Friedensnobelpreis 2007: Al Gore

Nobelpreis.jpgIch finde es jedes Jahr spannend, wer mit dieser vielleicht wichtigsten Auszeichnung für seinen Einsatz für Frieden geehrt wird. Da Al Gore ein Favorit der Medien war – wie auch Helmut Kohl – wusste ich natürlich von seiner Nominatur und den hohen Chancen, die angenommen wurden, aber das Auswahlkomitee hatte in den letzten Jahren doch öfter mal jemanden ausgezeichnet, von dem man dies nicht erwartet hätte, somit war es fast eine Überraschung, dass die Ehrung für Al Gore keine Überraschung war. Nungut, vielleicht noch, dass das der Weltklimarat (IPCC) gleichzeitig den Preis erhalten hatte – sich diese den also teilen müssen. Über den Nobelpreis werde ich nochmal ausführlicher schreiben, an dieser Stelle deshalb nur der Hinweis, dass ich es gut finde, dass nun nach den Menschenrechten in den siebziger Jahren nun auch der Klimawandel und damit Umweltprobleme in den erweiterten Friedensbegriff einbezogen wurden.

Al Gore

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Al Gore wurde 1948 in Washington D.C. geboren. Sein Vater war Senator für den Bundesstaat Tennessee, so dass er 8 Monate im Jahr in einem Hotel-Appartement in Washington und die weiteren Monate in Carthage, wo er auf der Farm seiner Eltern arbeite (u.A. auch mit Rindern, wie nebenstehendes Bild zeigt :D ). Von 1965 und 1969 studierte er in Havard, später an der Vanderbilt University in Nashville Theologie und Jura, ohne hier jedoch abzuschließen.

1976 begann sein Schritt in der (Bundes-)Politik mit der Wahl in das US-Repräsentantenhaus, in dem er bis 1984 saß und von dort in den Senat wechselte um dort Tennessee zu vertreten. 1988 versuchte er sich als Präsidentschaftskandidat scheiterte aber bereits in der demokratischen Nominierungsphase in den Vorwahlen. 1993 kam er dennoch ins Weiße Haus als Vizepräsident unter Bill Clinton, der 1992 die Wahlen gewonnen hatte. Gore hatte aufgrund eines schweren Autounfalls seines Sohnes 1989 keine erneute Kandidatur erwogen.

Nach den zwei erlaubten Amtsperioden von Clinton bewarb er sich 2000 um die Präsidentschaft deren Ergebnis bekannt, aber auch umstritten ist: Am Ende stoppte jedenfalls das oberste Gericht der Vereinigten Staaten die erneute Auszählung der entscheidenden Stimmen in Florida – die George W. Bush zugeschrieben wurden, da es hierfür keine gesetzliche Grundlage gebe und bis zur gesetzlichen Frist kein Ergebnis zu erwarten wäre. Ob diese Auszählung stimmt ist nie abschließend geklärt worden und verschiedene (Teil-)Zählung brachten entsprechend verschiedene Ergebnisse. Losing_Popular_Vote.pngUnbestritten ist jedoch, dass Gore in der Gesamtbevölkerung mehr Stimmen hatte, als sein Konkurrent, das amerikanische Mehrheitswahlsystem über Wahlmänner jedoch Bush die Wahlen gewinnen lies. Zur Verdeutlichung der Materie empfehle ich einen klick auf nebenstehende Grafik. Ich will nicht zulange darauf herumreiten, aber in der FAZ hatte Gore auf die Frage, was er anders gemacht hätte ,vor genau einem Jahr folgendes gesagt:

Ich hätte mit Sicherheit andere Fehler gemacht! Im Ernst, ich hätte sehr viel ganz anders gemacht, das ist doch klar. Ich wäre nach dem 11. September in Afghanistan einmarschiert. schon um Bin Ladin zu jagen, aber ich wäre nicht in ein Land einmarschiert, das Amerika nicht angegriffen hat und das mit dem 11. September gar nichts zu tun hatte. Ich hätte die Krise genutzt, um Amerika auf ein Ende der Abhängigkeit von Ölimporten einzuschwören. Der Klimaschutz wäre das Grundthema meiner Präsidentschaft geworden. Ich bin überzeugt, daß es sich um die größte Herausforderung handelt, vor der die Menschheit je gestanden hat.

Damit sind wir (natürlich) schon fast im hier und heute angekommen, es sei nur noch darauf hingewiesen, dass er sich nach seinem Ende aus der Politik beispielsweise als Mitglied des Apple Aufsichtsrates betätigt oder Gastprofessuren übernommen hat. In der Serie Futurama hat er „seinem Vize-Präsidenten-Kopf“ – der Tochter sei Dank – die Stimme gegeben.

Nicht unkristisierter Umweltaktivist

Live_Earth_Logo.jpgAber natürlich beschäftigte sich Gore wie angekündigt auch stark mit der Umweltpolitik und dem Klimawandel. Bereits Anfang der neunziger Jahre veröffentlichte er erste Bücher und Aufsätze dazu. 2006 erschien der Film „Eine unbequeme Wahrheit„, mit dem er seine Dia-Reihen verfilmte und so versuchte insbesondere (aber nicht ausschließlich) die amerikanische Bevölkerung auf das Problem aufmerksam zu machen. Am 7. Juli fanden weltweit Live Earth Konzerte statt, die ebenfalls auf die drohende Klimakatastrophe hinweisen sollten.

Sein Engagement stieß aber auf Kritik: Sein Haus in Tennessee soll so 221.000 kWh Stunden verbrauchen – 20 mal mehr als ein amerikanischer Normalverbrauch. Auch wenn von dem angeblichen „Aufdecker“ nicht viel zu halten ist, hat sich Gore entsprechend dazu geäußert, dass seine Energie komplett aus regenerativen Energien stamme und er zusätzliche Leistungen unternehme, um ein CO²-neutrales Leben zu führen. Dem Tagesspiegel schilderte er dies – auch in Zusammenhang mit seinen Flugreisen – wie folgt:

Der Filmverleih hat sich verpflichtet, dass der Kohlendioxidausstoß dieser Reise vollständig neutralisiert wird. Das heißt, die Menge, die wir erzeugen, wird durch Investitionen in brennstoffsparende Technik anderswo ausgeglichen. Außerdem haben meine Familie und ich uns für einen „Carbon-Zero-Lifestyle“ entschieden …

… ein Leben ohne zusätzliche Treibhausgase außer dem eigenen Atem …

… und zwar zum einen, indem wir die Menge CO2, für die wir selbst verantwortlich sind, so weit wie möglich reduzieren. Und weil wir anerkennen, dass das nicht reicht, kaufen wir außerdem noch einen Ausgleich, der sogar über unseren Kohlenstoffverbrauch hinausgeht. Außerdem hat die Produktionsfirma des Films versichert, dass die Kohlendioxidbilanz des Films gleich null sein wird. Auch das Buch zum Film ist das erste Null-CO2-Buch, das je veröffentlicht wurde.

Die Frage, wieviel es koste einen Transatlantikflug zu kompensieren kann er zwar nicht beantworten, aber ich: Es sind 90 Euro bei Atmosfair und ein solcher Flug (Berlin-Washington und zurück) verbaucht 4.440 kg CO² – das ist mehr als ein klimaverträglicher Jahresverbrauch (3.000 kg), ein Jahr lang Autofahren (2.000 kg) und sehr viel mehr als ein normaler Kühlschrank in deutschen Häusern (100 kg). Aber nun gut ;)

Zukunft

al_gore_film.jpgWas die Zukunft von Al Gore bringt, kann man schwer etwas sagen, wenn man nicht grade bei Chanel TV arbeitet, außer vielleicht, dass Al Gore am 23.Oktober in Berlin bei der 2. Klima Konferenz der EnBW ist (ja, richtig, die mit mehr als 50% Kernenergie) und man ihm dort mit etwas Glück auch eine Frage stellen kann. Und weiter darüber hinaus wird man sich wohl überraschen lassen. Auch wenn die Süddeutsche bereits im Februar grübelte, ob die Verleihung des Friedensnobelpreises nicht eine „potentielle Bühne“ für die Kandidatur für die US-Präsidentschaft sei, kann man dies aufgrund der immer näher kommenden Vorwahlen, aber auch seinem Statement in der FAZ (vom 13.10.2006) eigentlich ausschließen:

Ich habe nicht vor, für das Präsidentenamt zu kandidieren, und kann mir auch keine Umstände vorstellen, die daran etwas ändern würden. Nach einem Vierteljahrhundert in der Parteipolitik entwickle ich mich von ihr weg. Die amerikanische Politik ist giftiger und gehässiger geworden, das wird mir jetzt, wo ich sie eher von außen betrachte, so richtig bewußt. Ich kann meine Fähigkeiten am besten einsetzen. indem ich die Menschen aufrüttle und zu einem Problembewußtsein beitrage, an dem der nächste Präsident nicht mehr vorbeikommt.

Außerdem – ohne dies böse zu meinen – wäre er dann in noch stärkerem Druck, sich gegen Lobbyverbände und eine entsprechend geprägte Politik in den USA durchzusetzen, welches definitiv kein leichtes Unterfangen ist und selbst er verweist Rückblickend auf die Zeit der Vizepräsidentschaft auf die Tatsache nicht „Nummer eins“ gewesen zu sein, aber eben auch auf die realen Machtverhältnisse und da verbrennt man sich auch als Friedensnobelpreisträger sicher schnell die Finger. Ich finde es da schon besser, wenn er weiter außerhalb des politischen institutionellen Prozess ein Bewusstsein für das Thema schafft und somit dafür sorgt, dass der nächste Präsident wirklich nicht an diesem Thema vorbeikommt!

In den nächsten Tagen kommt mehr zum zweiten Preisträger des Friedensnobelpreis 2007, dem Film von Al Gore und in naher Zukunft sicher mehr zu Klimaschutz und dem Friedensnobelpreis allgemein. Wenn du informiert werden möchtest, abonniere doch einfach meinen RSS-Feed [?] oder lasse dir neue Meldungen per Email zuschicken.
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