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Die Mitmach-Fernsehdebatte

Juli 24th, 2007 · Keine Kommentare

Gestern fand in den USA eine interessante Fernsehdebatte statt, haben sich dort die acht demokratischen Präsidentschaftskandidaten einer gemeinsamen Diskussion gestellt. Das besondere an der Diskussion war, dass die Fragesteller ihre Fragen bei youtube gestellt haben. Bei der gemeinsam mit CNN durchgeführten Veranstaltung wurden diese dann eingespielt und einige Kandidaten mussten dann eben Stellung beziehen. Bei Youtube kann man sich natürlich die Fragen und Reaktionen angucken und auch ich habe das ein wenig gemacht, auch um zu prüfen, ob der Spiegel mit der Kür von Hillary Clinton als Siegerin recht hatte…

Einer der ersten Themenblocks drehte sich um Rassenfragen, also lautete die sechste beispielsweise ob Edwards Reparationszahlungen für die Sklaverei unterstützt – am Ende tat es keiner, aber Barack wies darauf hin, dass für ihn die beste Reparation wäre, wenn das Geld in Bildung gesteckt wurde.

[youtube Q5XAvfgpesU]

Zwei Fragen später stellt er dann – im Zusammenhang mit der Frage, ob er “schwarz” genug sei – das tiefere Problem dar, an dem er arbeiten will: Die ganze Rassenfrage ist nur der Ungleichheit im System geschuldet, die er angehen will.

Wenn Kinder fühlen, dass der Fakt eines anderen Nachnamens oder einer anderen Hautfarbe deren Träume nicht behindern, bin ich sicher, dass wir einen großen Schritt nach Vorne zur Lösung dieser Projekte haben. (eigene freie Übersetzung)

[youtube TfFUVK_OA-s]

Schließlich ging es nach einiger Zeit zum Thema der Außenpolitik – für mich das interessante ;) Zunächst stand Dafur im Mittelpunkt, wobei sich alle für ein stärkeres – nicht zwingen militärisches – Vorgehen der USA aber auch der internationalen Staatengemeinschaft aussprachen. Angesichts der dort tatsächlich stattfindenden Menschenrechtsverletzungen sehe ich dort keine kritischen Punkte. Clinton hat mit ihrer staatsmännischen Antwort durchaus gut abgeschnitten.

[youtube vaOBnQEtVOY]

Beim nächsten Themenkomplex war man sich auch in Demokratischen Kreisen relativ einig: Dem Truppenrückzug aus dem Irak. Hier kam auch Obama zu Wort und legte dar, wieso es einen Rückzug geben soll und vor allem wie der aussieht, denn von heute auf morgen geht das nicht – weder logistisch noch politisch.

[youtube fZsKbilKG4Q]

Eine weitere interessante Frage drehte sich um eine Aussage des Präsidentschaftskandidaten Gravel, der früher wohl gesagt hatte, dass Soldaten in Vietnam umsonst gestorben seien. Obama kam in dieser Runde auch zu Wort und sprach sich dagegen aus dies so zu nennen, auch wenn er deutliche Kritik an der Regierung äußerte. Wenn er Präsident sei, werde er sicherstellen, dass die Bevölkerung über die Umstände richtig informiert sei, so er Truppen ins Ausland schicken muss. Auch fand er, dass man mit einem Eingriff auch gleich einen Plan fürs wieder rauskommen brauche.

[youtube fZsKbilKG4Q]

Und dann kam eine Frage, die laut Spiegel das Genick gebrochen hat für Obama. So wurde gefragt, ob die Kandidaten im ersten Jahr mit Ahmadinedschad, Chaves, Castro oder Kim Jong Il reden werden. Obama antwortete als erster mit einem deutlichen Jahr und verglich dies mit Kennedy oder Reagan, die trotz Krisenstimmung auch mit der Sowjetunion gesprochen hätten um diplomatische Lösungen zu finden. Der Auftritt von Clinton direkt im Anschluss war dagegen wirklich etwas feinfühliger, da sie dies – wie vieles in der Sendung – offen lies und es davon abhänge, das solche Gespräche auf so hoher Ebene gut vorbereitet werden. Punktsieg für Clinton.

[youtube 7Pw-oPjSeb4]

Einen Schwachpunkt in meinem persönlichen Ansehen hat Obama gefunden, als er sich für Atomenergie ausgesprochen hat als Teil des Energiemixes. Edwards und Clinton waren – zumindest was den Neubau angeht – deutlich kritischer insbesondere wegen der Frage des Atommülls.

[youtube TjDmyToTYBE]

Zum Anschluss noch einmal zur Konkurrentin von Obama, die momentan mit 45 Prozent noch rund 15 Prozent vor ihm liegt, denn sie hat eine wie ich finde sehr, sehr gute Antwort darauf gegeben, ob es nicht problematisch wäre, wenn nun zwei Familien seit 28 Jahren den Staat führen (Bush, Clinton, Bush, Clinton?). Sie sagte dazu:

Ja, ich glaube es ist ein Problem, dass Bush 2000 gewählt wurde und ich dachte sogar jemand anderes wäre in dieser Wahl gewählt worden, aber … (Folgend dann eben, dass sie als eigenständige Person auftritt, auch wenn sie natürlich stolz auf die Tätigkeiten ihres Mannes sei)

[youtube ldtmuZHVUWY]

Insgesamt in jedem Fall ein interessantes Format, bei dem so also Bürger mehr oder weniger an den Interviews mitwirken konnten und dies an prominenter Stelle. Darin sieht Klaus Eck als PR Blogger auch den größten Erfolg:

Letztlich ist es überhaupt schon ein großer Erfolg für das Medium Internet, dass die Präsidentschaftskandidaten sich auf die CNN-YouTube-Debatte eingelassen haben.

Auf Metablocker kann man im übrigen eine interessante Zusammenfassung der Medienreaktionen finden. Bei Telepolis findet sich eine ziemlich kritische Betrachtung, aber ich denke für einen ersten Schritt ist das schonmal ganz gut, vor allem weil ich auch gelesen habe, dass einige Fragesteller direkte Antworten bekommen hatten über youtube. Und am 17. September gehts in die zweite Runde, dann kommen die Republikaner dran.

 

Tags: US Wahl 2008

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