Heilig Abend – Kriegsbeginn

Während viele von uns unterm Weihnachtsbaum ein friedliches Weihnachtsfest erlebten, eskaliert die bereits angespannte Situation in Somalia weiter: Der Nachbar Äthiopien hat der „Union islamischer Gerichte“ (UIC) offiziell den Krieg erklärt und mit Luftschlägen und Truppeneinmarsch begonnen.

Der äthiopische Ministerpräsident Meles Zenawi erläuterte dieses Vorgehen als Maßnahme zum Selbstschutz:

“Ethiopian defense forces were forced to enter into war to protect the sovereignty of the nation (…) We are not trying to set up a government for Somalia, nor do we have an intention to meddle in Somalia’s internal affairs. We have only been forced by the circumstances.”

Es kann davon ausgegangen werden, dass er damit auf die Drohungen und Erklärungen der UIC am Tag zuvor aufgegriffen hat, die Muslime in aller Welt zu einer Kriegsbeteiligung gegen die Übergangsregierung Somalias und deren unterstützende athiopische Militärs aufgerufen hat.

In Somalia herrscht seit 1991 ein starker Bürgerkrieg, der das Land zum Vorzeigemodell eines „failing states“ machte. Die vor zwei Jahren eingesetzte Übergangsregierung ist zwar die einzige international anerkannte Regierung, faktisch aber machtlos. Spätestens seit der Eroberung Mogadischus im Juli dieses Jahres ist die Union islamischer Gerichte (englisch Courts, daher UIC) die führende Kraft im Lande, grade da sich mit Somaliland und Puntland bereits in den 90er Jahren zwei Teile für unabhängig erklärten – und dies faktisch auch sind.

Das gefährliche an dieser sich zuspitzenden Situation ist, dass sich Somalia damit zu einem Stellvertreterkrieg der schon seit Jahren verfeindeten Staaten Äthiopien und Eritrea werden könnte. Eritrea hatte seine Unabhängigkeit erst nach einem 30-jährigen Unabhängigkeitskampf im Jahre 1992 von Äthiopien erhalten führte von 1998 bis 2000 einen blutigen Krieg mit dem großen Nachbarn, dessen Streitthemen noch immer ungeklärt sind und eine entgültige Grenzziehung die Beziehungen beider Staaten zunehmend belastet. Im Konflikt in Somalia unterstützte Eritrea mehrfach die UIC und steht auch im Verdacht rund 2.000 Soldaten im Krisengebiet eingesetzt zu haben, auch wenn dies verneint wird.

Die Größe des bisherigen militärischen Engagements Äthiopiens in Somalia, dass die Übergangsregierung unterstützt und damit das Überleben gesichert (zumindest verlängert) hatte, wird von UN-Kreisen auf rund 8.000 Soldaten, von unabhängigen Beobachtern auf 15.000 bis 20.000.

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