Gratis Comic Tag 2015

Gratis Comic Tag 2015

Gestern war wieder Gratis Comic Tag. Einmal im Jahr gibt es in Comic Läden kostenlos Leseproben oder gar komplette Bände von Comics, um für diese zu werben. Vor dem Tag der Städtebauförderung (Bericht in Kürze im politischen Blog) ging es darum noch schnell ein paar Comics abstauben :) Ehrlich gesagt erfolgte die Auswahl spontan, ohne große Vorbereitung und nur aufgrund von Cover und Titel. Aber ich glaube die Wahl war schon ganz gut… (mehr …)

Nachtrag zu Medien beim Flugzeugabsturz

Ich hatte vor einiger Zeit etwas über den Umgang der Medien mit dem Absturz der Germanwings Maschine geschrieben. Jetzt nur als kurzer Nachtrag ein Artikel im Bildblog, wo deutlich wird, wie die BILD mit den Opfern der Tragödie umging: Fotos werden veröffentlicht ohne nachzufragen. Diese können sich ja beschwerden und man würde das dann online entfernen  – wie man das aus den Druckerzeugnissen entfernt, ist aber offen. Und verstößt auch gegen den Pressekodex, aber hey, es ist die BILD.

Wieder 700 Menschen im Mittelmeer ertrunken

Es ist beschämend. Wieder sind 700 Menschen bei dem Versuch gestorben Europa zu erreichen. Anfang der Woche waren es bereits 400, so hat der Wunsch in Europa Sicherheit zu finden in der letzten Woche 1.000 Menschen das Leben gekostet. Es ist traurig, wenn man bei facebook Kommentare dazu ließt, die sich über dieses Leid freuen. Beispiele gefälligt? Hier oder hier finden sich Sammlungen. Gerade dann noch Jauch, wo der beste Moment der war, als ganz am Ende ein Gast, der von Sea Watch noch 2 Minuten was sagen sollte, Jauch etwas ins stolpern brachte, als er eine Schweigeminute einforderte und auch umsetzte.

Zuvor gab es eine Diskussion, bei dem man sich oft fragte, wie man sie dem Thema angemessen nennen konnte. Beispielsweise bei einem Herrn Köppel, der darlegte, dass Deutschland ja nicht alle aufnehmen könne und Menschen aus Subsahara Afrika eh nicht nach Deutschland passen würde. Nur, was hat das mit dem aktuellen Problem zu tun?

Asylrecht

Aber von Beginn: Es gibt ein Menschenrecht auf Asyl. Das gibt es auch bei unserer ziemlich verkorksten Asylgesetzgebung. Nur die Menschen können ihren Rechtsanspruch auf Asyl nur auf deutschem Boden einfordern. Die Landgrenzen nach Europa sind dicht gemacht, da kommt man offenbar noch schwerer durch, als mit dem Boot übers Mittelmeer. Um damit ihren Antrag auf Asyl stellen zu können, sind Menschen auf Schlepperbanden und solche unsicheren Kähne angewiesen.

Maya Alkhechen hatte in der Sendung von ihrer Flucht aus Syrien über Ägypten berichtet, wo sie zu Angehörigen in Deutschland wollte. Trotz Besuch in der Botschaft blieb der Mutter mit Mann und Kindern nur der Weg über das Mittelmeer. Sie hatte in der Sendung sehr einfühlsam berichtet, wie man sich auf einem überfüllten Kahn fühlt mit der allgegenwärtigen Gefahr unterzugehen.

Heribert Prantl hat in einem guten Kommentar folgende Forderung dazu aufgestellt:

Die EU muss legale Einreisewege schaffen. Die EU muss die Visumspflicht für gewisse Zeit aufheben. Die EU muss Asylanträge schon in den Herkunftsländern entgegennehmen. Flüchtlinge aus den Höllenstaaten müssen in EU-Staaten angesiedelt werden.

Hierfür ist eine Lösung notwendig und die kann nicht darin bestehten, dass man darauf hinweist, dass auch Menschen versuchen nach Europa kommen, die nicht den Kriterien des Asylrechts entsprechen. Nach der Logik wäre es ja ganz gut, dass neben den nicht erwünschten Flüchtlingen auch die im Meer untergehen, die man aufnehmen müsste.

EU auch als Täter

Aber Heribert Prantl hat in der Sendung auch noch auf einen wichtigen Punkt hingewiesen. Nicht nur die Seenotrettung ist ein Thema – dazu kommen wir gleich noch -, sondern auch die Frage, wie die EU in Afrika agiert. Man kann sich nicht über sogenannte “Wirtschaftsflüchtlinge” aufregen und die Politik der EU ausblenden.

Agrarsubventionen, die es günstiger machen Getreide oder Fleisch aus Europa zu kaufen, anstatt das der eigenen Landwirtschaft schädigt Afrika mindestens genauso wie Fischereiflotten aus Europa vor der Küste Afrikas, die den dortigen Fischern den Lebensunterhalt nehmen.

Es ist nämlich auch zu einfach zu sagen, dass wir ja nichts dafür könnten, dass es uns so gut und Afrika schlechter geht. Es geht uns eben auch darum gut, weil unser Wohlstand und unsere günstigen Preise auf Kosten von anderen geht – ob nun SchneiderInnen in Bangladesh oder FischerInnen im Senegal.

Seenotrettung tut Not

Aber das zu lösen wird sicher Zeit brauchen – wahrscheinlich auch politisch schwer bis unmöglich. Aber eins braucht es neben legalen Zugängen zu Europa jetzt schnell: Seenotrettung. Das Programm Mare Mostrum der Italiener war aus Kostengründen eingestellt worden. Die italienische Regierung hatte angekündigt das erfolgreiche Programm nur zeitweise finanzieren zu können. 110-140 Millionen kostet es pro Jahr, aber das bekommt Europa nicht gestemmt – zu teuer. Lieber zwei Tage in Bayern einen G7 Gipfel durchführen – das kostet genauso viel.

Aber hey, es sind nur ein paar Flüchtlinge, da sollte man jetzt auch nichts übereilen. Der ehemalige Innenminister Friedrich schlug bei Jauch erstmal ein Gipfel vor. Tolle Idee, erstmal noch etwas Geld ausgeben und Zeit vergehen zu lassen, bis dahin ist das ausgesessen. Und wenn das nächste größere Unglück – ist ja nicht so, dass dazwischen nicht jemand im Mittelmeer ertrinkt – kommt, wieder etwas betroffen tun.

Der beste Livestream zum Rücktritt von Klopp

Der beste Livestream zum Rücktritt von Klopp

Gestern hatte Jürgen Klopp angekündigt zum Ende der Saison in Dortmund aufzuhören. Für mich nicht das riesige Thema, Fußball ist nicht mein Ding. Trotzdem habe ich gestern mit großer Begeisterung einen Livestream gelesen. Das besondere findet man in diesem einen Beitrag zu Beginn der Pressekonferenz:

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Kurz für alle, die kein englisch können: Der arme Journalist sitzt in der Pressekonferenz beim BVB, in der es um den Rücktritt von Klopp geht und kann kein Wort deutsch. Und dann geht es ziemlich genial weiter und man spürt förmlich wie nutzlos er sich vorkommt über etwas live zu berichten, von dem er kein Wort versteht. Hier der komplette Livestream zum nachlesen – von unten nach oben.

Der besondere Clou: Eigentlich steht doch alles wichtige drin, was man vielleicht wissen muss: Kein anderer Club bisher da, er will aber weiter was machen und ist auch nicht müde. Muss man wirklich mehr wissen? Okay, eins dann doch: Der Pressevertreter, der ganz am Ende noch nach Eintrittskarten für seinen Sohn fragte – schon sehr skurril. Die Chefredaktion hat sich entsprechend von dem Vertreter distanziert.

Für mich dennoch interessant, welcher Wirbel um einen Fußballtrainer gemacht wurde. Aber dazu später mehr…

 

Yom Ha’Shoa – Holocaust-Gedenktag

Yom Ha'Shoa - Holocaust-Gedenktag

Heute war / ist Holocaust Gedenktag in Israel. Darüber gestolpert bin ich über folgendes Video bei facebook:

Ich hatte es glaube ich schon mal gesehen, aber gerade kam der Gedanke auf, wie tief dieses Ereignis sich in die israelische Kultur eingedrungen ist, wenn der Verkehr und das städtische Leben so zum Stillstand kommt. Immerhin sind wir in diesem Jahr 70 Jahre nach dem Erlebnis – ganze 2-3 Generationen.

In Deutschland wird viel zu oft geplaudert, ob man die Geschichte nicht hinter sich lassen könne – es sei doch alles so lange her und man habe nichts mehr damit zu tun. Ob man hier nun Sirenen heulen lassen muss, sei mal dahin gestellt, aber der Gedenktag am 27. Januar geht in Deutschland doch etwas unter, oder?

Dabei geht es nicht um Schuld – die haben die meisten nicht mehr – aber um Verantwortung und die einfache Erinnerung, zu was Rassismus und Hass führen kann. Ein wie auch immer gearteter Gedenktag könnte nie die Verbundenheit haben, wie bei einem Volk, dass 6 Millionen Menschen verloren hatte  und vielleicht ist die Zeit dafür abgelaufen. In Israel ist dieser Gedenktag mit Startschwierigkeiten seit 1961 etabliert und gesetzlich verankert. Der deutsche Gedenktag existiert gesetzlich erst seit 1996.

Foto: Valley2city (CC BY-SA 3.0)

 

Der Ozean am Ende der Straße

Der Ozean am Ende der Straße

Wiedermal ein Buch geschafft – mein Urlaubsbuch sozusagen: “Der Ozean am Ende der Straße” musste erkundet werden. Viele Freunde im Bekanntenkreis hatten davon geschwärmt, also hatte ich mir zum Geburtstag die digitale Fassung gekauft und dann eine Woche später auch “real” geschenkt bekommen. Dank Rückgaberecht der digitalen Fassung kein Problem und so habe ich an drei Tagen dieses Buch von Neil Gaiman gelesen und bin ebenso angetan. (mehr …)

Mit Pacman durch Gelsenkirchen

Mit Pacman durch Gelsenkirchen

Bei Google Maps gibt es wieder ein kleines Spielchen. Mit einem Mausklick wird aus der Straßenkarte nämlich ein Spielbrett für die bekannte punktefressende Spielfigur – natürlich inklusive Monster. Dazu ganz einfach bei Google Maps den gewünschten Stadtausschnitt wählen und unten links auf das Icon klicken. Eine festgelegte Spielfläche in der Mitte der aktuellen Ansicht wird dann zur Spielfläche. Viel Spaß :)

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Was mir der Absturz der Germanwings Maschine über mich, Betroffenheit und vor allem die Medien zeigte…

Die Woche ist vorbei und war von einem bestimmt: Dem Absturz der Germanwings Maschine aus Barcelona am Dienstag. Als ich im Radio davon hörte, war ich natürlich wie viele andere auch betroffen und ja auch interessiert daran, wie das geschehen konnte. Man hat sich auch darüber unterhalten, es war eben ein Tagesthema. Dennoch ging die Arbeit ihren gang, ich konnte sogar problemlos noch ins Kino. Nicht, dass mir die Menschen nicht leid tun würden, die darunter zu leiden haben, aber ich glaube persönliche Betroffenheit und Aufgeregtheit ist immer relativ von eigenen Erfahrungen, Interessen und Verbindungen. Aber darüber könnte man auch viel schreiben.

Dennoch kam  – nach dem ich dann am nächsten Morgen mitbekommen habe, wieviel darüber berichtet wurde und dass es sogar Livestreams gab – die Frage auf, ob meine nichtsogravierende Neugier ein Zeichen von Gleichgültigkeit sei und mir Gedanken machen sollte. Aber das Interesse blieb und als es am Mittag dann per Twitter die Ankündigung gab, dass es eine Sondersendung bei ARD gäbe, habe ich eingeschaltet. Und das hat mich dann doch total verwirrt, die Frage eher verstärkt und gleichzeitig die Frage aufgeworfen, ob es nicht vielleicht auch etwas viel Medienwirbel ist. Was man zu sehen bekam war nämlich der Besuch der Kanzlerin und Ministerpräsidentin in Frankreich, wo sie minutenlang den Rettungskräften die Hand schüttelte.

Nur um das nochmal deutlich zu machen: Der Besuch ist und war richtig, es war richtig, dass Sylvia Löhrmann Anteil an dem Leid der Schülerinnen und Schüler in Haltern genommen hat und dorthin gefahren hat und den Rettungskräften kann nicht genug gedankt werden. Was sie sehen und erleben müssen, was sie leisten verdient unser allen Respekt.

Aber ich fragte mich eben doch, ob nicht Sensationshascherei hier wichtiger war als ein Informationsinteresse. Half es irgendeinem Angehörigen, dass man minutenlang diesen Besuch zeigte und dabei belanglose Kommentare brachte? Ich hatte mir von der Sondersendung (im übrigen auch beim ZDF) mal eine kurze Zusammenfassung erhofft der letzten Ereignisse.

Zufällig war mir am gleichen Morgen auch ein Artikel von Peter Welchering über den Weg gelaufen. In dem beschreibt er, wie er angefragt wurde als Experte in eine Sendung zu gehen um mit zu spekulieren. Wollte er nicht, was die andere Seite offenbar ziemlich nervig fand. Das passte in das Bild von Medien, denen es um den Effekt und Hype geht – und diesen vielleicht zu schüren – anstatt um Aufklärung. Zugegeben: Ich habe am Dienstag nichts dergleichen geguckt, aber gab es in einer der Sendungen Spekulationen über den möglichen Suizid eines Piloten? Ich denke nicht. Es wurde also viel über nichts geredet.

Und Donnerstag dann die schockierende Meldung, dass der Co-Pilot wahrscheinlich einen Selbstmord mit der Ermordung von rund 150 Personen kombiniert hat. Und auch dann ging es in den Medien sehr schnell: Das Haus wird abgebildet, der komplette Name veröffentlicht und im Wahn der schnellste und exklusivste zu sein, wird dann auch mal die falsche Person abgebildet. Ich will jetzt nicht an der Diskussion teilhaben, ob es richtig ist den Nachnamen schon auszuschreiben oder Bilder des Toten zu veröffentlichen. Der Spiegel hat dazu gestern folgendes gesagt:

https://www.facebook.com/spiegelonline/posts/10153164385819869

Ich glaube das kann man so teilen. Der Co-Pilot ist mit den zusätzlichen Informationen von gestern, die immer mehr Hinweise auf einen Selbstmord-Mord geben, sicherlich eine Person der Zeitgeschichte geworden. Aber das gibt Medien noch lange nicht das Recht ihn und seine Familie als Freiwild anzusehen. Aber gut, das war bei den Opfern ja auch nicht anders, wie die Berichte von Journalisten, die Schülerinnen und Schüler und generell trauernde Fotografieren und zu Statements drängen.

Beim Täter kommt aber noch was anderes dazu: Hass. Er wird auch von einigen Medien m.E. offen geschürt und aufgebaut.

So zum Beispiel der Berliner Kurier heute. Das ist eben, was ich vor wenigen Tagen bei facebook als Schwarz-Weiß denken kritisierte. Dort wurde in einer schon am Donnerstag gegründeten Gruppe vom “Monster” gesprochen, was “in der Hölle brennen” solle. Das beantwortete zu dem Zeitpunkt natürlich nicht das “Warum?”. Inzwischen kann man es vielleicht erklären, denn es gibt ja Hinweise auf eine psychische Erkrankung. Nochmals: Die rechtfertigt nichts und beim Selbstmord noch 150 Leute mit in den Tod zu reißen ist unvorstellbar, aber es ist eben auch eine – ganz offiziell bescheinigt – kranke Person gewesen. Das muss in einen Umgang damit einfließen.

Und noch eins ist wichtig: Keiner der Verwandten, Freunde oder Nachbarn des Piloten haben mit dem Mord etwas zu tun. Trotzdem haben auch sie einen Menschen verloren und verdienen den Respekt auch in Ruhe trauern zu können.

Mir hat diese Woche zwei Dinge nochmal deutlich gemacht: Betroffenheit und deren Stärke ist rein subjektiv. Ich denke viele Menschen sind – ohne Hysterie – mehr betroffen von der Katastrophe als ich. Vielleicht fliegen sie mehr, kennen Leute, die im Flugwesen arbeiten, haben eine engere Verbindung zu Betroffenen oder ähnliches. Das ist normal und ich glaube Anteilnahme und Betroffenheit müssen nicht gemessen werden. Bei einigen Medien ist diese Woche aber aufgefallen, dass Anteilnahme und Betroffenheit von vielen genutzt wird, um Schlagzeilen zu machen, Einschaltquoten zu erhöhen und einfach auf dieser Welle mit zu schwimmen – im übrigen Trauer und Sorgen von Angehörigen missachtend. Was bringen diese Spekulationen hoch drei am Unfalltag oder das Vergnügen weinend und trauernd in Medien weiterverarbeitet zu werden – vielleicht in einer schönen Fotostrecke?

Das Thema ist vielleicht nicht neu, aber diese Woche ist es mir besonders aufgefallen und offensichtlich auch vielen, vielen anderen:

Das letzte ist bekanntlich Satire, aber da steckt ja auch immer ein Körnchen wahrheit drin. Ich könnte die Liste beliebig fortsetzen – durchaus auch mit anderen Ansichten – aber mir rennt die Zeit weg. Vielleicht gibt es morgen noch einen Nachtrag :)

 

Buch zur Berliner Brücke

Buch zur Berliner Brücke

Ich kenne die Stadt nicht anders: Kurt-Schumacher Straße, eine lange Brücke direkt nach der Grillostraße, der direkte ungestörte Weg nach Buer – naja, Stau mal ausgenommen, aber als Bahnfahrer hat man damit auch weniger zu tun. Aber das es mal ganz anders war, zeigt das neue Buch des Heimatbund Gelsenkirchen: “Berliner Brücke”. Es geht dabei um diese Brücke, die 700m lang über die Bahnanlagen in Schalke führt. Momentan hat man mit der Bahn ja nur noch zu tun, wenn man überlegt, ob man die Uechtingstraße fährt – wo man dann unter Umständen wenige Minuten darauf warten muss, dass die Bahn eben durchführt.

Früher war das offensichtlich anders: In einer 14 Stunden langen Messung noch vor der Brücke aus dem Jahr 1956 senkte sich die Schranke 118mal und führte zu 5 Stunden und 18 Minuten Wartezeit. In der im Ruhrgebiet offenbar typischen Selbstironie nannten die Gelsenkirchener diese Schranken “Glückauf” Schranke – mit Glück war sie auf :)

Naja, und da es so nicht weitergehen konnte, wurde schließlich die Berliner Brücke gebaut. Optionen, Probleme und viele technische Details werden in dem kleinen Heft gut beschrieben. Für 5 Euro ein nettes Stück Heimatgeschichte zu einer Brücke, die heute eine der Lebensadern der Stadt ist, vor 50 Jahren aber noch an einem Trennpunkt unserer Stadt stand.

Zu bekommen ist es unter anderem in der Buchhandlung Junius. Die WAZ hatte heute auch einen Bericht dazu.

berlinerbrueckebuch

Fotos: Beitragsbild mit Gedenkschild Berliner Brücke von Michael Westphal unter CC-by-sa 3.0 Lizenz / Buchfoto: Eigene Aufnahme

 

Einige Gedanken zum Edathy Verfahren 3

Ich hab irgendwie länger überlegt, ob ich zum Edathy Verfahren was schreiben soll. Das Thema ist emotional so aufgeladen, dass leider nicht ins Detail geguckt wird. Klar: “5.000 Euro Strafe für einen Kinderschänder” klingt und wäre schlimm für das Justizsystem. Nur ist es nicht so einfach und auch nicht ganz richtig. Zunächst ganz klar: Edathys Verhalten kann nicht verteidigt werden. Das will ich hier auch nicht. Bilder von nackten Kindern zu kaufen ist schon mehr als seltsam und zum Glück inzwischen strafbar.

1. Keine Strafe ohne Gesetz

Aber eben erst “inzwischen”. Erst durch den Skandal um Edathy wurde das Gesetz verschärft und dies auch wirklich verboten. Es ist aber eine Grundlage des Rechtsstaates, dass man nicht für etwas verurteilt werden darf, was zum Tatzeitpunkt nicht verboten war – egal wie seltsam es sein mag, dass es nicht verboten ist. Während “Unwissenheit nicht vor Strafe schützt”, sollte aber “Nichtstrafbarkeit” vor Strafe schützen. Man stelle sich mal vor, wenn rückwirkend willkürlich Strafen eingeführt werden könnten.

2. Moralische Schuld ist nicht juristische Schuld

Es ärgert, da solche Bilder nach moralischen Vorstellungen untragbar sind und die Grenze zu Pädophilie verständlicherweise nicht gesehen wird. Inzwischen ist der Straftatbestand ja auch ausgeweitet werden und ich sage sogar: Edathy hat sich schuldig gemacht. Aber es handelt sich aufgrund der “Keine Strafe ohne Gesetz”-Regel nur um eine moralische Schuld. Er hätte wissen können und müssen, dass sowas nicht richtig ist. Um juristisch schuldig zu sein, muss aber eben zum Tatzeitpunkt die Tat auch strafbar sein.

In der Politik gilt im übrigen öfter diese moralische Schuld: Es sind bestimmt mehr Rücktritte sind durch moralisches Fehlverhalten oder Fehler von Untergebenen entstanden, als durch wirkliche juristische Schuld. Aber das ist jetzt nicht statistisch überprüft – wäre mal interessant :)

3. Kein Freispruch, kein Verfahren

Aber ich denke genau diese Unterscheidung ist dann das juristische “Problem”. Nach dem was ich mitbekommen habe, wäre es für die Staatsanwaltschaft sicherlich nicht leicht, ihn vor Gericht zu einer Verurteilung zu bringen. Wenn die Bilder wirklich – wie gesagt – nackte Junge waren, war das nicht strafbar. Ich kann nicht wissen, ob man manche der Bilder stärker auslegen hätte können und ob es da mehr gab. Wenn dem so wäre, wäre es in der Tat ein Skandal, dass die Staatsanwaltschaft sich auf den Deal eingelassen hat. Aber erstmal muss man glaube ich von anderem ausgehen. Und dann hätte es vielleicht vor Gericht einen wirklichen Freispruch gegeben und so gibt es zumindest ein Eingeständnis dieser Handlungen, auch wenn Edathy dies nicht Geständnis nennt.

Das Verfahren ist im Übrigen nichts neues: Regelmäßig werden solche Deals durchgeführt, um Gerichte zu entlasten. Das mag man kritisieren – bei Ecclestone sehe ich das auch viel kritischer – aber es ist ein mehrere tausend Male im Jahr benutzter Weg, um Verfahren zu beenden.

Die Geldstrafe, dass nur am Rande, dürfte sich nach dem Einkommen der Person richten. Aber das wirlich nur am Rande, da hab ich nicht genauer nach recherchiert. 5.000 Euro erscheinen erstmal wirklich überschaubar wenig. Andererseits: Wenn es einen hoher Beitrag gewesen wäre, hätte man den Promibonus auch genannt, oder? (So wie ich vielleicht bei Ecclestone :D)

4. Das politische Problem

Ich glaube nicht, dass Edathy besser behandelt wurde, weil er Politiker war. Das Leben liegt hinter ihm. Ich gehe eher davon aus, dass wirklich mangelnde Beweislage dazu führte, dass man diesen Weg gewählt hatte. Interessant wird nur die politische Dimension des Verfahrens, nämlich die Frage, wer Edathy wann etwas gesagt hat. Denn dadurch sind womöglich Beweismittel verschwunden, die das Verfahren vielleicht hätten anders verlaufen lassen. Aktuell nur Spekulation. Man kann nicht wissen, ob Edathy mehr als “nur” posierende Kinder betrachtet hat. Aber es bleibt der Beigeschmack und die Bedeutung des Untersuchungsausschuss steigt m.E. durch das Verfahren an. Umso trauriger, dass die SPD (+Union) im Untersuchungsausschuss nun den Blick weg von der SPD richten.

Fazit: Kein Mitleid mit Edathy aber juristisch problematisch

Es wird immer gesagt, Edathy wäre schon genug bestraft durch sein öffentliches Leben. Zugegeben, mein Mitleid hält sich etwas in Grenzen, dafür ist mir sein Verhalten zu unverständlich. Aber ich sehe eben auch keine Verschwörung und – anders als bei Ecclestone – auch kein Promibonus. Ich sehe ein Gericht, was angesichts einer schweren – vielleicht durch seine politischen Beziehungen erschwerten – Beweislage, einen Weg gefunden hat, dieses Verfahren irgendwie zu lösen. Jakob Augstein spricht im Spiegel von einem “ungesunden Volksempfinden” im Bezug auf das Urteil. Ich weiß nicht, ob man es sich so einfach machen kann. Die Grenze  zwischen dem Angucken nackter Kinderkörper und praktizierten sexuellen Handlungen ist sowohl in der Berichterstattung als auch in den Köpfen nicht wirklich ausgeprägt. Zumindest in den Köpfen ist das nachvollziehbar, in den Medien wäre vielleicht etwas mehr Detail hilfreich.

Aber eins ist doch richtig: Anstatt sofort alle Befürchtungen von einem Staat, der Politiker, Pädophile und Reiche schützt, bestätigt zu sehen, sollte man vielleicht auch überlegen, warum es zu dieser Entscheidung kommt. Wieso sollten gerade ein Richter und Staatsanwalt auch ein unnatürliches Verständnis für einen starken Kinderschänder haben? Nur weil es ein Politiker ist, den keiner mehr will, dessen Karriere beendet ist und bei dem eine deutliche Verurteilung vielleicht viel mehr Druck von der SPD Spitze genommen hätte? Kann es nicht auch eine nachvollziehbarer Erklärung geben?

Wie gesagt: Soweit “Bitte entschuldigen Sie, Herr Edathy” wie heute in der ZEIT geschrieben zu sagen, würde ich nicht gehen, aber auch hier wird ein juristischer Blick auf das Verfahren geworfen und nochmal deutlich gemacht, was eine Verurteilung erschwert hat.

Und noch einen Satz aus dem Justizwesen kennt jedeR: “In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten” und bei einer Verhandlung wäre daraus wahrscheinlich ein “In dubio pro Edathy” geworden – wie im Gelsenkirchen Blog vor zwei Tagen beschrieben. Sowohl diesen Artikel, wie auch den in der ZEIT und dem Spiegel rate ich angesichts der momentan emotional aufgeladenen Stimmung zu lesen und einzuordnen.

Und vielleicht erkennt man dann, dass der Satz  “5.000 Euro Strafe für einen Kinderschänder” viele problematische Aussagen enthält: Es ist keine Strafe, denn das Verfahren ist eingestellt worden. Edathy ist zu nichts verurteilt worden. Juristisch unschuldig, moralisch ganz sicher nicht. Aber “Kinderschänder” ist eben generell ein weiter Begriff, der zum Zeitpunkt der Tat auch noch – zumindest juristisch – anders definiert wurde. Und dann bleibt vom Skandal vielleicht nur ein juristisches Problem…