Zeitungstest Tag 1: Bahnstreik

So, nun Teil 1 der Zeitungsanalyse dieser Woche. Die Welt und Neues Deutschland sind nicht gekommen, mal gucken, ob das in den kommenden Tagen so bleibt. Junge Welt und Tagesspiegel kommen jedoch erst am Nachmittag mit der normalen Post, darum gibt es den Tagesvergleich erst gegen Abend. (Klicks auf die Bilder offenbare die Titelseiten)

1. Titelseiten

Titelseiten vom 06. August 2007 Tagesthema heute war wohl das Ende der Urabstimmung bei der GDL. Sowohl bei Frankfurter Rundschau („Angst vor dem Streik“), der Jungen Welt („Mehdorn sieht rot“) und dem Tagesspiegel („Bahn vor größten Streiks der Geschichte“) springt das Thema sofort ins Auge. Die Süddeutsche hat es ebenso auf dem Titel prominent dargestellt („Mehdorn droht Lokführern harte Strafen an“), aber zentraler ist die Lösegeld-Debatte , sowie die Maul- und Klauenseuche in England. Dies ist auch bei der Frankfurter Allgemeinen ein zentrales Thema neben der Kanzlerkandidatensuche in der SPD. Dem drohenden Streik bei der Bahn wird nur ein kurzer Artikel gewidmet. Die Junge Welt hat als weiteren Artikel auch noch einen Luftangriff in Afghanistan auf der Titelseite, der bereits am letzten Donnerstag stattfand und bei dem es in dem Artikel im Prinzip nur um die Zahl der zivilen Todesopfer geht. Also aktuell ist das nicht wirklich und auch die Behauptung „Bundeswehr mit Tornados indirekt beteiligt“ ist im Artikel auch nicht belegt, außer mit der Pauschalen Aussage, dass eben Tornados in Afghanistan sind. Hinweise darauf, ob die Aufklärungsflüge in irgendeiner Verbindung zu dem geschilderten Angriff stehen, sucht der kritische Zeitungsleser vergeblich.

2. Berichterstattung

Für die verschiedene Darstellung der Themen wurde heute entsprechend der Gewichtung der Streik bei der Bahn gewählt. Im folgenden geht es dabei um Gewichtung der Artikel und Informationen, die man anderen Zeitungen nicht entnehmen kann – oder was fehlte. Eigentlich alle Artikel stellten den Gegensatz der beiden Parteien in den Artikeln dar, wobei die Junge Welt darüber hinaus auch die Forderungen der GDL auflistet (ohne, dass ich dies geprüft hätte). Ansonsten ist der Artikel der Zeitung aber eher ein Kommentar, denn eine Position in diesem Streit als zynisch zu bezeichnen oder mit der Aussage

Wenn all das kein Grund für einen Arbeitskampf des Fahrpersonals sein soll, dürfte es schwer werden, überhaupt noch Gründe für Streiks zu finden.

zu enden, ist mit einem objektiven Artikel schwer zu vereinbaren.

Titelseiten vom 06. August 2007Dass die Frankfurter Allgemeine keine große Darstellung vorsieht, erkennt man ja bereits an der nur kurzen Information auf der Titelseite. Interessant ist allerdings vielmehr der Artikel auf Seite 13 im Wirtschaftsteil zu dem Thema, der in Form von Fragestellungen aufgebaut ist und beispielsweise klarstellt, dass ein Arbeitgeber durchaus von – streikbedingten – Zuspätkommern ein Nacharbeiten der verlorenen Arbeitszeit fordern oder eine Lohnkürzung vornehmen kann.

Frankfurter Rundschau und Süddeutsche berichten relativ ähnlich über die aktuelle Situation, wobei beide auch Äußerungen von Wirtschaftsminister Glos (Streik schade der Wirtschaft und dem Ansehen Deutschlands), dem Bundesverband der Deutschen Industrie und dem Fahrgastverband Pro Bahn zitierte, der sich besorgt zeigte. Mit schlechtem ökologischen Gewissen rate der Verband Reisenden, die noch keine Karte haben, auf das Auto umzusteigen. Die Frankfurter Rundschau zitierte einen Appell

„auch an die drei Bahn-Gewerkschaften, sich zusammenzusetzen und die Struktur der Gehälter zu verhandeln“.

Titelseiten vom 06. August 2007 Der Berliner Tagesspiegel hatte noch einige Detailinformationen anzubieten, zum einen, dass die Bahn womöglich noch aufgrund der Streiks vom 10. Juli (die in NRW Verboten waren) Schadensersatzforderungen stellen wird, aber angeboten hatte, darauf bei einer Einigung zu verzichten. Auch auf die Taktik wurde im Innenteil kurz eingegangen: So ist davon auszugehen, dass hier Schrittweise vorgegangen wird. Anders als bei Warnstreiks, die die volle Macht demonstrieren sollen, wird hier eine „Nagelstichtaktik“ verfolgt. Zu guter Letzt wurde auch das Kräfteverhältnis nochmal deutlich: Von den ca. 230.000 Bahnangestellten sind weniger als 20.000 bei der GDL, aber da diese mit den Lokomotivführern und Bahnbegleiter ein Enormes Druckpotential haben, ergibt sich die Macht der Organisation.

Kommentare und weiteres

Eine Darstellung und Kommentierung der Kommentare folgt in wenigen Minuten in einem neuen Beitrag, aber ich muss erstmal was essen ;)

Update: Hier ist er ;) 

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