Jeder Mann kennt die Situation, wenn um das 18te Lebensjahr herum der Brief vom Kreiswehrersatzamt ins Haus flattert und man zur Musterung antreten muss. Dann wird überlegt, ob man nicht irgendwie den Zwangsdienst umgehen könnte – wir war das noch mit den Rückemschmerzen? Oder einfach Tagelang nicht schlafen? Wie sich nun zeigt, kann diese Idee langfristig nach hinten losgehen…
Bei mir liegt es nun einige Zeit zurück, aber dennoch schwirrte vor wenigen Wochen das Thema Wehrdienst durch die heimatlichen Gefilde, als mein Bruder zur Musterung musste, etc. Und natürlich wurden da Beispiele hervorgekramt, wie man denn untauglich werden könnte:
Felix hatte seit zwei Tagen nicht geschlafen, am Morgen eine Schachtel Zigaretten geraucht und mehrere Liter Kaffee getrunken, als er sich in Deggendorf übergeben musste. Ein vergleichsweise sanfte Methode: Felix verzichtete auf die todsicheren Rezepte wie Experimente mit dem Aufputschmittel Captagon, großen Mengen Alkohol oder gar mit Medikamenten gegen Schilddrüsenunterfunktion, um den Bundeswehrarzt von der eigenen Untauglichkeit zu überzeugen.
Von seiner Show war Felix selbst nicht besonders überzeugt. “Ich dachte, das ist so banal, damit kommst du nie durch”, sagte der 19-Jährige. Doch beim Kreiswehrersatzamt taten Koffein, Nikotin und Schlafentzug ihre Wirkung. Nach zehn Kniebeugen war er platt, beim Hörtest stellte er sich taub, bei allen anderen Fragen dumm – das reichte, um vom Stabsarzt die Dienstunfähigkeit bescheinigt zu bekommen.
Der Allergie kräftig nachgeholfen
Christian wollte bei seiner Musterung nichts dem Zufall überlassen und half einem angeborenen Leiden in Form einer Nussallergie nach. Eine Woche vor dem Musterungstermin fing der 18-Jährige an, Nüsse zu essen. Ein juckender Ausschlag am ganzen Körper ließ nicht lange auf sich warten, im Gesicht bildeten sich kleine Pusteln. Die weiteten sich sogleich zu großen Kratern aus, als Christian die Nüsse nicht mehr aß, sondern sie als Creme auf seine Haut schmierte. “Ich musste mich kratzen, bis meine Arme und Beine bluteten”, erzählt Christian.
Das unangenehme Äußere wurde von dem Gestank, den er verbreitete, fast übertroffen: Zwei Wochen lang hatte sich Christian nicht gewaschen, als er ins Kreiswehrersatzamt fuhr. Vom Unterricht hatte er sich für diese Zeit befreien lassen. “Die hätten mich in meinem Zustand ohnehin nicht in die Schule gelassen”, so Christian.
Die letzte Nacht vor der Musterung verbrachte er mit Kaffee und Wodka vorm Fernseher. Stinkend, mit dunklen Ringen unter den Augen und feuerroter, eitriger Haut betrat er am nächsten Morgen das Kreiswehrersatzamt. Zur Verstärkung hatte er Pups-Spray, ein besonders widerliches Stinkgas, auf seine Klamotten gesprüht und seine Haare mit Vaseline ruiniert. Der zuständige Stabsarzt zeigte sich beeindruckt. “Der hat mich noch vor der medizinischen Untersuchung nach Hause geschickt”, erzählt Christian.
Allerdings kann soetwas extreme Spätfolgen haben, denn natürlich werden Krankheiten und ähnliches, die man bei der Musterung angibt in typisch bürokratischer Weise zu den Akten gegeben – und bleiben dort für Jahre. Eventuell kommt dann später eine Versicherung auf die Idee, diese Akten doch heranzuziehen und ist damit rechtlich sogar abgesichert.
Schlimmer noch: Zumindest ein Arzt ist sogar aktiv damit beschäftigt (als “genehmigte Nebentätigkeit”) für die Versicherungen und von diesen Bezahlt gezielt Recherche zu betreiben.
Also vorsicht bei solchen Dingen. Ich persönlich finde nichts dabei sich so dadurch zu mogeln, weil ich die Wehrpflicht und den Zwangsdienst allgemein ablehne und von daher etwas übersteigerte Gebrechlein als Beitrag zur Befreiung des Ichs ansehe. Aber scheinbar wird hier etwas genauer hingeguckt… zumindest einige Jahre später.
[...] Spätfolgen, wenn Versicherungen diese Unterlagen später heranziehen. Mehr dazu im Blog von Patrick und bei Spiegel-Online. RSS Trackback URL 12. März 2007 (14:56) Abgelegt unter: Wehrpflicht [...]