Die Frau vom Checkpoint Charlie

Sonntags abends ist Tatort Zeit – normalerweise. Gestern abend lief anstatt des Krimis der erste Teil der „Frau vom Checkpoint Charlie„. Veronica Ferres verkörpert in diesem Fall die Erlebnisse von Jutta Fleck, der 1982 nach einem gescheiterten Fluchtversuch ihre beiden Kinder entzogen wurden. Sie wurde später von der Bundesrepublik freigekauft und sah ihre Kinder erst 1988 wieder. Der Film war sicher in einigen Dingen absehbar, wie beispielsweise des Verrats durch den Fast-Ehemann (Jutta Fleck hat sich zu den wirklichen Spitzeln nicht geäüßert), aber dennoch hat er mich nochmals zur Geschichte der DDR aufhorchen lassen.

Gewiss, Filme sind immer etwas anders als die Realität, aber wir brauchen ja nicht so tun, als ob es das nicht gegeben hätte – es war sogar schlimmer. Ferres berichtete Gestern bei Anne Will auch über Fälle von Frauen, bei denen die Kinder mit 1 oder 3 Jahren bereits entzogen wurden und die noch immer versuchen diese wiederzufinden. Und von daher finde ich es gut, wenn die Geschehnisse der DDR aufgearbeitet werden.

Bisher sah die Mediale Aufbereitung der Unterdrückung in der DDR eher nach einer mehr oder weniger lustigen Komödie wie Sonnenallee oder Goodbye Lenin aus, mit dem Leben der Anderen und jetzt auch der Frau vom Checkpoint Charlie kommt auch die andere Seite zu tragen. Und ich finde, dass kommt er allgemein zuwenig.

Es geht mir nicht darum, irgendetwas schlecht zu machen, sondern das schlechte beim Namen zu nennen. Die DDR war ein Unrechtsstaat, der darauf basierte, dass die Bürger funktionieren. Wer sich anpasste hatte sicherlich ein gutes Leben dort, keine Frage, aber wer einen eigenen Kopf, eine eigene Meinung hatte, brauchte sich um beruflichen Fortschritt oder in schlimmeren Fällen um die Unterkunft keine Sorgen zu machen, das regelte der Staat: Entweder indem es keinen gab oder man beispielsweise in Berlin- Hohenschönhausen ein Zimmer gestellt bekam, Folter inklusive.

Und was lernt man in der Schule dazu? Vernichtend wenig. Ich habe trotz Abitur und Leistungskurs in Geschichte von der DDR nicht viel erfahren, außer das hochpolitische wie die Gründungsgeschichte beider deutscher Staaten und schließlich die Widervereinigung – das Leben in der DDR Diktatur spielte keine Rolle. Ob sich das geändert hat, weiss ich nicht, aber solange man Zeit findet die Verfolgung von Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem Lernziel zu machen, befürchte ich, wird die innerdeutsche Diktaturaufklärung auf der Strecke bleiben.

Ich finde dies traurig und bin darum auch eindeutig dagegen jetzt irgendwelche Akten zu schließen, denn auch aus der Geschichte der DDR kann man sicher viel darüber lernen, wie totalitäre Systeme funktionieren und wie man diese verhindern kann – für eine Demokratische Gesellschaft sollte dies ein Gundauftrag sein.

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