“Es sind auch Autobahnen gebaut worden und wir fahren drauf…”

Dies war eine der Aussagen von Eva Herman gestern bei Kerner. Damit wollte sie dann rechtfertigen, dass sie von “gleichgeschalteter Presse” gesprochen hatte nach ihrem Rauswurf beim NDR. Mal abgesehen davon, dass Hitler keineswegs die Autobahn erfunden hat, ist “gleichgeschaltet” ganz eindeutig ein Begriff, der so stark nationalsozialistisch geprägt ist, dass man ihn nicht einfach so nutzen sollte – ebenso wenig wie “Endlösung” oder auch das Hakenkreuz, welches ursprünglich ja auch eine andere Bedeutung hatte. Aber ich will mich garnicht inhaltlich dazu äußern, das haben andere schon getan und ist eigentlich völlig offensichtlich. Es geht dabei auch nicht um ihre frauenpolitische Meinung, sondern um diese unsäglichen Aussagen zum Nationalsozialismus – und das sie sich zum Opfer machte, weil “man über den Verlauf unserer Geschichte nicht reden dürfte, ohne sich in Gefahr zu begeben” – so ähnlich dürften Leugner des Holocaustes auch reden (ohne sie jetzt damit gleichzusetzen). Vielleicht wäre es besser gewesen, sie hätte – wie Mario Barth es ausdrückte – einfach mal gesagt “Die Äußerung ist wirklich kacke gewesen.”

Wer sich – wie meine Mutter – womöglich darüber ärgert, die Sendung zu früh beendet zu haben, kann sich nun schon digitale Fassungen (s.u.) betrachten. Anders als Dennis mag ich Kerner deswegen jetzt noch nicht lieber als vorher, da mir sein Diskussionsstil auch nach diesem gelungenen Mediencoup nicht gefällt – okay, Beckmann ist aber schlimmer 😉

Die Videos sind leider etwas unsynchron, was Bild und Ton angeht, aber bei einer Talkshow reicht Ton eigentlich fast aus 😀

[youtube v5a02uRbaqQ]

[youtube 43NRPdov91I]

4 Kommentare

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  • Das mit den Autobahnen gehört ja zu den unausrottbaren Mythen, statt dessen sollten die Leute lieber sagen wir nutzen ja auch noch das Ehegattensplitting und am 1. Mai geht auch keiner arbeiten.

    Aber danke für die beiden Ausschnitte, waren sehr aufschlußreich. Auch wenn ich sagen muss das ich da fünf ziemlich armselige Nummern sitzen sah, nicht nur eine Eva Hermann der es gut angestanden hätte mal etwas geradezurücken, sich zu entschuldigen oder zu sagen, sie hätte sich schlicht verhaspelt. Aber bei der gespielten moralischen Betroffenheit einer Magarethe Schreinemakers ist mir schon ein bisschen schlecht geworden.

    Man muss Eva Hermann nicht mögen und viele ihrer Familientheorien sind nicht nur veraltet oder zumindest falsch, aber wenn man ihr nur noch mit der Nazikeule Herr werden kann, spricht dass sehr gegen eine Diskussionskultur – aber die sollte man in einer solchen Show wohl auch nicht erwarten.

  • So ähnlich habe ich das auch gedacht. Teilweise habe ich das schon fast für insziniert gehalten – und für Kerner sicher ein großes Medienereignis, wie damals als Verona Feldbusch dort geweint hatte. Naja, aber ich mag Kerner sowieso nicht sonderlich.

    Dementsprechend fand ich den konkreten Anlass bei dem Senta Berger dann gehen musste doch etwas merkwürdig, denn dort ging es ja eigentlich im Kern um ihre – zugegeben seltsamen – Ansichten in der Familienpolitik und nicht um “deutsche Geschichte”.

    Dennoch finde ich, dass man ihre Äußerungen nicht einfach so stehen lassen kann – die Aussage zu Beginn des ganzen und nun noch die Opferrolle, die sich nicht frei über die deutsche Geschichte äußern dürfte geht mir doch ein wenig zu weit.

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