Die freiwillige Pflicht

Eine tolle Idee hat die SPD nun um den innerparteilichen Streit um die Wehrpflicht zu beenden. Um Gegner und Befürworter des Pflichtdienstes zu vereinen wird die “freiwillige Wehrpflicht” eingeführt, also werden nur diejenigen eingezogen, die dies auch wollen. Um den Anreiz zu steigern, sollen dann für diese – und auch freiwillige soziale Arbeit – Anerkennungen bei der Ausbildung und auch finanzielle Anreize geschaffen werden. Grundsätzlich zumindest ein Schritt in die richtige Richtung. Wer sich freiwillig zum Bund oder sozialer Arbeit meldet soll auch was dafür haben, zum beispiel in verstärkter Anrechnung bei Wartesemestern, aber das krampfhafte Festhalten an einer Pflicht macht es eben auch nur zu einem Formelkompromiss. Jeder Mann muss so noch zur Musterung und was passiert, wenn es nicht die nötige Anzahl von Freiwilligen gibt? Wird dann nach dem Zufallsprinzip einfach mal ausgewählt? Wehrgerechtigkeit würde es dann wohl kaum noch geben. Also: Nägel mit Köpfen machen, den Zwangsdienst abschaffen und allen Berufssoldaten bzw. freiwillig im Bund oder sozialen Bereich Dienst leistenden Menschen vernünftige Bedingungen und Anreize bieten!

4 Kommentare

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  • Na ja, ich möchte bezweifeln das heute so etwas wie “Wehrgerechtigkeit” besteht, das war glaube ich schon zu meiner Zeit nicht mehr wirklich der Fall.

    Ich glaube das grundlegende Problem der Politiker ist eine unausgesprochene Wahrheit, eine Berufsarmee zieht nicht gerade die Intelligenzbestien des Landes an, während man durch die Wehrpflicht zumindest noch die Chance auf eine ausgewogene Mischung hat. Wer mal Wehrpflichtiger oder Soldat war, wird wissen das der Anteil derer die man dort als “Zivilversager” bezeichnet relativ hoch ist. Ich weiß aber auch aus persönlichen Bekanntschaften, dass das in der US-Armee durchaus schon der Fall ist, zumindest bei Mannschaften und Unteroffizieren. Da gibt es ein paar die sich auf diese Weise eine Ausbildung sichern, nicht die schlechteste, aber der Anteil derer die draußen im Zivilleben nichts gefunden haben, ist erschreckend groß. In Deutschland, wo das Militärische ja nicht gerade hoch im Ansehen steht, dürfte die Lage bei einer Freiwilligenarmee noch schlechter aussehen.

    Es ist wohl ein Abwägen das in den Köpfen der Politiker statt findet. Zwischen der Frage, darf man junge Männer noch verpflichten, warum eigentlich nur Männer, aber das ist eine andere Frage. Und was würde uns bei einer Freiwilligenarmee blühen, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass auch der Soldatenberuf immer mehr Hightechkenntnisse erfordert. Dabei kommen dann eben eher merkwürdig klingende Kompromisse wie dieser heraus …

  • Okay, vielleicht hätte ich das mit der Wehrgerechtigkeit anders formulieren sollen, denn bereits jetzt ist die Chance durch das System zu rutschen ja nicht soo schlecht 😉

    Ich stimme dir größtenteils zu, wobei ich allerdings denke, dass man sich etwas anderes überlegen muss, wie man qualifiziertes Personal in die Bundeswehr bekommt, denn dieses braucht man ja auch eher in der Zeit nach den 12 Monaten u.U. im Ausland als während der Wehrdienstzeit. Und selbst da ist das ja in meiner Erfahrung eher so, dass viele Gymnasiasten sich eher einen Zivildienstplatz suchen, anstatt beim Bund zu dienen.

    Man sollte also vielleicht eher am Image und der Attraktivität arbeiten und hierfür womöglich Gelder vom Wehrdienst nutzen (ich sage ja nicht, dass eine Berufsarmee günstiger wäre) um die durchaus interessanten Studienangebote, etc. noch weiter auszubauen.

  • Stimmt schon, aber das verbessern des Image erscheint vielen Politikern eben als der teurere und auch weniger vielversprechende Weg. Und das US-Beispiel scheint mir auch recht abschreckende Wirkung zu haben, wobei man vielleicht mal rausfinden sollte wie die Situation in Großbritannien oder Frankreich aussieht.

    Das die Wehrpflichtigen einen gewisse Ausgewogenheit schaffen, hatte ich gar nicht so gemeint, wie du es verstanden hast. Ich denke eher die Wehrpflicht ist eine Möglichkeit der Nachwuchsgewinnung, sprich man will Wehrpflichtige gewinnen Zeit- oder Berufssoldat zu werden. Das man Wehrpflichtige zum Beispiel nicht in Auslandseinsätze schickt versteht sich angesichts des kurzen Zeitraums und deren Ausbildung von selbst.

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