Die UN-Gang

Zu Weihnachten fand ich ein Buch unterm Weihnachtsbaum, welches versprach „viele Illusionen über die Weltorganisation“ zu enthüllen, da es – so der Untertitel – „über Korruption, Spionage, Antisemitismus, Inkompetenz und islamischen Extremismus in der Zentrale der Vereinten Nationen“ berichte.

Der Autor: Pedro A. Sanjuan, den das Informationszentrum Dritte Welt wie folgt beschreibt:

Seine ersten Schritte in der Politik machte der US-Amerikaner bereits vor langer Zeit als Protegé von Robert Kennedy, der ihn förderte, so dass Pedro Sanjuan schließlich über zweieinhalb Jahrzehnte lang aus der amerikanischen Politik nicht mehr wegzudenken war. Er arbeitete in sieben Ministerien, war zwei Regierungsperioden lang Mitarbeiter im Weißen Haus und wurde schließlich von 1983 bis 1996 US-Repräsentant der Vereinten Nationen in New York.

Er beschreibt in seinem Buch zunächst viel über sowjetische Spionageaktivitäten bei den Vereinten Nationen, die beispielsweise die Bibliothek der Vereinten Nationen nutzten, um sich im Namen der Vereinten Nationen bei den Vereinigten Staaten Pläne von Kampfflugzeugen oder die Strategien für einen Atomschlag besorgen, um diese dann zu übersetzen und an die russischen Behörden weiterzuleiten. Es geht weiter über den organisierten Drogenhandel in der Tiefgarage der Vereinten Nationen über den organisierten Antisemitismus, Korruption, Islamismus bis zur berüchtigten Unübersichtlichkeit einer übergroßen Bürokratie.

Die Deutsche Welle beschreibt das Buch wie folgt:

Ein klassisches Sachbuch ist das wahrlich nicht. Es ist ein Pamphlet. Eine Anklageschrift. Eine Abrechnung. Ein „J’accuse“ – gegen die UN. Nicht gegen die UN als Forum der Weltgemeinschaft. Nicht gegen ihre allzu offensichtliche Ratlosigkeit gegenüber den Krisenherden der Erde – von Nahost bis nach Afrika, von Europa bis nach Asien. Nicht gegen ihre Konzeptlosigkeit, auch nicht gegen ihre Reformunfähigkeit. Nein es ist eine bittere, eine zornige, eine enragierte Abrechnung mit dem Alltag der Vereinten Nationen, mit der Organisation selbst.

Dabei hatte ich eigentlich von Beginn an den Eindruck, dass das Buch von einer stark amerikanischen – eher ablehnenden – Sichtweise der Vereinten Nationen geprägt ist. Seine einzelnen Erfahrungen werden von ihm schnell verallgemeinert. Die FAZ sagte Sanjuan „habe (…) die Chance nicht genutzt, seine Kritik von Korruption, Inkompetenz etc. auch durch Analysen und Erklärungen zu fundieren“. Und Konrad Ege erklärt in „Das Parlament“:

„Die UN-Gang“ passt in eine seit vielen Jahren in den USA laufende Kampagne rechter Verbände und Politiker gegen das Ungetüm in Manhattan, das gleichzeitig als ineffektiv und böse verspottet beziehungsweise beschimpft wird.

Am Ende macht er einige Vorschläge, aber das wertet das Buch leider nicht wirklich auf. Alles in allem halte ich es für interessant zu lesen, aber es bleibt eben die Frage offen, wieviel an seinen Anekdoten und Erzählungen dran ist.

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