Der Tod wird euch finden

der_tod_wird_euch_findenGestern habe ich wieder ein ganzes Buch geschafft – mag seltsam klingen, aber angesichts des riiieesigen Stapels ungelesenener Bücher ist das schon ein kleiner Schritt vorwärts: Okay, er wäre es, wenn man sich nicht zwischendurch neue kaufen würde und so war auch dieses ein Kauf im Bewusstsein, dass viele weitere eigentlich vor ihm dran sind. Aber das Thema interessiert eben und so habe ich die letzte Zeit meine Sachbuch-Aufmerksamkeit dem Buch „Der Tod wird euch finden“ von Lawrence Wright gewidtmet. Für dieses Buch hatte der amerikanische Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor in diesem Jahr auch den renomierten Pulizer Preis gewonnen. Und das völlig zu Recht.

In dem Buch geht es darum, die Vorgeschichte des 11. September zu erzählen, aber insbesondere einen Schwerpunkt dabei auf die Entstehungsgeschichte von al Qaida zu setzen. Demnach beginnt das Buch auch schon Ende der 40er Jahre, als sich ein ägyptischer Autor und Lehrer auf dem Weg in die Vereinigten Staaten befand, um dort nochmal die Schulbank zu drücken. Sajid Qutb, der später mit seinen „Wegzeichen“ ein Buch schuf, welches als Grundlage für den Islamismus anzusehen ist und damit eine Bedeutung habe wie Rousseaus Gesellschaftsvertrag, war damals noch nicht religiös oder gar von einem Hass auf die USA oder den Westen erfüllt, sondern baute diesen erst dort aufgrund der Lebensweise in den USA auf. Deshalb müsse der Islam die Führungsrolle übernehmen und entsprechend wurde die Welt aufgeteilt.

Die durchgängig gute Analyse und zugleich geschichtliche Erzählung anhand von den Lebensgeschichten von Aiman Al-Sawahiri, Osama Bin Laden, aber auch dem amerikanischen Terroristenfanders John O’Neill wird dabei nicht in einer vorbestimmten Stimmung rübergebracht, sondern durchaus objektiv. Es ist steht also nicht der „gute Amerikaner“ gegen den „bösen Terroristen“, sondern es wird versucht die ideologischen Hintergründe des islamischen Terrorismuses zu beleuchten, aber Bin Laden beispielsweise auch als Familienvater dargestellt. Ebenso werden die Versäumnisse und Fehler der amerikanischen Geheimdienste – die den 11. September hätten verhindern können – schonungslos rübergebracht und auch die Schwächen von O’Neill dargestellt, der ironischerweise einer derjenigen war – wenn nicht sogar der jenige, der das ganze Terrornetzwerk sehr gut kannte und die Gefahr früh erkannt hatte – aber beim Anschlags auf den WTC hier grade seinen neuen Job angetreten hatte und im eingestürzten Südturm den Tod fand.

In diesem unterhaltsamen und doch wissenschaftlichen Stil werden auch eine Mysterien um Bin Laden angesprochen, wie beispielsweise seine großartige Vergangenheit als Kämpfer in Afghanistan, die sich bei näherem Hinsehen doch eher als schwach bis unbedeutend herauskristalisiert bis hin zu dem Streben von Bin Laden Amerika zwanghaft nach Afghanistan zu locken, dem „Friedhof der Imperien“, was ihm mit den Anschlägen auf die amerikanischen Botschaften in Ostafrika und die USS Cole nicht gelungen war – weshalb es die Anschläge vom 11.September in seinen Augen geben musste.

Und auch wenn man damit sicherlich Bände füllen könnte, anstatt es in einen Absatz zu fassen aber das Buch zeigte für mich nach der Darstellung der Reden und Statements von Bin Laden oder Sawahiri, dass eben doch ein „Kampf der Kulturen“ für diese Personen dahinter steckt, der von diesen gewünscht und gefördert wird. Somit handelt es sich nicht alleine um einen Kampf gegen amerikanische Truppen im heiligen Land, sondern vor allem um einen allgemeinen Machtkampf bei dem es darum geht, den Islam als alleinige Religion zu verbreiten. Wright bezeichnet dies als „theologischen Kampf, bei dem es um die Erlösung der Menschheit [geht]“. Insgesamt bietet das Buch diese Möglichkeit zur Reflektion der Gedankenwelt von Bin Laden und anderen al Qaida Terroristen allgemein und eben ohne Scheuklappen. Es werden dabei durchaus Reisen in die Geschichte des Islam gemacht, um manche Zusammenhänge und Deutungsmuster von Islamisten beispielsweise für Selbstmordattentäter zumindest nachvollziehen zu können, ohne das dies aber neutral und ohne Wertung – also Einbettung in den Gesamtkontext – einfach so stehen gelassen bliebe.

Um doch mal zu einem Fazit zukommen kann ich das Buch uneingeschrängt allen Personen empfehlen, die sich mit dem Hintergrund des 11. September oder der Entstehungsgeschichte des islamistischen internationalen Terrorismus und al Qaida eingehender beschäftigen möchten. Es liest sich sehr gut als geschichtliche „Erzählung“, bietet aber darüberhinaus viele nützliche Nebeninformationen zu Strömungen im Islamismus und verlässt damit nicht den wissenschaftlichen Rahmen, was fast 40 Seiten Endzeilen sicher auch belegen. Also hier sofort bei Amazon bestellen ;)

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