Licht an oder Licht aus?

Neben der bereits mehrmals erwähnten Demo in Neurath und Berlin gibt es morgen noch ein Ereignis, welches mit dem Klimawandel zu tun hat: Von 20 Uhr an sollen möglichst viele Menschen in Deutschland symbolisch ihr Licht ausschalten und die folgenden 5 Minuten damit ein Zeichen gegen den Klimawandel setzen – und sich hoffentlich auch weitergehende Gedanken dazu machen. Hier zunächst das Werbevideo zu der Aktion „Licht aus! Für unsere Umwelt„:

Kritik an Licht aus

Es gibt viel, sicherlich auch nicht unberechtigte Kritik an der Aktion, denn eins ist klar: Verbessern wird sich durch die Aktion direkt gar nichts. Der Stromverbrauch von 5 Minuten wird weder den Klimawandel stoppen noch ihn überhaupt irgendwie beeinflussen. Und wer dannach dann wieder die komplette Festtagsbeleuchtung anmacht, seinen Strom weiterhin vom Kohlekraftwerk bezieht und mit dem spritzfressenden Jeep zum Einkauf um die Ecke fährt, hat aus der Aktion nichts gelernt.

bild_klimaalarm___kol__ge.jpgStefan Niggemeier beispielsweise hat aufgrund der Aktion Greenpeace einen Brief geschrieben und seine Fördermitgliedschaft beendet, weil er die Aktion für zu symbolisch hält und ihm auch die Zusammenarbeit mit der Bild nicht wirklich zusagt. Diese sehe ich auch sehr kritisch, war diese Zeitung in der Vergangenheit doch oft die erste, die sich über die Ökosteuer aufregte (siehe hier) und Christoph Schulteis fragte in einem Kommentar der TAZ:

Sollen wir Bild dankbarer sein für Schlagzeilen wie „Klima-Sensation: Wie kommt Flipper in die Ostsee?“, „Klima-Studie! Atomkraftwerke sollen länger laufen“, „Klima-Alarm nur Öko-Lüge?“ und „Der Wassermangel treibt sie zu uns: Jetzt kommen die Klima-Flüchtlinge“, bloß weil Bild sich zu den Umweltschützern ins Boot gesetzt hat?

Auch dies muss bei der Aktion gesehen werden: Es ist eine Veranstaltung um das Image der Bild aufzupolieren und auch Pro7 wird nicht etwa die Scheinwerfer, Kameras und Bildschirme ausschalten, sondern mit einem „Galileo Spezial“ live darüber berichten.

Unbestreitbar haben Bild und Pro7 mit diesem Termin allerdings das Thema ein wenig in den Blickwinkel gerutscht, auch wenn man sich darüber streiten mag, ob es diesen um das Thema oder eher das eigene Image ging. Auch das Fehlen einer konkreten Forderung („Gegen Braunkohlekraftwerke“, „Für strengere Grenzwerte in der Autoindustrie“), mag kritisch zu sehen sein, denn „Für das Klima“ ist schön, aber schwammiger geht es kaum noch.

Jedoch wäre es falsch, diese entstandene Öffentlichkeit nun einfach zu ignorieren oder zu boykottieren. Im Gegenteil, man braucht eine pfiffigere Idee um den Anlass dann auch zu nutzen.

„Licht an! – Aber richtig“

licht_an.jpgEinen solchen Ansatz verfolgt die Initiative „Licht an! Aber richtig„, an der sich unter anderem attac, die taz, die BUND Jugend, Natur Jugend und Robin Wood beteiligt. Toralf Staud – ein Initiator – sagte dazu in einem Interview mit der Süddeutschen:

Vor allem aber vereinfacht sie [die BILD], sie spült weich. Und das sieht man an dieser BILD-Aktion „Fünf Minuten Licht aus“, die fürs Klima überhaupt nichts bringen wird, aber ein Imagegewinn für die BILD-Zeitung sein soll. Das ist zu wenig und wenn man sich wirklich fürs Klima einsetzen will, dann soll man bitteschön etwas mehr machen. Wir verlangen keine revolutionären Handlungen und stellen keine radikalen Forderungen. Es sollte einfach ein bisschen mehr sein, als fünf Minuten das Licht auszuschalten.

Und dieses „bisschen mehr“ hat die Initiative m.E. perfekt mit der anderen verknüpft. Anstatt sich die Live Berichterstattung auf Pro7 anzusehen, könne man die Zeit nutzen, um Energiesparleuchten einzusetzen. Und wenn nach 5 Minuten das Licht wieder angeht, soll man zu einem Ökostromanbieter wechseln. Zusätzlich wird noch zu den Demos am Samstag aufgerufen und Emails an Merkel und BILD Chefredakteur Dieckmann angeregt. Hier wird also dann auch konkret etwas vorgeschlagen, was man neben 5 Minuten Symbolik tun kann.

Fazit und Aufruf

Wohlwissend, dass die Bildzeitung bei nächster Gelegenheit wieder über die Ökosteuer herziehen wird und dass Pro7 offensichtlich ein Medienevent daraus machen wird (zum Glück moderiert nicht Stefan Raab, dann wäre das Thema komplett weg), werde auch ich mich – so ich wieder aus Neurath zurück bin – an der Aktion beteiligen. Schaden tut es sicher nicht und wenn am Ende nur einige der Teilnehmer sich in den 5 Minuten Gedanken über ihren Beitrag zum Klimaschutz machen, zum Ökostromanbieter wechseln (gerne auch bei unserer Stromwechselparty *räusper*), Energiesparlampen einsetzen oder das Auto auch mal stehen lassen, ist schon etwas gewonnen. Lupe hat noch vorgeschlagen, einen Tag aufs Googeln zu verzichten, da dies soviel Energie wie eine Stunde Licht durch eine Energiesparlampe kostet, aber da ich Samstag sowieso den ganzen Tag unterwegs sein werde, dürfte das für den Tag nicht viel bringen – vielleicht am Sonntag ;)

Für alle, die sich nun verwirrt Fragen, ob man das Licht ein- oder ausschalten soll, fand ich die Antwort aus einem TAZ Artikel sehr passend:

Ob Sie das Licht ausschalten oder nicht, ist nebensächlich. Schalten Sie nur bitte auf keinen Fall Ihr Hirn aus.

In diesem Sinne einen schönen Klimaaktionstag ;)

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