Archiv29. August 2007

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Social Advertising?
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Robert Zion in der WAZ
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“Ein Zuschauer sagte, weder in Mügeln noch in Sachsen gebe es Fremdenfeindlichkeit.”

Social Advertising?

Es gibt Social Bookmarking, Social News, Social Networks und viel mehr in der “Mitmachwelt” des Web 2.0. Aber “Mitmach-Werbung”? Nun zumindest könnte man dem neuen Werbespot von Google Mail den Namen geben, denn an diesem waren rund 1.100 Menschen aus 65 Nationen beteiligt – zumindest teilweise. Alle waren aufgerufen, einen kleinen Spot zu drehen, bei dem sie eine “Email” weitergaben – insgesamt ein schöner Spot, aber sieh selbst:

[youtube qKAInP_tmHk]

“Ein Zuschauer sagte, weder in Mügeln noch in Sachsen gebe es Fremdenfeindlichkeit.”

In der aktuellen Süddeutschen kann man ein Interview mit der Band Virginia Jetzt! lesen, welche vor wenigen Tagen an einem Konzert, einer großen Podiumsveranstaltung gegen Rechts in Müngeln teilnehmen sollten – aber ihr Konzert bereits nach zwei Liedern abbrachen:

Wir sind schon skeptisch hingefahren, weil wir Sorge hatten, dass die Diskussion eine Werbeveranstaltung für den Ort werden könnte. Unsere Befürchtung wurde bestätigt. Es ging nicht um den Vorfall, der sogar als harmlose Schlägerei abgetan wurde. Für uns war das Thema aber Fremdenhass in Deutschland, und was man dagegen tun kann. Wir waren so empört, dass wir das Konzert nach zwei Liedern abgebrochen haben. Vorher haben wir an die Leute appelliert, sich der Fremdenfeindlichkeit im Ort zu stellen, statt sie zu leugnen.

Für die Aktion bekam die Gruppe ein wenig Beifall, aber auch einige Buh-Rufe – dem Großteil war dies aber anscheinend egal. In Emails der folgenden Tage wurde aber durchaus eine Zustimmung deutlich, etwas auszuprechen, was man sich selbst nicht wagte. Noch schlimmer: Ein Vertreter einer Organisation wurde – auf einem Fest gegen Rechts! – ausgebuht, diejenigen, die einen offenen Brief geschrieben und die Probleme beim Namen nennen, wurden als Nestbeschmutzer beschimpft.

Der O-Ton der Diskussion war: Wir Mügelner sind doch nicht schuld. Das hat uns enttäuscht, denn wer wegschaut, trägt Mitschuld. Ein Zuschauer sagte, weder in Mügeln noch in Sachsen gebe es Fremdenfeindlichkeit. Die Besucher haben applaudiert.

Eigentlich ein schönes Schlusswort, aber nochmal der Hinweis: Natürlich sind auch nicht alle Bewohner von Müngeln Neonazis – und das hat auch nie jemand behauptet – aber es ist ja nicht aus dem Nichts eine Kampagne hochgezogen worden. Es wurden in Müngeln acht Menschen verprügelt und verfolgt nicht wegen igendwelchen Streitigkeiten im Bierzelt, sondern weil sie nicht deutsch, weil sie indisch waren! Das sind Fakten, die eigentlich eine deutliche Abwehrreaktion, einen Schock ausüben sollten, stattdessen Schweigen und Beschwichtigungen. Liebe Mügeler – so ihr das lest – stellt euch nicht auf die Seite derjenigen, denen ihr das Schlammassel zu verdanken habt, sondern schließt sie aus der Gesellschaft aus! Zeigt, dass es euch leid tut, was mit den Indern passiert ist – ohne daraus eine eigene Schuld anzuerkennen.

Ich habe auch keine Schuld am Holocaust und trotzdem erkenne ich die Verantwortung und die Folgen die sich daraus für einen Deutschen – eigentlich jeden Menschen – ergeben. Ich muss mich nicht verteidigen für diese Tat, aber ich werde jederzeit dafür eintreten, dass sich soetwas nicht wiederholt und deshalb distanziere ich mich auch von allen Menschen, die meinen das dies eine gute Sache war oder Ausländer hassen, weil es Ausländer sind.

Und wenn ihr nicht wollt, dass man euch immer wieder diesen Spiegel eigener Ignoranz vorhält, dann seit ihr in der Verantwortung nicht zu ignorieren, dass es zumindest unterschwelligen Fremdenhass in der Stadt gibt und diesen aktiv zu bekämpfen. Augen zu und durch hat in der Nacht der Hetzjagd schon nicht funktioniert…