Der Milchpreisschock

Seit Tagen zieht sich der Streit über die Ankündigung (oder teilweise ja dem Vollzug) von Preiserhöhungen bei Milch oder Butter durch die Medien und führte zu einem Aufschrei der Politik. Dabei war dies m.E. mehr als absehbar. Wer hat denn ernsthaft angenommen, dass die Dumpingpreis, die die Discountern den Milchlieferanten und am Ende damit den Bauern aufs Auge drücken sich lange halten können? Der Verbraucher hat nur den Fehler gemacht sich daran zu gewöhnen und – wie Wolfgang Roth es sehr schön am Ende seines Kommentars in der Süddeutschen beschreibt – „preiswert“ mit „billig“ verwechselt.

Aber der Preis muss dem Wert des Gutes entsprechen und das tat es zuletzt eben nicht. Bereits bei der Lidl Kampagne hat attac dieses Verhalten des Discounters gegenüber der Milchwirtschaft kritisiert:

Leidtragende sind die Milchbauern am Anfang der Handelskette, die mit Mühe und Not ums wirt-schaftliche Überleben kämpfen: Derzeit bekommen sie für ihre Milch nur 26 Cent pro Kilogramm. Dieser Preis liegt jedoch weit unter den Vollkosten (35 bis 40 Cent/kg). (Vgl. PDF Kampagnenreader Teil 3: Milchdumping)

Die Kosten dürften inzwischen weiter gestiegen sein und zwischen 40 und 45 Cent liegen. Dies zeigt, dass die Forderungen der Bauern diesesmal keineswegs so ungeheuerlich sind, wie angenommen, sondern ein Versuch sind die eigenen Ausgaben zu decken. Und um was es sich hier handelt ist im Prinzip nichts weiter als die Einforderung eines Mindestlohns durch die Bauern, denn in Zeiten wo auch bei Lebensmitteln „Geiz geil“ ist, kann man sich ja nicht drauf verlassen, dass der Konsument lieber etwas mehr dafür ausgibt, um einen Bauern zu unterstützen.

Zugegeben, es gibt viele Menschen, die jeden Euro, jeden Cent umdrehen müssen und ich finde dafür muss die Gesellschaft Lösungen finden, wie eben in Form eines Grundeinkommens oder vorübergehend in einer Erhöhung von Hartz 4, aber wir sollten jetzt auch mal realistisch bleiben und uns die nackten Zahlen betrachten, denn es geht ja nicht um Unsummen:

Ganz statistisch gesehen machen Milchprodukte nur 1,5 Prozent der durchschnittlichen Jahresausgaben aus, allgemein wird nur 12 Prozent für Nahrung allgemein ausgegeben. Aber mal praktischer, auch wenn ich zugegebenermaßen den Konsum von Milch und Butter einer Durchschnittsfamilie nicht fassen kann, wage ich einfach mal eine Rechnung:

10 Liter Milch pro Woche +0,70 Cent
2 Stücke Butter +1,00 Euro
Macht schonmal 1,70 Euro

Jetzt legen wir gerne nochmal einige Cent drauf und kommen auf 2 Euro oder auch 2,50 Euro pro Woche.

Dies macht pro Jahr 104 bis 130 Euro, monatlich damit 8,67 bis 10,83 Euro.

Also ich glaube das dürfte sich finanzieren lassen, oder? (Und wir reden hier von 10 Litern Milch bzw. 2 Stücken Butter!) Vielleicht mal ein Bierchen weniger und schon ist das Geld wieder drin.

Aber vielleicht kann dies ja auch zum Umdenken anregen: Die Spanne zwischen Biogütern und „normalen“ wird sich verringern, auch wenn Biomilch ebenfalls aufgrund gestiegener Kosten und Nachfrage etwas teurer werden wird. Hier bekommen die Bauern jedoch ein wenig mehr, auch nicht wirklich viel, aber sie sind zumindest näher an der Deckungsgrenze. Und man weiss hierbei dass die Qualität zusätzlich stimmt und wenn man zusätzlich darauf achtet stärkt man auch den regionalen Handel. Dies ist grade auch wichtig um zu verhindern, dass die Preiserhöhung in den Händen dazwischen versiegt und unten kaum noch etwas ankommt. Ich meine als Einzelhändler würde ich auch öffentlich protestieren und selber doch noch einige Cent drauf packen, dass macht die Molkerei dann auch nicht anders.

Bärbel Höhn fordert deshalb auch, dass grade solchen Unternehmen mehr EU-Subventionen zugeteilt werden sollen, denn

es sei ein „Irrsinn“, hoch subventionierte Produkte in alle Welt zu exportieren. Dabei würden Steuern verschwendet und der Verbraucher zahle doppelt. „Er muss für die Agrarsubventionen der EU aufkommen und nun tiefer in die Tasche greifen, weil wegen der steigenden Nachfrage immer mehr Produkte auf dem Weltmarkt angeboten werden“, sagte Höhn. (SpON)

Einer solchen Umschichtung der Subventionen könnte ich zustimmen, auch wenn ich sie sonst kategorisch ablehne, da sie wirklich die europäischen Produkte künstlich unter den Weltpreis drücken und damit die Wirtschaft in anderen Ländern zerstören. Warum sollte jemand auf dem afrikanischen Markt afrikanisches Getreide kaufen, wenn europäisches günstiger ist? Und das lässt sich sicher auch auf Milch übertragen, aber ich schweife schon fast in ein riesiges neues Thema ab und höre darum lieber auf ;)

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