Gaming Sickness

Es kommen heutzutage viele neue Spiele für den Computer raus, die an meinem Rechner definitiv nicht mehr wirklich laufen, weshalb ich mich ein wenig darauf konzentriere erstmal „altes“ zu spielen, bis die Knete für ne gehörige Aufrüstung reicht. Naja und so bekam ich dann letzte Woche das Spiel „Call Of Cthulhu – Dark Corners Of The Earth“ und war auch nach dem Prolog wirklich begeistert von diesem Lovecraft Shooter…

Tja, leider überkam sie mich dann aber wieder. Die mir leider gut vertraute Übelkeit grade bei Egoshootern. Nach wenigen Minuten wurde mir übel, ich konnte nicht wirklich weiterspielen und selbst Stunden später hate ich noch ein schlechtes Gefühl. Bereits vor einiger Zeit hatte ich die Ursache gefunden: Gaming Sickness, eine Übelkeit, die sich einstellt wenn das Auge eine Bewegung aufnimmt, der Körper/Gleichgewichtssinn jedoch nicht. Genaue Zahlen über Betroffene gibt es nicht, aber Studien zeigen, dass 20-40% der Piloten von der ähnlichen Simulator Sickness betroffen sind, die der Gaming Sickness sehr ähnlich ist (s.u.) und aufgrund der steigenden Leistung von Computerspielen kann man davon ausgehen, dass diese Quote auch bei Spielern nicht unrealistisch ist.
Die TU Berlin hat sich in einem längeren Artikel diesem Thema gewittmet, den ich hier als Grundlage für die weitere Beschäftigung und Darstellung des Themas benutze. Zuvor aber noch einige Statements aus dem Blog von Jens Mayer, der von seinen aber auch anderen Erfahrungen berichtet:

„Um mir eine kurze Erholungspause vom Lernen auf diverse, anstehende Klausuren zu gönnen, lud ich mir gestern Abend den freien und quelloffenen 3D-Ego-Shooter Nexuiz für ein kurzweiliges Spielchen herunter. Grafik, Geräuschkulisse und Gameplay gefielen auf Anhieb, dennoch konnte von Erholung keine Rede sein. Schon nach etwa zwanzig Minuten fröhlicher Ballerei überkam mich eine heftige, körperliche Übelkeit, deretwegen ich umgehend das Spielen einstellte. Ein leichtes Schwindelgefühl, gepaart mit eigenem Unwohlsein, hatte ich an mir schon früher häufig nach kurzem Gebrauch von Ego-Shootern beobachten können, doch dieses Mal war ich nahe daran, mich zu übergeben. Eigenartigerweise habe ich mit nicht weniger rasanten Rennsimulationen wie „Wipeout“ oder „Burnout 3″ keinerlei Probleme.“ [Bericht von Jens Mayer selbst, folgende aus einem Forum]

„Ich spiele schon seit graumer Zeit auf dem PC, und bei manchen Spielen wird mir beinahe kotzübel – kein Scherz. Zum ersten Mal habe ich es bei, kennt ihr diese Spiel überhaupt noch, Wolf 3D gehabt? Nach 30 Minuten Spielzeit konnte ich nicht mehr, totale Übelkeit. […] ich bin kein Epileptiker oder sowas, aber nach ca. 90 Minuten oder so muss ich aufhören, weil mir den Magen umdreht.“

„Abend allerseits, mein erster Beitrag hier, habe mich vor 5 Minuten angemeldet Dieser Thread ist mir aufgefallen, als ich nach „Übelkeit Spielen“ gegoogelt habe… […] Ich leide ebenfalls unter einer totalen Kotz-Übelkeit bei bestimmten PC-Spielen, z.B. Call of Duty, Half-Life 2 –> bei denen beiden ist es extrem. Bin eben bei Half-Life 2 mal wieder über mein körperliches Limit gegangen. Zum Glück stand ein Eimer neben mir. Die Spiele HL² und CoD sind wirklich die schlimmsten. Da ist mir nach einer Viertelstunde übel… 10 Minuten später Schweißausbrüche, nach 45 Minuten ko***.“

„Ich hatte das gleiche Problem bei bestimmten Spielen. Das erste Mal fiel es mir bei den ersten id Spielen auf (Doom, Wolfenstein, etc.). Schon nach kurzer Zeit wurde mir speiübel. Alles hat sich gedreht und ich dachte, gleich kommt alles hoch. Dann hab ich davon Abstand genommen und eine Weile darauf verzichtet. Später hab ich mich wieder ran getraut. Hab dann mit Halflife und CS weitergemacht und siehe da, die Probleme waren auf einmal weg. Habe dann aber wieder aus Neugier Doom herausgekramt und wäre beinahe wieder vom Stuhl gefallen, so schlecht wurde mir wieder. Medal Of Honor oder Call Of Duty bereiten mir aber auch keine Probleme. Auch die neuen wie Doom 3 oder HL 2 sind problemlos.“

Interessant finde ich, dass die Symtome nicht bei allen gleich auftreten. So konnte ja der letzte beispielsweise die älteren Shooter wie Wolf3D oder ähnliches nicht spielen, während er bei neueren keine Probleme hat. Bei mir ist es dagegen andersherum. Früher – ich habe irgendwo auch gelesen wegen noch zu schlechter (will sagen unrealistischer) Grafik – ist soetwas nicht vorgekommen, nun aber schon. Wobei sich dies aber auch mit der Zeit geändert haben könnte, habe die alten Spielchen nicht nochmal getestet ;)

Nun aber zum Thema: Wieso ist das so?

Zunächst finde ich es wichtig dies mal in den Zusammenhang zu stellen, denn man muss Gaming (oder auch Simulation) Sickness sozusagen als Gegenmodell zu „Motion Sickness“ sehen, die durch Seeübelkeit, Übelkeit beim Lesen im Auto, etc. bekannt ist. Bei beiden weichen die Erfahrung des Körpers des Gleichgewichtssinns von denen des Auges ab. Also in einem Fall merkt man, dass man sich bewegt (beispielsweise auf dem schwankenden Schiff) sieht es aber nicht. Im Anderen Fall ist es beim Shooter so, dass ich eine Bewegung wahrnehme und mich „bewege“, aber natürlich in der Realität vor dem Computer sitze und weder den Kopf noch mich selbst bewege. Der Artikel der TU stellt dies wie folgt als „cue-effekt“ dar:

Die „Cue Conflict“-Theorie ist die am meisten anerkannte Theorie um Simulator Sickness zu erklären. Ein Konflikt tritt dann auf, wenn Diskrepanzen zwischen den Eindrücken verschiedener Sinne auftreten. Die Wurzel des Übels scheint im Fall von Simulator Sickness vor allem der visuelle Sinn bzw. das vestibuläre Organ zu sein. In einem unbeweglichen Simulator registriert das visuelle System eine Bewegung während das Gleichgewichtsorgan keine Bewegung wahrnimmt. Es entsteht also ein „Cue-Conflict“.

In einem beweglichen Simulator kann trotz der Bewegung ein Sinneskonflikt auftreten, wenn die visuelle Stimulation nicht mit der vom Gleichgewichtsinn wahrgenommen Bewegung übereinstimmt, oder nicht exakt synchronisert ist.

[… Noch] gibt sie [die „Cue-Conflict“-Theorie] keine Erklärung dafür, warum aus einem Sinneskonflikt überhaupt Übelkeit entsteht.“

Es sei in dem Zusammenhang kurz angemerkt, dass es sich bei Simulatior Sickness und Gaming Sickness im Prinzip um das gleiche Phönomen handelt, nur eben in anderem Zusammenhang. Während zweitere eben zuhause beim Spielen im kleinen Kreis auffällt, ist erste insbesondere bei militärischen Simulationen zunächst aufgetreten.

Weiter ins Detail gehend wird das Ganze nun praktisch beschrieben: Wenn du diese Zeilen liest und den Kopf (langsam) nach links und rechts bewegst, bleibt das Auge auf diesen Text fixiert und du kannst sogar noch weiter lesen. Hierfür ist eine automatische Gegenbewegung des Auges zur Kopfbewegung verantwortlich, der „vestibulo-okuläre Reflex“. Dieser wird allerdings nicht durch die Augen, sondern durch den Gleichgewichtssinn gesteuert. Und übertragen auf den Computer sieht das dann wie folgt aus:

Häufig bewegt man in Computerspielen den virtuellen Kopf mittels Maus oder Joystick, wobei der reale Kopf des Spielers stationär bleibt. Man denkt sich die Kopfbewegung und sieht sie am Monitor. Da sich der echte Kopf aber nicht bewegt, müssen die Augen keine Ausgleichsbewegung durchführen und der Reflex wird unterdrückt. Die Unterdrückung des vestibulo-okulären Reflexes kann in gewisser Weise wieder als „Cue-Conflict“ angesehen werden und die Entstehung von Simulator Sickness begünstigen.

Was dagegen hilft ist nicht festgestellt. Die Änderung des Realitätsgrades wird oft als Möglichkeit angegeben, aber ich persönlich habe weder bei hoher noch geringer Auflösung eine Änderung meines Gefühls festgestellt. Was bleibt sind dann nur kurze Sessions, was aber gerade bei einem Spiel wie Cthulhu nicht nur wegen der Stimmung des Spiels nervig ist, sondern weil einer der großen Mankos des Spiels ist, dass es nur an bestimmten Stellen eine Speicherung ermöglicht :(

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