Frankreich im Streikwahn

Während sich im Tarifstreit zwischen GDL und der Bahn eine Lösung nicht mehr ganz ausgeschlossen scheint, bringt sich Transnet bereits in Stellung, um die eventuellen Ergebnisse auch einzufordern, und in Frankreich erreicht die Streikwelle gegen die Reformpläne von Sarkozy einen vorübergehenden Höhepunkt.

Dabei ist der Blick über die Landesgrenze interessant: Die Macht, die dort die verschiedenen Bevölkerungsgruppen aufbringen und gleichzeitig auch die Akzeptanz für das Streikrecht ist wahrlich faszinierend. Es bleibt aber ein Grundsatzproblem: Sarkozy ist in Kenntnis der Reformpläne gewählt worden und 60 bis 70 Prozent unterstützen diese Pläne.

Damit ergibt sich nun das Problem, welches auch den Ausschlag dafür gibt, dass politische Streiks in Deutschland verboten sind: Es kann nicht sein, dass eine Minderheit aufgrund ihrer (gesellschaftlichen) Stärke über die Mehrheit bestimmt.

Über die Inhalte kann man sicherlich vortrefflich streiken, aber darum geht es nicht an dieser Stelle – dazu kenne ich auch das Rentensystem Frankreichs zuwenig – sondern um das was dahinter steckt: In Frankreich hat eine Mehrheit diesen Präsidenten nunmal gewählt und nun stellen sich verschiedene Berufsgruppen (im übrigen zu verschiedenen Themen) auf die Straße und sagen: „Schön ihr habt ihn gewählt, aber wenn er diese Politik macht, dann arbeiten wir eben nicht mehr.“ Warum wählt man denn dann eigentlich noch und lässt nicht gleich Lokführer, Ärzte, Studenten und Lehrer sich jemanden aussuchen?

Ich bin mir – trotz des Sarkasmuses im letzten Absatz – noch immer über meine Ansichten nicht im Klaren, was die Bewertung von politischen Streiks angeht, denn dieser Widerstand fasziniert schon ein wenig und womöglich finde ich sogar einige Forderungen richtig. Aber dennoch bleiben Bedenken, wenn diese erpresst werden.

Aber vielleicht habt ihr noch andere Gedanken dazu? ;)

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