[inspic=164,right,fullscreen,180]Jetzt zu berichten, was gestern in Rostock passiert ist, wäre angesichts der breiten Berichterstattung wohl unnötig. Natürlich ging die Berichterstattung in erster Linie auf die “Ausschreitungen” am Rande der Demo ein und nicht auf den friedlichen Teil, der vorher stattgefunden hat. Ich habe hierzu einen Bericht im erlassjahr.de Blog geschrieben, hier soll es eher um das gehen, was ansonsten geschah. Und was geschah ist bekannt: Fast 450 Polizisten wurden verletzt, ebenso 500 Demonstranten und viele sind enttäuscht – nicht von der Polizei, sondern von den Autonomen, die nicht hier waren um zu demonstrieren, sondern denen es um Krawall ging und die eindeutig den Anlass für die Eskalation waren. Daran gibt es nichts zu rütteln und selbst attac sieht dies ähnlich:
Anlass für die Eskalation nach Ende der Demonstration war nach derzeitigem Kenntnisstand der Angriff einer kleinen Gruppe Demonstranten auf einen am Kundgebungsplatz geparkten Polizeiwagen. Dabei sind offenbar zwei Polizisten verletzt worden. Danach eskalierte die Situation. An der Eskalation waren beide Seiten beteiligt. Dabei hat insbesondere die Polizei mit gezielten Übergriffen auch auf friedliche Teilnehmer der Kundgebung unverhältnismäßig reagiert.
Hier im übrigen dieser Angriff:
[youtube yDqThVpu1AM]
Dem ist nicht mehr viel hinzuzufügen. In den Medien wurde oft Monty Schädel zitiert und gezeigt, der der Polizei aufgrund der Provokationen die Schuld gegeben hat. Ich halte es auch hier eher mit dem Polizeieinsatzleiter, der feststellte, dass bei Angriffen auf Polizeiwagen keine Deeskalation mehr geben kann. Und es gibt ja unzählicge Bilder, die friedliche Demonstranten als “Schutzschild” zeigt, die sich zwischen die Autonomen und Polizei stellten und wirklich auch die Polizei zurückgrängten. Nur leider fehlte es manchen Beteiligten an der Bereitschaft es damit dann auch sein zu lassen.
Und das ist eine weitere Hauptkritik, die ich habe: Von der Bühne herab wurde nur eins geprädigt: Die provokante Polizei, die eine friedliche Demo stören wollte. Ich hätte mir gewünscht, dass hier auch mal deutlich gesagt wird: Leute, wer mit Steinen auf Polizisten oder die Feuerwehr wirft, wer Autos in Brand setzt und Schaufensterscheiben einschlägt gehört nicht zu uns! Aber das gab es nicht und wenn dann maximal sehr zögerlich und verschwommen.
Das ist kein Freispruch für die Polizei: Unbestreitbar mag es auch da ein falsches Vorgehen gegeben haben. Das es an den Rändern viele unschuldige getroffen hat ist mehr als bedauerlich und dies kritisiert attac ja beispielsweise auch deutlich, aber wir wollen nicht Ursache und Wirkung vergessen. Und natürlich war beispielsweise der Hubschrauber direkt über der Bühne extrem nervig, aber dafür zu einem Stein zu greifen wäre mir niemals eingefallen.
Gestern vor 40 Jahren starb Benno Ohnesorg bei einer Demonstration in Berlin durch den Schuss eines Polizisten und löste damit die Straßenkämpfe der 68er aus. Auch wenn ich nicht wirklich daran glaube, würde ich mich freuen, wenn der gestrige Tag ebenfalls eine bedeutendere Wirkung hätte: Nämlich eine Diskussion innerhalb der linken Bewegung zur Stellung der Gewalt gegenüber.
Die Demo gestern galt offiziell als “Familiendemo” als eine bei der Gewalt offiziell verboten sei und dennoch gab es diese Ausschreitungen. Grund waren nicht die beteiligten Organisationen, sondern neue dazugekommene Gruppen, die nicht viel davon hielten. Das Problem war am Ende, dass das Ziel der Gewaltfreiheit hier nicht ernsthaft verteidigt wurde, denn sonst hätte das Ziel sein müssen: Wer Gewalt anwendet, gehört nicht zu unserer Demo. Im Gegenteil war das Symbol “Solidarisiert euch”. Das werde ich nicht. Ich kann mich nicht mit Menschen solidarisieren, die es okay finden, “Bullen” zu verletzen, Autos zu verbrennen, andere Dinge zu zerstören und so ganz allgemein Menschen zu schaden. Es gibt hierfür keine Rechtfertigung! Der Versuch seine eigene Meinung mit Gewalt durchzusetzen kommt nache an das dran, was in den Vorwochen oft unterstellt wurde: Terrorismus, denn wie man sieht war die Angst der Menschen ja nicht ganz unberechtigt.
So werden wir keine Globalisierungskritik bekanntmachen können, so werden Globalisierungskritiker auch weiterhin als Randgruppe und potentielle Gewalttäter gesehen. Und dazu braucht es eigentlich auch keine Hausdurchsuchungen oder Geruchsproben im Vorfeld mehr, das können einige Leute auch ganz alleine …
0 Antworten bis jetzt ↓
1 Daniel // Jun 4, 2007 at 10:01
Ich dachte schon du wärst unter einen Wasserwerfer geraten
Und ansonsten ist die Stimmung noch gut?
2 Patrick Jedamzik // Jun 4, 2007 at 10:36
Jo, gestern abend war noch ein Konzert am Hafen, da war eine Superstimmung. Meine hatte die Ausschreitung etwas gedämpft, aber das erholt sich wieder
3 Daniel // Jun 4, 2007 at 11:39
Jo, dann weiterhin viel Spass ähhh ich meine frohes Demonstrieren
4 Jörg Friedrich // Jun 4, 2007 at 13:07
“Das ist kein Freispruch für die Polizei: Unbestreitbar mag es auch da ein falsches Vorgehen gegeben haben.”
Polizisten sind auch Menschen, und sie erleben eine so extreme Situation nicht alle Tage. Man kann sich wohl kaum darauf richtig vorbereiten.
entscheidungen müssen schnell und ohne Übersicht getroffen werden. Da kommt es natürlich zu Handlungen, die man später als falsch einschätzt.
Jörg
5 Patrick Jedamzik // Jun 4, 2007 at 13:09
Richtig, genau das wollte ich damit ausdrücken
6 Setsuko Kudo // Jun 6, 2007 at 17:41
Hallo, Ich bin Setsuko aus Japan.
Kannst du dich an mich errinnern?
Wir waren zusammen in Rostock im November.
Ich konnte leider nicht in Rostock sein.
Ich bin froh dein Blog lesen zu koennen, Danke!
Du hast ueber Benno Ohnesorg geschrieben, schon sind
40Jahren vergangen, nicht 30.
p.s.
Kannst du Sabine sagen mein Name ist SETSUKO nicht SETSUKU
,ich habe mein Name auf eure website gefunden,
das ist schoen, dass ihr ueber mich geschrieben hat .
Kannst du in naechsten Jahr fuer G8 nach Japan kommen?
Wir wollten in unser Gegend, Kansai (Kyoto, Osaka, Kobe)
G8 haben, leider es wird in Hokkaido Toya See.
wir haben anfang Mai ADB annual conference in Kyoto, da habe ich viel zu tun gehabt, ich habe Fotos zu Jurgen geschickt, du hast vieleicht sie gesehen.
Ich freue mich auf weiteres Blog von Dir.
Setsuko(vor name) Kudo
Jubilee Kansai Network
7 Patrick Jedamzik // Jun 7, 2007 at 01:02
Hallo Setsuko,
ja, ich erinnere mich und hatte mich auch schon gefragt, ob wir uns vielleicht einfach nur verpasst hatten
Ob es nächstes Jahr mit Japan klappt, weiss ich noch nicht, denn sowas ist ja – wie du weisst – nicht ganz billig und wir da erst Finanzquellen finden müssen, aber ich würde gerne kommen
Liebe Grüße
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