die Sowjetunion. Also sollten Sie im Interesse der internationalen Revolution (…) mehr Verantwortung bei der Arbeit im Osten übernehmen, (…) während wir mehr Verantwortung im Westen übernehmen werden.“9

In den USA löste der Sieg der Kommunisten eine Diskussion darüber aus, ob die USA die Nationalisten unter Tschiang Kai-schek getan hätten. Die gleichzeitige Offenbarung, dass zwei sowjetische Spione in Amerika aktiv waren – darunter Klaus Fuchs, der den Sowjets Unterlagen des Manhatten-Projekts weitergeleitet hatte, tat ihr übriges, um innenpolitischen Druck aufzubauen, insbesondere der Senator McCathy tat sich hier hervor.

Krieg in Korea

Weg zum Krieg

Bedeutung hatte diese Entwicklung in China – und wie sich zeigen auch deren Folgen in den USA – insbesondere auf die Entwicklung der koreanischen Halbinsel. Wie Deutschland war auch Korea im Laufe des Krieges geteilt worden. Entlang des 38. Breitengrades wurde eine Linie zwischen der sowjetischen und amerikanischen Zone gezogen. Und wie in Europa scheiterten auch hier die Bemühungen für ein vereinigtes Korea. Im September beschloss die UN Generalversammlung deshalb die Einsetzung einer Kommission für freie und geheime Wahlen in den jeweiligen Teilen Koreas, wobei sie in Nordkorea jedoch nicht geduldet wurde. Aus zweifelhaften Wahlen im Süden und mit sicherheit zweifelhafteren Wahlen im Norden entstanden nun die Republik Korea10 unter Syngman Rhee und die Demokratische Volksrepublik Korea11 unter Kim Il Sung. Sowohl die Sowjetunion, wie auch die USA zogen ihre Truppen schließlich aus ihren jeweiligen Partnern ab – was freilich keinen Abbruch in den militärischen und finanziellen Unterstützung tat.

Beide Seiten verfolgten jedoch das Ziel der Wiedervereinigung auch durch militärisches Vorgehen wurden aber von ihren Supermächten zurückgehalten – zumindest vorerst. In den USA spielte Südkorea keine wesentliche Rolle mehr, die Stabschefs schrieben den Truppenbasen dort keine Bedeutung für die militärische Sicherheit zu und Außenminister nannte als wichtigste strategische Orte im Pazifik zwar Japan und die Phillipien, nicht aber Taiwan und Korea. Er spekulierte gar darauf, sich im Falle eines Angriffes auf diese Inselstützpunkte zurückziehen zu müssen. Selbst wenige Tage vor dem Angriff des Nordens auf den Süden ging die CIA noch davon aus, dass Kim Il Sung es bei Propaganda und Unterwanderung belassen würde.12

Auch Nordkorea suche regelmäßig um Genehmigung des russischen Diktators zu einer Militäropperation, hatte aber erst im Januar 1950 Erfolg. Stalin schien den Zeitpunkt günstig zu halten, um eine zweite Front in Asien aufzubauen. Als Kim Il Sung im April mit ihm zusammentraf machte er aber deutlich, dass sich die Sowjetunion nicht direkt in dem Krieg beteiligen werde:

„Falls euch die Amerikaner niedermachen, werde ich keinen Finger rühren. Ihr müsst Mao um Hilfe bitten.“13

Nach der Versicherung den Krieg in drei Tagen beenden zu können, gelang es auch Maos Skepsis zu überwinden und so begann am 25. Juni 1950 mit dem Überfall von 200.000 nordkoreanischen Soldaten der Krieg.

Kriegsverlauf

Korean_war_1950-1953Die Reaktion der USA war jedoch weit abweichend von den Ideen Maos und Stalin, die die bisherigen Äußerungen der USA zu Rate gezogen haben. Aufgrund der Reaktionen nach der Übernahme Chinas durch Mao und aufgrund der Interpretation des Angriffes als „groß angelegte, globale, von Moskau gesteuerte Offensive“14 reagierte die US Führung schnell und eindeutig: Zwei Tage nach dem Angriff wurden amerikanische Schiffe Flugzeuge und nach Südkorea versandt und der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet, der ein militärisches Vorgehen gegen Nordkorea mandatierte. Möglich war das Vorgehen nur, weil die VR China noch nicht als Mitglied anerkannt war und die Sowjetunion genau aus diesem Grund den Sicherheitsrat boykottierte. Als diese Unterstützung nicht weiter half und Seoul bereits nach drei Tagen fiel, die Hälfte der südkoreanischen Armee nach fünf Tagen vernichtet war und die Nordkoreaner weiter nach Süden marschierten, wurde der Einsatz amerikanischer Bodentruppen am 30. Juni 1950 beschlossen. Am 7.Juli wurde aus dieser Aktion die erste multilaterale Streitmacht der Geschichte der Vereinten Nationen: Bis zum Kriegsende sollten sich 15 Staaten an diesem Krieg unter Kommando des United Nations Command beteteiligen – welches freilich unter dem Kommando des amerikanischen Generals MacArthur.

Im September sah es fast so aus, als ob dieser Krieg verloren wäre, als die südkoreanischen Truppen auf einen kleinen Teil an der Südspitze zurückgedrängt wurden. (Siehe auf animierte Grafik oben 09/1950) Erst die legendäre Invasion von MacArthur bei Seoul, genauer bei Inch’on in dem Rücken der Nordkoreaner führte zum Wandel im Kriegsverlauf und schließlich zur Überquerung des 38. Breitengrades, die nach einem UN Beschluss am 7.Oktober vollzogen wurde. Hiermit wurde dann aus der rollback Strategie eine liberation Strategie.

Diese Wende führte den Krieg fast zu seinem Ende, bis Weihnachten wäre Nordkorea komplett erobert gewesen und selbst Stalin hatte sich angesichts der Entwicklungen bereits damit abgefunden, nun bald Amerikaner als Nachbarn (in einem wiedervereinigten westlichen Korea) zu haben. Er riet Kim Il Sung gar die Evakuierung des Landes. Amerikanische Sorge war eher eine chinesische Intervention, weshalb man die Truppen auch nicht bis zum Yalu – dem koreanisch-chinesischen Grenzfluss – vorrücken ließ. Auch sei – so die Einschätzung von McArthur – der günstige Zeitpunkt eines chinesichen Kriegseintritts abgelaufen. Diesesmal ein Irrtum auf anderer Seite: Am 26. November griffen „Freiwillige“ aus China in den Krieg ein.

Dieses mal waren es die UN Truppen, die ihren Rückzug über den 38. Breitengrad antraten. Die Front stabilisierte sich bis zum Frühjahr 1951 um eben diesen Breitengrad und wurde zu einem Stellungskrieg, wie man sie aus dem ersten Weltkrieg kannte. Schließlich begannen 1951 Friedensverhandlungen, die aber erfolglos verliefen. Hauptschuldiger dürfte wohl Stalin gewesen sein, der die USA militärisch in Ostasien binden wollte.

„Ein in die Länge gezogener Krieg“, erklärte er Mao, „gibt den chinesischen Truppen die Möglichkeit, die zeitgenössische Kriegsführung auf dem Schlachtfeld zu studieren, zudem wird das Truman Regime in Amerika erschüttert, un es schadet dem militärischen Ansehen der angloamerikanischen Truppen.“15

Auch als Chinesen und Koreaner 1952 vom Krieg erschöpft waren, bestand Stalin auf der Fortsetzung der Kämpfe und verwies auf die Waffen, die China auf der Sowjetunion bezog um damit eine taiwanesische Invasion vorzubereiten bzw. abzuhalten. Erst nach Stalins Tod 1953 lies sich ein Waffenstillstand erreichen, der im Juli in Kraft tat. Grade noch rechtzeitung um womöglich die nächsten Einsätze von Atomwaffen verhindert zu haben…

Atomwaffen

Bereits mit dem Rückzug aus Nordkorea und der chinesischen Übermacht kam durch General MacArthur die Forderung auf, Atomwaffen einzusetzen. Truman widersetzte sich diesem Streben energisch und ersetzte MacArthur schließlich 1951 sogar. Neben einem grundsätzlichen Vorbehalt gegen den Einsatz der Waffe16 waren es aber auch strategische Fragen, wie ein mangelndes Ziel oder die internationalen politischen Folgen beispielsweise bei einem Angriff auf chinesische Städte – die durchaus ein Ziel abgaben. Eisenhower hingegen hatte weniger Vorbehalte und als sich der Krieg nun seit zwei Jahren hinzog, unterzeichnete dieser einen Entwurf der Stabschefs, der eine Beendigung des Krieges mit Hilfe von strategischen und taktischen Atomwaffen empfahl. Der Frieden kam schließlich auf andere Art und Weise.

Folgen

Der Krieg, der zwischen Zweitem Weltkrieg und Vietnam oft zu vergessen werden scheint und deshalb als „vergessener Krieg“ bezeichnet wird, tötete 36.000 amerikanische, sowie 1,7 Millionen chinesische und koreanische Soldaten sowie fast drei Millionen Zivilisten das Leben17. Er belastete die chinesisch-amerikanischen Beziehungen und die Demilitarisierte Zone zwischen beiden Staaten ist noch heute ein Sinnbild für den Kalten Krieg, auch wenn diese „Mauer“ langsam bröckelt.

Fazit

Diese beiden Konflikte bildeten den Kalten Krieg bereits in frühen Jahren deutlich ab. Während ersterer die Entschlossenheit des Westens deutlich machte, aber friedlich blieb, war der zweite der erste deutliche Stellvertreterkrieg der Sowjetunion, die China und Korea für sich kämpfen ließ, um die USA zu schwächen. Die inzwischen festgestellte Tatsache, dass im Himmel über Korea während des Krieges durchaus sowjetische Piloten gegen Amerikaner kämpften, dies beiden Seiten bekannt war aber sie beide – unabgesprochen – schwiegen, verdeutlicht den schmalen Grad, den es in der Zeit gegeben hat. Auch der Grad zwischen konventionellen und atomaren Krieg waren in Korea durchaus bedroht. Ein Grund mehr beim nächsten mal auf die Geschichte der Atombombe während des Kalten Krieges zu sprechen zukommen.

Grafik zum Kriegsverlauf: Astrokey44
  1. siehe Teil 3 der Reihe zum Kalten Krieg []
  2. Zit. nach Ströver S. 89 []
  3. Zit. nach Ströver S.90 []
  4. Vgl. zu dieser Diskussion Loth, S. 234ff. []
  5. 63% Kohle, 28% Lebensmittel, 9% Industriegüter []
  6. Zahlen nach Görtemaker, S. 43f. []
  7. Görtemaker, S.44 []
  8. auf die beim nächsten Mal noch eingehender eingegangen wird []
  9. Zit. nach Gaddis S. 55 []
  10. Südkorea []
  11. Nordkorea []
  12. Vgl. Bierling, S.111f. und Steininger, S. 58 []
  13. Zit. nach Steininger, S.61 []
  14. Steininger, S.59 []
  15. Zit. nach Ströver S.79f. []
  16. hierauf wird im nächsten Teil genauer eingegangen []
  17. 1 Million im Süden, ca. 2 im Norden []
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