Nun hat die CDU wieder eine tolle Idee, um das “C” (Christlich) zu rechtfertigen: So sollen in öffentlichen Gebäuden (v.A. Schulen) wieder Kruzifixe hängen, um das “Bekenntnis zum Christentum im öffentlichen Raum erhalten”. Verknüpft wird dies mit der integrationspolitischen Forderung nach Anerkennung der “herrschenden Leitkultur”. Hierzu werde ich später noch etwas schreiben, weil ich durchaus anerkenne, dass es eine starke christliche Prägung unserer Gesellschaft gibt und man Integrationspolitik sicher nicht in einem Satz erklären kann. Naja, jedenfalls ist der Vorschlag der CDU wiedermal ein Schuss ins Leere.
Die Partei, die sich vor Wochen noch wehement gegen das Kopftuch an Schulen einsetzte, fordert nun das Betonen des Christentums an jeder Schule. Die Botschaft: Islam pfui, Christentum hui. Natürlich ist das alles viel komplizierter und das Kopftuchverbot sei ja nur dazu da, da es ein frauenfeindliches Symbol sei. Naja, auf die Frage, wie starke, selbstständige Frauen, die Lehrerin werden wollen, unterdrückt werden, will ich jetzt nicht weiter eingehen, sondern nur deutlich machen, dass das Bundesverfassungsgericht aus gutem Grund das Kruzifix in Schulen verboten hatte.
Im Kruzifix-Beschluss von 1995 wurde festgehalten, dass
“dass der Bürger in einem staatlich geschaffenen Pflichtraum (Schulpflicht) dem Einfluss eines bestimmten Glaubens ausgesetzt wird, ohne sich diesem entziehen zu können.”
Und da das Kruzifix eben ein Symbol des Christentums ist, lässt es sich mit dem Grundgesetz nicht vereinbaren, soetwas zwangsweise aufzuhängen.
Also ich halte nicht viel von dieser negativen Religionsfreiheit, sondern könnte mir gut vorstellen dass dort auch andere Symbole aufgehängt werden, so dazu Wünsche in der Klasse aufkommen. Und dies muss auch Grundlage sein: Einfach mal überall ein Kruzifix aufhängen sagt über den Staat zwei Dinge aus:
- Er sieht sich als Verbreiter (hübscher formuliert “Bewahrer”) des christlichen Glaubens.
- Er schließt andere Religionen und damit indirekt deren Anhänger aus.
Aus diesen Gründen ist – selbst in einer christlich-geprägten Gesellschaft – ein Eingreifen des Staates zu verhindern.
0 Antworten bis jetzt ↓
1 Dennis’ Blog » Blog Archiv » Ja, Kruzifix noch einmal…! // Sep 10, 2007 at 16:38
[...] zwar in jedem Klassenzimmer. PatJe berichtet darüber gerade wieder überaus patjig auf patje.de. Ich habe mir vorgenommen diese Endlosdebatte [...]
2 Thomas // Sep 10, 2007 at 20:05
Ich halte das im Wesentlichen für reine Symbolpolitik, weil ohnehin nicht umzusetzen. Das was diesem Vorschlag am nächsten kommen könnte, wäre eine Zwischenlösung wie sie in Bayern herrscht, wo das Kruzfix solange im Klassenzimmer hängen bleibt, bis sich jemand darüber beschwert. Auf der anderen Seite zeigt gerade diese Lösung, das sich eigentlich relativ Wenige auch wirklich durch die Anwesenheit christlicher Symbole gestört fühlen.Zumindest sind mir als Franke, also Zwangs-Bayer, nur wenige Fälle bekannt, in denen tatsächlich Kreuze abgehängt wurden. Wenn überhaupt stören sich meist nur atheistische Eltern daran, keine Angehörigen anderer Religionen – bei letzteren herrscht wohl mehr Respekt vor Symbolen der anderen, als bei so manchem CDU-Politiker.
3 Jörg Friedrich // Sep 12, 2007 at 14:13
Das Kopftuch ist nicht in dem selben Sinne ein religiöses Symbol wie der Kruzifix. Das Kopftuch wird von einer bestimmten Person getragen, der Kruzifix hängt stumm aber anonym über allen. Das Kopftuch verhüllt, der Kruzifix zeigt etwas konkretes
4 Michael, der Kärntner // Okt 26, 2008 at 02:37
Irrer geht es nicht. Jedes Glaubenssymbol, dass man als Mensch trägt, und das einem im Alltag an allen Ecken und Enden begegnet, hat nicht zum Missbrauchs – Objekt jeglicher Politik zu werden. Klagt jene an, die damit schon Missbrauch betrieben haben, und fordert beinhart persönlichen REGRESS!!!
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