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(Politisches) Blog von Patrick Jedamzik

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Der vergessene Deutsche

Juni 29th, 2007 · Keine Kommentare

In den letzten Tagen überschlagen sich die Medien mit Berichten über den 17 Jährigen Marco W., der in der Türkei nach einem Urlaubsflirt oder mehr nun im Gefängnis sitzt. Ich will garnicht in die Diskussion einsteigen, ob er sich an dem 13 jährigen Mädchen vergangen hat oder nicht, ob sie sich als 15 ausgegeben hat oder ob er nur ein großes Opfer ist, das müssen andere Stellen klären und die Medien berichten schon mehr als genug – eher zuviel – über diesen Fall. Nur soviel, dass der Fall auch in Deutschland strafrechtlich verfolgt werden würde. Nein, es geht mir auch nicht darum, die durchaus kritischen Haftbedingungen zu kritisieren, unter denen er – und im übrigen auch viele, viele Türken – zu leiden hat. Auch die schon sehr lange Untersuchungshaft wurde von anderen Stellen mehr aus ausführlich kritisiert. Ich finde nur mehr als seltsam, wie die Politik nun plötzlich emsig und auf allen Ebenen für den jungen Deutschen eintritt, aber ein anderer schwerwiegenderer Fall seit Jahren ignoriert wird…

Über die Süddeutsche bin ich auf den Artikel über den 48 Jährigen Deutschen gestoßen, der dort im Jahr 2002 festgenommen wurde, weil er angeblich Flugblätter für eine linke kurdische Partei verteilt habe. Seitdem musste er einiges erdulden: Ein Geständnis wurde erzwungen, er musste enorme Folterungen über sich ergehen lassen:

Desde selber berichtete, die Beamten hätten ihn geprügelt und die Hoden gequetscht. Einmal hätten sie gedroht, ihn in ein Fass mit Beton zu stecken und ins Meer zu werfen. Das Ergebnis dieser “Ermittlungen”: eine Verurteilung zu 50 Monaten Haft wegen “Mitgliedschaft in einer illegalen Organisation”.

Alle Widersprüche brachten nichts und auch wenn Folteraussagen offiziell in der Türkei nicht genutzt wurden, waren sie dennoch Grundlage für die Verhandlungen. Er wird in diesem Fall von Amnesty International und auch anderen deutschen NGOs unterstützt, nur von einem hört man nichts: der deutschen Bundesregierung. Vielleicht liegts daran – fragt die Süddeutsche zurecht – dass er Mehmet heißt und keinen “typisch deutschen” Hintergrund hat?

Tags: Politik

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