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(Politisches) Blog von Patrick Jedamzik

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Eine Woche Protest

Juni 8th, 2007 · Keine Kommentare

Nach einer Woche Protest sitze ich in der Bahn und möchte die Zeit nutzen, ein kleines Resüme über die letzten Tage zu ziehen. Bekanntlich begann der Protest mehr als ungünstig, ja schockierend mit den Bildern von letzten Samstag, als eine kleine Minderheit von Autonomen das Bild der friedlichen und schönen Demo bestimmte. Es hatte vorher alles gepasst: Die Bilder waren schön, es war bund, laut und voller Spaß und dann rassten plötzlich Wasserwerfer heran. Zu sehen, wie am anderen Ende des Platzes das Wasser spritzte schockierte mich zutiefst. Als ich dann abends in der Ferienwohnung dann alle Bilder sah, sank die Motivation auf den Nullpunkt. Man rackert sich wochenlang ab, hat eine schöne bunte Veranstaltung auf die Beine gestellt und wurde dabei von der Polizei nicht gestört sondern unterstützt und dann kommen einige Chaoten und meinen dies selbst in die Hand nehmen zu müssen. Es ging fortan nicht mehr um Inhalte, nicht mehr um Kritik, sondern nur um Gewalt. Globalisierungskritik stand in der Gefahr in eine gewalttätige und irreale Ecke gestellt zu werden.
Die folgenden Tage hingegen nahmen diese Befürchtungen. Am Montag kam jedoch noch eine unsichere Stimmung auf, die mit einem Bruder in einer unklaren Demonstrationslage noch verstärkt würde, sich aber glücklicherweise nicht ins Schlechte entwickelte. Dienstag wurde der Alternativgipfel eröffnet und bei einem Kinobesuch nochmal deutlich, wieso man dort auf der Straße stand. Von ersterem habe ich leider nur ein Seminar gesehen, dafür wurde Mittwoch dann eben noch die Straße direkt am Zaun besucht. Und gestern schließlich krönte Herbert Grönemeyer die Woche mit dem Konzert gegen die Armut.

Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit der Woche und der Entwicklung zufrieden. Nach den Schreckensbilder von Samstag ist eine Woche voller friedlicher und fröhlicher Aktionen gegen den G8 Gipfel geworden. Es rückten – trotz einiger Zwischenfälle – mehr und mehr auch die Inhalte in den Mittelpunkt.

Zwei Organisationen möchte ich doch aus meiner Perspektive besonders hervorheben: Block G8 hat es geschafft den G8 Gipfel wirklich zeitweise zu blockieren ohne dass dabei Gewalt ein Thema spielte – es bestimmten eher Bilder von durch die Felder ziehenden Menschen die Medien. Auch die Tatsache mit einem Veto gegen die knapp Mehrheitlich gewünschte Übernachtung direkt am Zaun zeigt die Verantwortungsbereitschaft, die diese Organisation eingegangen ist, für den Aktionskonsens einzutreten. Greenpeace schließlich schaffte es gestern in den Sicherheitsbereich einzudringen. Dafür auch meine Anerkennung und Lob für die Bilder und die Hoffnung, nicht zu hart für diese Gesetzesüberschreitung bestraft zu werden ;)

Ich habe einige Lehren aus dem Wochenende gezogen: Zum einen, dass ich besser besohlte Schuhe brauche um mir beim nächsten längeren Fussmarsch nicht wieder Blasen einzufangen (vor allem bei Pflastersteinen) zum anderen, dass die Rostocker Innenstadt echt schön ist und ich fast ein wenig traurig bin, jetzt nach meinen drei Besuchen dort so schnell nicht wieder dorthin zu kommen.

Aber die Hauptlehren beziehen sich noch immer auf den Samstag: Die Linke muss sich mit dem Gewaltpotential im eigenen Lager auseinandersetzen und diesen Tätern ein klares “Mit uns nicht!” entgegen zu setzen. Wer Steine wirft, wer Menschen angreift hat auf einer Demo zu welcher Ungerechtigkeit auch immer nichts zu suchen. Es schadet der Öffentlichkeit für die Inhalte, aber vor allem passt es moralisch nicht zu unseren Positionen, wenn man für die Rechte von Menschen in anderen Staaten eintritt, indem man Gesundheit, Leben und – ja auch – Eigentum von Menschen hier verletzt. Solche Menschen gehörten für mich nicht in das Spektrum derer, mit denen ich zusammen agieren will.

Oft wird dann die Provokation und Ungerechtigkeit von Staat und Polizei ins Feld geführt. Mal ganz abgesehen davon, dass ein einzelner Polizeiwagen kaum eine Provokation sein kann, halte ich persönlich dies für eine Form von Paranoia. Wir leben in einer Demokratie und ja, wir müssen auch die Freiheit oft verteidigen gegen einige, die Sicherheit an erste Stelle sehen, Freiheit und Sicherheit stehen manchmal eben in einem Spannungsverhältnis. Entsprechend muss jeder, der an diese liberalen Grundwerte glaubt jede Korrektur in der Sicherheitspolitik kritisch hinterfragen, aber wer diesen Menschen unterstellt sie würden dies nur der Errichtung einer Diktatur wegen durchführen, liegt meines Erachtens einfach falsch! Im Gegenteil – verstärkte Sicherheit ist manchmal eben doch Meinung der Mehrheit und Bilder vom Samstag liefern hier neue Nahrung. Nicht für eine vermeintliche Führungsspitze (“die da oben”), sondern neue Nahrung für Angst der Menschen vor linken Chaoten. Und diesem kann man nicht begegnen, indem man auf den Staat schimpft ohne sich das eigene Verhalten anzugucken. Mehr Freiheit bedeutet eben auch mehr Verantwortung. Wer Freiheit fordert, muss auch bereit sein, seinen Teil dazu beizutragen, dass diese von allen eingehalten wird. Es ist dann nicht zu tolerieren, dass einige unsere Freiheit missbrauchen, um die Freiheit und Rechter anderer Menschen zu verletzten.

Alles in allem bin ich also sehr zufrieden mit der abwechslungsreichen Woche, dennoch freue ich mich nun doch wieder auf die Heimat ;)

Tags: G8 Gipfel · LifeBlog

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