Sonntags einkaufen … muss nicht sein

Was die Ladenöffnungszeiten angeht bin ich eigentlich ziemlich liberal: Von Montags bis Samstags 24 Stunden können die Geschäfte gerne auf haben, sofern sie es sich leisten können. Die Realität zeigt aber ja schon, dass sich dies kaum aufrecht erhalten lässt: In Gelsenkirchen schließen die Geschäfte unter der Woche meist schon vor acht – mit Ausnahme des Freitags. Wenn dazu noch der ein oder andere (in NRW maximal 4) Sonntage kommen, habe ich auch kein Problem damit, da dies noch immer eher die Ausnahme als die Regel ist. In Berlin sind 10 Sonntage genehmigt, darunter die vier Adventsonntage – Grund genug für die Kirche um zu klagen.

Und ich finde sie hat allen Grund dazu. Okay, ob der Sonntag nun wirklich ein Tag „der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung“ ist, wie in Artikel 140 GG (in Verbindung mit Artikel 139 Weimarer Verfassung) angegeben, mag jeder für sich selber entscheiden. Ich hingegen finde es wichtig, dass es einen Tag in der Woche gibt, der der Familie, den Freunden oder allgemein dem sozialen Umfeld gewidmet ist und der nicht pauschal freigeben wird.

Natürlich hat der Tag in dem Sinne schon seine Schlupflöcher und wir können froh sein, dass Polizei, Feuerwehr und notfalls auch die Tankstelle um der Ecke besetzt sind, aber für den größten Teil der Bevölkerung bietet der Tag nun die Zeit mindestens einmal in der Woche nicht zur Arbeit zu müssen – und dies konzentriert an einen Tag. Familien würde es nämlich nicht wirklich viel bringen, wenn der eine am Dienstag, der andere am Mittwoch frei hat und vielleicht die Kinder eben nur am Wochenende.

Und wenn man dann die Geschäfte viermal im Jahr auch Sonntags öffnet, ist das auch noch okay, weil das für Familien dann ja einen Ausflug bieten kann, gemütliches bummeln hat ja auch etwas für sich. Aber sobald soetwas zur Regel wird, ist dies ein Normalzustand und nichts Besonderes mehr.

Der Streit der Kirchen um den Sonntag schützt damit nicht nur einen „heiligen Tag“, sondern es ist m.E. ein Kampf, den die Kirchen stellvertretend für die gesamte Gesellschaft führt – ich hoffe, dass es ihr gelingen wird in einer Zeit, die von Markt, Geld und Hektik bestimmt wird zumindest diesen Tag zu retten. Die Magie des Weihnachtsfestes jedenfalls haben wir bereits fast verloren

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